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Wo Kafi Ironie vermutet, steckt manchmal bitterer Ernst.   Bild: Kafi Freitag

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FragFrauFreitag

Hallo Kafi. Ich bin ein eher ironischer Mensch, der nicht alles ganz so ernst nimmt und stehe deshalb immer wieder in der Kritik. Ist Ironie am aussterben? 



Kommentare und Ausdrücke, die nicht ausdrücklich und unmissverständlich als Sarkasmus gebrandmarkt werden, werden in den seltensten Fällen verstanden und man muss sich erklären. Liegt es möglicherweise auch nur an mir, dass ich es zu wenig eindeutig rüberbringe? Bei gewissen Leuten geht es sogar so weit, dass ich mich zurückhalten muss, irgendwas zu schreiben, da das Pulverfass sonst explodiert. Wie siehst du das? Ist Ironie ein seltenes, wertvolles Gut geworden? Oder liegt das einfach an der stark abnehmenden sozialen Intelligenz, die niemand mehr lernen kann, da jeder nur noch am lebenserhaltenden, digitalen Gerät angeschlossen ist? Oder liegt es möglicherweise daran, dass die Menschen verbittert werden, bei all den ernsten, konfliktschürenden Medienbeiträgen, die uns tagtäglich aus aller Welt erreichen? Ist die «Generation Y» ironieimmun? Fabian, 22

Lieber Fabian 

Noch spannend, Ihre Frage. Und zwar auf verschiedenen Ebenen. Auf der einen natürlich inhaltlich. Aber nicht weniger auf der Metaebene, wie sie gestellt und formuliert ist.  Ich habe ja auch schon mehrfach geschrieben, dass Ironie nicht des Schweizers liebstes Kind ist. Aber Sie machen es sich nun trotzdem etwas zu einfach mit Ihren Vermutungen. Es ist schön und vorbildlich, wenn Sie nicht immer alles so ernst nehmen. Noch schöner, wenn Sie auch sich selber nicht allzu ernst nehmen!

Sie sagen, dass die soziale Intelligenz stark abnimmt, weil sie ob der Nähe zur digitalen Welt niemand mehr erlernen kann. Und gleichzeitig formulieren Sie das Problem, dass Sie schampar aufpassen müssen, was Sie schreiben, weil es gerne missverstanden wird. Sie scheinen also ein Opfer Ihrer eigenen Theorie geworden zu sein, ansonsten würde sich die Problematik nicht ausschliesslich auf das geschriebene Wort beziehen. Ich bin nämlich ganz und gar nicht Ihrer Meinung, was die soziale Intelligenz betrifft und sehe es genau anders rum. Gerade weil wir uns heute so oft schriftlich artikulieren und uns in einem Rahmen auf sozialen Netzwerken austauschen, den es vor 10 Jahren noch gar nicht gab, müssen wir tagtäglich neue soziale Kompetenzen erwerben.

Was im direkten Kontakt, Face to Face mit einem charmanten Lächeln und einem angepassten Stimmbild untermalt werden kann, fällt nämlich im schriftlichen Verkehr vollkommen zwischen Stuhl und Bank. Dort muss man sich mit doofen Smileys behelfen, welche auch nicht selten aus einer formulierten Beleidigung etwas Ironisches machen sollen.

Doch Ironie ist was sehr Anspruchsvolles und es ist schwierig, sie im geschriebenen Wort zu platzieren. Ironie setzt eine Aufmerksamkeit voraus, die man heute kaum mehr einem Online-Text entgegen bringt. Heute wird in einem Tempo konsumiert und gelesen, das kaum mehr Grauabstufungen zulässt. Und Ironie ist inflationär. Je mehr man sie gebraucht, umso weniger wird sie geschätzt und erkannt. Und hier könnte vielleicht Ihr Pudel begraben sein. Es ist anstrengend, wenn jemand immerzu ironisch ist und die Antwort darauf könnte tatsächlich Ignoranz sein.

Begehen Sie also bitte nicht den Fehler, Ihr Umfeld zu unterschätzen, nur weil es Ihre Ironie zu wenig goutiert. Und es als verbittert anzusehen, ist meiner Meinung nach auch verfehlt, gerade weil verbitterte Menschen sich gerne im Sarkasmus suhlen. Und dieser ist ja bekanntlich der grössere Bruder der bedeutend zarteren Ironie.

Anstatt an einer ausgefeilten Diagnose für die Generation Y zu feilen, würde ich drum lieber mal einen kritischen Blick auf die eigene Art des Kommunizierens werfen. Nicht selten befinden sich Probleme, die man angestrengt ausserhalb sucht, näher, als es einem lieb sein kann.

 Mit bestem Gruss. Ihre heute vollkommen unironische Kafi. 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag

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