Schweiz
Strasse

Bund prüft über 120 Ampeln an Autobahnzufahrten

Ein Stau auf der Autobahn A1 vor Wallisellen in Richtung Zuerich, aufgenommen waehrend des Abendverkehrs am Dienstag, 6. Februar 2024 in Wallisellen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ein Stau auf der Autobahn A1 vor Wallisellen in Richtung Zürich.Bild: KEYSTONE

Um Verkehr auf der Autobahn zu dosieren: Bund prüft über 120 Ampeln an Zufahrten

Der Bund will den Verkehr auf den Schweizer Autobahnen mit sogenannten Rampendosierungen flüssiger machen. Dafür werden an mehr als 120 Zufahrten Ampelanlagen geprüft. Rückstaus auf Kantons- und Gemeindestrassen nimmt das Bundesamt für Strassen dabei bewusst in Kauf.
11.10.2026, 04:3611.10.2026, 08:06

Nach dem Nein zum Ausbau der Nationalstrassen sucht der Bund verstärkt nach Möglichkeiten, bestehende Autobahnen effizienter zu nutzen. Neben der zeitweisen Freigabe von Pannenstreifen setzt das Bundesamt für Strassen (Astra) dabei auf sogenannte Rampendosierungen.

Dabei regeln Ampeln an Autobahnauffahrten, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig auf die Nationalstrasse gelangen. Dadurch sollen Staus und Auffahrunfälle auf der Autobahn reduziert werden.

Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, prüft das Astra derzeit an mehr als 120 Standorten solche Anlagen. Besonders viele mögliche Standorte liegen im Raum Zürich, Basel und in der Westschweiz. 15 Rampendosierungen sind bereits in Betrieb, unter anderem in Bern, Zürich und im Aargau.

Rückstau auf lokalen Strassen wird akzeptiert

Die Kehrseite: Werden Fahrzeuge vor der Autobahnzufahrt zurückgehalten, kann sich der Verkehr auf das umliegende Strassennetz verlagern.

Dass dies teilweise bewusst in Kauf genommen wird, geht laut «SonntagsZeitung» aus einer internen Aktennotiz des Astra hervor. An einer Sitzung Ende Januar 2025 sei festgehalten worden, Rampendosierungen sollten auch dann realisiert werden, wenn dadurch Rückstau auf nachgelagerten Strassen entstehe.

Astra-Sprecherin Sarina Keusch bestätigt den grundsätzlichen Zielkonflikt. Rampendosierungen seien das einzige Instrument, mit dem der Zufluss auf Autobahnen direkt gesteuert werden könne. Dabei könne es allerdings zu Staus auf dem lokalen Strassennetz kommen.

Konkrete Projekte sollen nach Angaben des Bundes in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt werden. Einen verbindlichen Zeitplan gibt es bislang nicht.

Deutlich mehr Staustunden

Das Astra begründet die Pläne mit der zunehmenden Überlastung der Autobahnen. 2025 wurden demnach 68'040 Staustunden gezählt – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Besonders stark betroffen sind die grossen Agglomerationen und das Mittelland. Dort können viele gleichzeitig einfahrende Autos den Verkehrsfluss zusätzlich bremsen.

Der Bund verweist auf Erfahrungen aus Deutschland und den Niederlanden. Dort hätten Rampendosierungen die Kapazität von Autobahnzufahrten teilweise um bis zu fünf Prozent erhöht. Gleichzeitig seien weniger Staus und Auffahrunfälle registriert worden.

Kantone bislang kaum einbezogen

Bei den betroffenen Kantonen und Städten stossen die Pläne allerdings auf Vorbehalte. Viele von ihnen wurden nach eigenen Angaben bislang noch nicht konkret in die Planungen einbezogen.

Allein im Raum Basel werden 19 Anlagen geprüft. Der Kanton Basel-Stadt zeigt sich gegenüber der «SonntagsZeitung» grundsätzlich offen für Massnahmen, die den Verkehrsfluss verbessern. Rückstaus auf das städtische Strassennetz sehe man jedoch kritisch.

Ähnlich äussert sich der Kanton Schaffhausen. Massnahmen müssten gemeinsam mit Bund, Kantonen und Gemeinden geplant werden.

Auch der Schweizerische Städteverband warnt davor, die Probleme lediglich von der Autobahn in die Siedlungsgebiete zu verschieben. Mehr Verkehr auf lokalen Strassen könne auch den Fuss- und Veloverkehr belasten und Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit haben.

Das Astra hält dagegen, Kantone und Gemeinden würden einbezogen, sobald aus einer Prüfung ein konkretes Projekt entstehe.

Politisch grundsätzlich Zustimmung – aber mit Vorbehalten

Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser unterstützt Rampendosierungen grundsätzlich. Rückstaus direkt auf einer Autobahnzufahrt seien vertretbar. Problematisch werde es jedoch, wenn sich der Verkehr bis auf Kantons- und Gemeindestrassen zurückstaue.

Auch FDP-Nationalrat und TCS-Verwaltungsrat Peter Schilliger sieht in solchen Anlagen ein sinnvolles Instrument – allerdings nur punktuell und bei hoher Verkehrsbelastung. Für ihn müsse bei der Verkehrssteuerung die Bedeutung der jeweiligen Strasse berücksichtigt werden. Autobahnen hätten dabei grundsätzlich Vorrang.

Wie anspruchsvoll die Steuerung ist, zeigt eine bestehende Anlage auf der A1 bei Kirchberg BE. Werden zu wenige Fahrzeuge auf die Autobahn gelassen, staut sich der Verkehr auf dem Zubringer. Werden zu viele durchgelassen, stockt die Autobahn erneut.

Parallel dazu prüft das Astra auf 24 Abschnitten, ob Pannenstreifen zu Spitzenzeiten als zusätzliche Fahrspuren genutzt werden können. Beide Massnahmen sollen dazu beitragen, die bestehenden Nationalstrassen leistungsfähig zu halten, ohne neue Fahrspuren bauen zu müssen. (mke)

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