Hackerangriff legt deutsche Behörden lahm: «Wir sind praktisch arbeitsunfähig»
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) besteht nach dem Hackerangriff auf zwei Berliner Senatsverwaltungen keine Internetverbindung, Mailkommunikation und das Arbeiten im Homeoffice seien unmöglich.
«Wir sind praktisch arbeitsunfähig», zitiert der «Tagesspiegel» einen Mitarbeiter der Verkehrsverwaltung. «An einer Lösung bis morgen glaubt hier kaum einer.»
Hingegen zitiert das Nachrichtenmagazin «Spiegel» eine Senatssprecherin, wonach die betroffenen Verwaltungen arbeitsfähig, aber nur telefonisch erreichbar seien.
Gemäss aktuellen Medienberichten könnten weitere Verwaltungsabteilungen betroffen sein. Ob es sich um eine Ransomware-Attacke respektive das Werk von Online-Erpressern handelt, ist nicht öffentlich bekannt.
Der deutsche IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug bezeichnete die bestehenden Cybersicherheits-Massnahmen der Behörden als mangelhaft. Bei politischen Anhörungen seien andere Experten und er einig gewesen, dass Berlin in diesem Bereich «sehr schlecht» aufgestellt sei. Atug kritisierte zudem die Krisenkommunikation. Seiner Ansicht nach bräuchte es eine Webseite mit Antworten auf zentrale Fragen (FAQ).
Sensible Daten abgeflossen
Die Senatskanzlei – der Verwaltungsstab des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner – hatte Montagnachmittag mitgeteilt, bei forensischen Untersuchungen sei eine «Inkriminierung des Landesnetzes» festgestellt worden.
Betroffen seien die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Beide seien aus Sicherheitsgründen bereits am Freitag vom Netz des Bundeslandes Berlin abgetrennt worden, um weiteren Schaden abzuwenden. Die Senatsverwaltungen entsprechen in etwa Ministerien in der Verwaltung Berlins.
Die Senatskanzlei machte wenige Angaben. «Aus ermittlungstaktischen Gründen können derzeit keine weiteren konkreten Informationen zu Ausmass und Hintergründen gegeben werden», hiess es. Unklar blieb auch, ob Daten abgeflossen sind. «Die forensischen Untersuchungen dauern an», teilte Senatssprecherin Christine Richter dazu auf Anfrage mit.
Gemäss übereinstimmenden Medienberichten sind bei dem Angriff zum Teil sensible Daten gestohlen worden.
Notfallkrisenstab eingerichtet
Laut Senatskanzlei wurden Berlins Landeskriminalamt, die Staatsanwaltschaft Berlin und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eingeschaltet. Aufgrund des Vorfalls sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Gemäss Senat – der Regierung des Bundeslandes Berlin – wurde ein Notfallkrisenstab unter Leitung des Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit eingerichtet, der die weiteren Schritte koordiniert.
Quellen
- Nachrichtenagenturen SDA/DPA
- tagesspiegel.de: „Wir sind praktisch arbeitsunfähig“: Hackerangriff auf Berliner Senatsverwaltungen – Daten abgeflossen
- spiegel.de: Hacker greifen Berliner Landesnetz an, das Ausmass ist noch unklar
(dsc)
