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Der religiöse Torjubel an der WM sollte verboten werden

Switzerland's Ruben Vargas celebrates after scoring his side's second goal during the World Cup Group B soccer match between Switzerland and Bosnia in Inglewood, Calif., near Los Angeles, Th ...
Ruben Vargas huldigt Gott beim Torjubel.Bild: keystone
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Der religiöse Torjubel an der WM sollte verboten werden

Fromme Fussballstars wie Messi, Ruben Vargas und Felix Nmecha gehen beim Torjubel in die Knie und danken Gott.
27.06.2026, 08:0327.06.2026, 08:03

Sie tun es wieder und wieder und wieder. Sie sprinten über den heiligen Rasen, sinken auf die Knie, bekreuzigen sich, strecken die Hände in die Höhe und zeigen mit zwei Fingern in den Himmel. Ruben Vargas tat es im Spiel gegen Kanada, Messi huldigte Gott nach einem Torschuss gegen Österreich, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Ruben Vargas legt ein religiöses Bekenntnis ab und nutzt die WM zur Missionierung von Fans.Video: YouTube/Fussball mit Vision

Sie huldigten ihrem Gott vor einem Millionenpublikum. Die Stars nutzen die grösste Bühne der Welt, um ihrem Gott das Tor zu widmen und ein Glaubensbekenntnis abzulegen. Ein religiöses Ritual, das mit dem Fussball nichts zu tun hat.

Einen Schritt weiter gingen der deutsche Fussballstar Felix Nmecha sowie Jonathan Tah und weitere Spieler aus Curaçao, die nach dem Abpfiff gemeinsam auf dem Platz beteten. «Nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder», sagte Nmecha danach im TV-Interview.

Demonstrative Inszenierung

Es stellt sich die Frage, weshalb sie ihr religiöses Statement vor dem Publikum zelebrierten und den religiösen Akt als Show inszenierten, statt ihr Gebet in der Garderobe abzuhalten. Oder: Was treibt die Fussballstars an, vor einem Millionenpublikum ihre religiöse Überzeugung zu demonstrieren?

Es gibt mehrere Motive. Das Naheliegendste: Die Fussballgötter bedanken sich bei ihrem Schöpfer für den erfolgreichen Torschuss. Sie sind folglich überzeugt, dass Gott das Spiel verfolgt und sie für ihre Treue belohnt. Sie glauben, dass er in die Welt wirkt und sie auf dem heiligen Rasen unterstützt.

Als Zuschauer fragt man sich, ob Gott nichts Besseres zu tun hat, als steinreiche und superprivilegierte Kicker bei einem Sportanlass zu unterstützen. Grundsätzlich irritiert die Vorstellung, Gott für ein läppisches Tor zu danken, während gleichzeitig Tausende beim Erdbeben in Venezuela sterben oder schwer verletzt unter den Trümmern eingeklemmt sind und verdursten. Es ist eine Anmassung, Gott für eine Nebensächlichkeit wie Fussball für sich zu beanspruchen.

Ein weiteres Motiv der religiösen Showeinlage: Die Stars wollen ein Zeugnis für Gott ablegen, das von Fernsehkameras effektvoll eingefangen und in die ganze Welt hinausgetragen wird. Damit wird die publikumswirksame Bekreuzigung ein missionarischer Akt.

Die Erfahrungen zeigen, dass dieser Aspekt die Hauptmotivation für das religiöse Prozedere auf dem Fussballplatz ist. Denn die auf die Knie fallenden Spieler sind ausnahmslos freikirchlich sozialisiert. Es würde einem Katholiken oder Protestanten nicht im Traum einfallen, den Blick nach einem Torerfolg in den Himmel zu richten und Gott zu danken.

«JesusMyGoal ist eine Initiative von Fussballern, die ein Ziel gemeinsam haben und darüber jubeln können. Jesus ist unser Ziel, auf und neben dem Platz.»
Das Motto von «JesusMyGoal», das von Fussballern gegründet worden ist.

In Freikirchen hingegen ist die Mission das oberste Gebot. Die Gläubigen werden angewiesen, immer und überall Zeugnis für Gott abzulegen und Aussenstehende anzuwerben. Frei nach dem biblischen Dogma: Gehet hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium.

Das Gebet von Nmecha und Tah war vorbesprochen und organisiert, was den Missionsaspekt unterstreicht. Vargas und Nmecha bestätigen es. Sie gründeten zusammen mit weiteren Fussballstars die Plattform «JesusMyGoal» (JMG) und verkaufen Klamotten mit dem Logo JMG.

Ihr Motto: «JesusMyGoal ist eine Initiative von Fussballern, die ein Ziel gemeinsam haben und darüber jubeln können.» Und: «Jesus ist unser Ziel, auf und neben dem Platz.» Sie benutzen den Fussball und ihren Status als Stars, um Fans zu missionieren.

«Jesus ist immer an meiner Seite»

In Videos, die sie kurz vor der WM aufgeschaltet haben, legen sie ihr christliches Zeugnis ab. Ruben Vargas sagt im Video mit dem Titel: «Jesus ist immer an meiner Seite»: «Jesus ist für mich mein Retter. Ich habe ihm eigentlich alles zu verdanken. (...) Er ist immer da.»

Felix Nmecha erklärt im Video mit dem Titel: «Warum Jesus alles für mich ist»: «Als ich realisierte, dass ich nicht gut bin und einen Retter brauche, habe ich zu Jesus gefunden. (...) Ich kann den Menschen sagen und versprechen, dass sie erfüllt sein werden, wenn sie Jesus kennenlernen. (...) Jesus hat mich gerettet.»

Der Missionsgedanke ist offensichtlich. Deshalb müsste der Fussballverband FIFA den religiösen Torjubel und persönliche Bekenntnisse während des Spiels verbieten. Die FIFA hält zwar fest, dass der Fussball religiös neutral sein muss, doch sie duldet die religiösen Posen.

Helden und Vorbilder

Fussballstars sind für viele Leute Helden und Vorbilder. Vor allem für junge Fans. Diese eifern ihren Idolen nach und interessieren sich auch für ihr Privatleben.

Der religiöse Torjubel kann das Interesse am Glauben der Stars wecken. Ihre Aktionen haben die Qualität einer religiösen Beeinflussung des Publikums. Somit besteht die Gefahr, dass manche Fans in einen fundamentalistischen Glauben abrutschen.

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Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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235 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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namib
27.06.2026 08:47registriert März 2018
Wie genau ein Fussballer jubelt, ist völlig egal, solange seine Handzeichen nicht provozieren.
Und wenn es um die Beeinflussung jugendlicher Gans geht, dann kommen mir noch andere Dinge in den Sinn, die man zuerst verbieten sollte: Zum Beispiel die herabwürdigende Haltung gegenüber Frauen und die Drogen- und Gewaltverherrlichung in der Rapszene. Ein Fussballer, der Gott dankt, ist ein kleines Problem, respektive gar keines, solange man ihm nicht vorschreibt, das zu tun.
8521
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An Walser
27.06.2026 08:48registriert Mai 2020
Ein doch sehr intolerantes und ideologisches Votum.

Ich bin gewiss kein Fan von Fussball und von diesem WM-Tamtam und auch nicht von dieser zur Schau gestellten Religiosität. Aber es ist nicht richtig, "dem Fussball" vorschreiben zu wollen, säkular sein zu müssen. Anders als eine Schule, ein Gericht oder eine Verwaltung, die zu Recht säkular sein sollten, schaut sich jede und jeder freiwillig diese Fussballspiele an.

Zu den westlichen Werten gehört auch Religionsfreiheit. Forderungen, diese einzuschränken, unterscheiden sich kaum von einem Gottesstaat....
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123und456
27.06.2026 08:38registriert Juli 2015
Geschätzter Herr Stamm das geht a bissl zu weit...

Ich bin selbst Agnostiker und sehr skeptisch gegenüber Religionen. Gerade wenn, wie in Freikirchen, Unterdrückung, Macht und Geld die wahren Motive sind. Trotzdem hab ich Mühe wenn jetzt das Verbot von jeglichen potenziell religiösen Jubelformen gefordert wird.
Der Torjubel ist eine emotionale Geste und wenn man, ob verständlich oder nicht, einer Religion angehört, drückt man das möglicherweise mit einer religiösen Geste aus.. Lasst sie doch jubeln wie sie wollen..
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