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Die Mauer ist offen: DDR-Bürger strömen nach West-Berlin. Bild: EPA/DPA

Was geschah am 9. November?

Mehrere wollen es gewesen sein – doch wer hat die Berliner Mauer wirklich geöffnet?

Am späten Abend des 9. November 1989 strömten Tausende DDR-Bürger nach West-Berlin. Die Mauer war offen, 28 Jahre nach ihrem Bau. Wie es dazu kam, ist umstritten.

09.11.14, 11:27 10.11.14, 10:36

Eigentlich ist der Fall klar: Harald Jäger, Oberstleutnant der Staatssicherheit, am 9. November 1989 diensthabender Leiter am Grenzübergang Bornholmer Strasse in Berlin, hat die Mauer geöffnet. Im Laufe des Abends kamen immer mehr DDR-Bürger zum scharf bewachten Grenzposten und forderten lautstark die Ausreise nach West-Berlin. Jäger telefonierte mit seinen Vorgesetzten, doch die waren mit der Situation überfordert. Um 23.30 Uhr kapitulierte der Grenzschützer: Er liess den Schlagbaum öffnen, der Weg nach Westen war frei.

Harald Jäger öffnete als erster die Grenze. Bild: Ferdinand Ostrop/AP/KEYSTONE

Fünfeinhalb Stunden zuvor rechnete niemand mit einem solchen Szenario. Um 18 Uhr begann in Ost-Berlin eine Pressekonferenz. Politbüromitglied Günter Schabowski referierte vor den Medien über die Beschlüsse des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Interessant wurde es erst nach knapp einer Stunde: Ein Journalist fragte nach dem geplanten Reisegesetz. Schabowski liess die Bombe platzen: Für Bürger der DDR sei es neu möglich, «über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.»

«Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.»

Günter Schabowski

Schlagartig herrschte Aufregung im Saal. Wann dies der Fall sei, wurde Schabowski gefragt. Er suchte in seinen Unterlagen und stammelte: «Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.» Für Spiegel Online war es «das folgenreichste Versehen der DDR-Geschichte», für das ZDF «der schönste Irrtum der Geschichte». Denn Schabowski hatte übersehen, dass die Regelung erst um 4 Uhr am nächsten Morgen verkündet werden sollte.

Schabowski spricht die entscheidenden Worte. video: YOuTube/alfleila

Für die Menschen in Ost-Berlin war es eine Initialzündung. Sie eilten zu den Grenzübergängen, um von der «sofortigen» Reisefreiheit zu profitieren. Nach jenem an der Bornholmer Strasse wurden in der gleichen Nacht auch andere geöffnet, schon in den folgenden Tagen begann die Demontage der Mauer, die Berlin 28 Jahre geteilt hatte. Wer aber hatte Günter Schabowski die entscheidenden Worte entlockt und die Maueröffnung ermöglicht? Gleich drei Journalisten streiten um die Ehre:

Der Italiener

Riccardo Ehrman war Korrespondent der italienischen Nachrichtenagentur ANSA in Ost-Berlin. Er fragte Schabowski in holprigem und wenig logischem Deutsch nach dem neuen Reisegesetz. Lange galt der heute 85-jährige deshalb als «Maueröffner», er wurde 2008 von der deutschen Regierung sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Allerdings tendiert Ehrman dazu, seine Rolle zu überhöhen und mit fragwürdigen Details anzureichern. So hat er in Interviews wiederholt behauptet, er habe auch die Frage «Ab wann?» gestellt.

Die Pressekonferenz vom 9. November: Riccardo Ehrman sitzt links neben dem Podium. Der Mann mit dem Arm auf der Lehne ist Peter Brinkmann.  bild: Bundesarchiv

Der «Bild»-Reporter

Letzteres stimmt nachweislich nicht. Die Frage, die Schabowski fälschlicherweise mit «sofort» beantwortete, stammte von Peter Brinkmann, damals Korrespondent des Boulevardblatts «Bild» in der DDR. In der Fernsehaufzeichnung der Pressekonferenz ist seine Stimme deutlich zu hören. Zeitzeugen und Historiker bestätigen, dass Brinkmann die Frage stellte, die noch am gleichen Abend zum Run auf die Mauer führte.

Der Ex von Sahra Wagenknecht

Nun aber behauptet ein Dritter, er sei der Fragesteller gewesen: Ralph T. Niemeyer, gebürtiger West-Berliner und damals für den «Deutschen Auslandspressedienst Bonn» tätig. Er habe Schabowski gefragt, ab wann die Regelung gelte, sagte Niemeyer der «Saarbrücker Zeitung». Tatsächlich haben neben Brinkmann auch andere Journalisten nach dem «Wann» gefragt. «Schabowski kannte mich, und blickte wohl deshalb zu mir als ich rief: Ab wann gilt das?», meinte Brinkmann.

Ralph Niemeyer bei der Hochzeit mit Sahra Wagenknecht. bild: ap

Nachprüfen lässt sich diese Version kaum. Der heute 85-jährige und schwer kranke Günter Schabowski konnte selber nie sagen, wem er genau geantwortet hatte. Ralph Niemeyer ist eine schillernde Figur. Er war von 1997 bis 2013 mit Sahra Wagenknecht verheiratet, der heute mit Oskar Lafontaine liierten Vorzeigefrau der Linken. Letztes Jahr kandierte er selber vergeblich für die Linkspartei im norddeutschen Wilhelmshaven für den Bundestag.

Der «Tagesthemen»-Moderator

Drei Journalisten wollen es gewesen sein. Doch ein vierter spielte ebenfalls eine wichtige Rolle: Hanns Joachim Friedrichs, Moderator der ARD-Sendung «Tagesthemen» und wohl bekanntester und angesehenster Fernsehjournalist der BRD. Um 22.45 Uhr eröffnete er die Sendung mit einer denkwürdigen Aussage: «Dieser 9. November ist ein historischer Tag. Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet sind, die Tore in der Mauer stehen weit offen.»

Die Anmoderation von Hanns Joachim Friedrichs. video: YOuTube/xy01

Das stimmte in keinster Weise, die Grenzübergänge waren zu jenem Zeitpunkt noch verriegelt. Doch viele Ostdeutsche, die ihrer Obrigkeit misstrauten, waren nun überzeugt, dass es wahr sein musste. Hatten sich zuvor erst einige hundert Leute an den Grenzübergängen versammelt, waren es nun Tausende. Knapp 45 Minuten nach Friedrichs' «unwahrer» Anmoderation öffnete Harald Jäger den Grenzübergang an der Bornholmer Strasse. Die Berliner Mauer war gefallen, weil Günter Schabowski und Hanns Joachim Friedrichs Blödsinn verzapft hatten.

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  • Gelöschter Benutzer 09.11.2014 13:12
    Highlight schön schön, dabei, bei den "g´schichtli" geht eigentlich immer wieder unter, dass es der bürger, das ddr-volk war, welches es als einziges in der geschichte europas geschaft hat, nahezu gewaltfrei eine revolution erfolgreich durchzuziehen.


    ps.
    sollte auch zum beispiel genommen werden, dass solches, auch durch seither noch intensivere uberwachungsmechanismen jederzeit wieder moeglich ist, rat an politiker: "treibt es nicht zu bunt"

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  • zombie1969 09.11.2014 13:10
    Highlight Wie Egon Krenz es doch noch mit Stolz im Unterton in die Welt hinaus posaunte: "die Panzer in den Kasernen liessen schon die Motoren warm laufen."
    Ohne M. Gorbatschow hätte es wohl ein riesiges Blutbad gegeben. Die schöne Geschichte, dass das Volk den Untergang des Regimes herbeigeführt hat, ist daher eher Wunschdenken. Die alten Herren hätten ihren Unrechtsstaat bis zum Letzten verteidigt, aber ohne das Kopfnicken des grossen Bruders traute man sich das nicht.
    Wolff Biermann hat da im Bundestag soeben die richtigen Worte an die "Drachenbrut" gefunden.
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  • Lowend 09.11.2014 12:55
    Highlight Ich gedenke lieber dem Held und Freiheitskämpfer Georg Elser, der am 8. Nov. 1939 den grauenhaften Mörder und Volksverhetzer Adolf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller ermorden wollte und wenn er reüssiert hätte, Millionen von unschuldigen Menschen das Leben gerettet hätte!

    http://www.georg-elser.de/dok/index.html
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