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Rassismus

Schwarzer Aktivist in London rettet rechten Gegendemonstrant

Schwarzer Aktivist rettet rechten Gegendemonstranten – und wird zu Englands Held

15.06.2020, 09:3415.06.2020, 12:37

Das Foto ging über das Wochenende viral: Ein schwarzer Aktivist trägt einen Mann inmitten von Krawallen auf seiner Schulter und bringt ihn in Sicherheit. Was ist passiert?

Die Szene entstand nahe der Waterloo Bridge in London. Am Samstag kam es dort zu Auseinandersetzungen zwischen «Black Lives Matter»-Demonstranten und rechten Gegendemonstranten. Es wurde geprügelt, die Lage drohte zu eskalieren.

Ein mutmasslicher rechter Gegendemonstrant geht zu Boden, da schreitet plötzlich Patrick Hutchinson ein: Er schnappt sich den ihm unbekannten und sichtlich benommenen Mann und trägt ihn in die Richtung der Sicherheitskräfte.

Ursprünglich fotografierte der Reuters-Journalist Dylan Martinez die Szene, übers Wochenende verbreitete sich das Bild aber wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. Und Hutchinson wird plötzlich zum Helden, zum Symbol für Menschlichkeit und Zivilcourage.

Dylan Martinez erzählt, wie es zum Foto kam: «Ich sah ein Scharmützel und jemand fiel zu Boden.» Dann seien die beiden Männer aufgetaucht.

«Die Menge teilte sich direkt vor meinen Augen. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte unglaubliches Glück. Er kam zügig auf mich zu», erzählt Martinez weiter. Der Mann, der getragen wurde, hatte anscheinend Verletzungen im Gesicht, einige Personen in der Menge riefen, er sei ein Rechtsextremer. Gegenüber Reuters sagte die Polizei, dass man von den Szenen Kenntnis habe, machte aber keine weiteren Angaben zur Person oder seinen politischen Ansichten.

Das sagt der Retter

Der Retter in der Not war von den britischen Medien schnell ausgemacht: Es handelt sich um einen Fitnesstrainer namens Patrick Hutchinson. Gegenüber «Channel 4 News» beschrieb er am Sonntag die «beängstigenden» Vorfälle bei der Demo:

«Es war ziemlich hektisch, es war fast wie eine Massenflucht [...]. Die Jungs gingen da rein, sie legten eine Art Absperrung um ihn, um zu verhindern, dass er noch mehr körperliche Schäden davontrug.»

Er habe dann instinktiv gehandelt und einfach getan, was getan werden musste:

«Sein Leben war in Gefahr. Also ging ich einfach runter, schnappte ihn mir und legte ihn auf meine Schultern und marschierte sozusagen mit ihm auf die Polizei zu, während all die Jungs mich abschirmten und mich und den Kerl, den ich auf meiner Schulter hatte, beschützten.»

Auf die Aussage des Journalisten, Hutchinson sei quasi ein Nationalheld geworden, antwortet dieser: «Ich war einfach der Typ, den die Kamera eingefangen hat, aber all die anderen um mich herum hatten auch Teil daran. Wenn sie nicht gewesen wären, wäre ich vielleicht auch niedergetrampelt worden.»

Gemäss «Guardian» waren Hutchinson und seine Freunde bei den Protesten anwesend, um laut eigener Aussage «für Sicherheit zu sorgen». Einige der Gruppe seien Kampfsportexperten und auch in der Security-Szene tätig.

Hutchinson zieht Parallelen zum Tod von George Floyd: «Wenn die anderen drei Polizisten, so wie wir, eingeschritten wären und ihren Kollegen gestoppt hätten, wäre George Floyd noch am Leben.»

Claudia Webbe, Parlamentsabgeordnete für Leicester twitterte: «Ein Nationalheld – so sieht Menschlichkeit aus.» Und der Labour-Abgeordnete für Tottenham, David Lammy bilanziert: «Es ist leicht, sich auf die schlimmsten Instinkte menschlichen Verhaltens zu konzentrieren. Aber es ist wichtig, dass wir auch das Beste feiern.» (jaw)

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