Schweiz
SVP

Christoph Blocher sprach an der Albisgüetli-Tagung über den SVP Formstand

Alt - Bundesrat Christoph Blocher an der Albisguetli-Tagung in Zuerich am Freitag, 17. Januar 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Bild: KEYSTONE

«Exzessive Personenfreizügigkeit» und «Asylstrom» – so war Blochers Albisgüetli-Rede

Christoph Blocher hat die traditionelle Albisgüetli-Tagung der Zürcher SVP zu einer – streckenweise improvisierten – Standortbestimmung genutzt. Einen thematischen Schwerpunkt setzte er nicht.
17.01.2020, 21:5018.01.2020, 15:11

Seine alljährliche Rede war dieses Mal viel mehr eine Tour d'Horizon durch die Weltsicht des SVP-Übervaters. Angekündigt war die Rede von der Partei als «markante und richtungsweisende Standortbestimmung und Einschätzung der politischen Lage».

Ein auf Publikums-Lacher bedachter Christoph Blocher eröffnete sie mit einer Polemik auf die neu gewählten rot-grünen Bundesparlamentarierinnen und zog über deren Berufe her.

So ernteten sowohl die Berufsangaben «Doktorandin», «Koordinatorin» oder «Gewerkschafterin» den Spot des SVP-Doyens als auch «Kommunikationsspezialistin», oder «wissenschaftliche Beraterin». Die «Berufslosen» seien eindeutig übervertreten im Parlament, ist Blocher überzeugt. Er frage sich, ob diese Personen einen «Bezug zur Lebenswirklichkeit» und den Sorgen der Bevölkerung hätten.

«Wachsendes Schmarotzertum stoppen»

Fragwürdig seien denn auch die Themen, die im Parlament an der Spitze der Traktandenliste stünden. Dazu gehören für den alt Bundes- und alt Nationalrat etwa Genderfragen oder der Vaterschaftsurlaub.

Albisguetli-Tagung in Zuerich am Freitag, 17. Januar 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Die Albisgüetli-Tagung der SVP ist jedes Jahr ausgebucht.Bild: KEYSTONE

Die Zeche für den «Papi-Urlaub» und andere Zwangsabgaben würden Berufstätige berappen, Leute die Steuern zahlten und «selber für sich sorgen» würden. Diesen Leuten müsse die SVP schauen, dem Mittelstand. Das sei die Hauptaufgabe der Partei. Dem wachsenden Schmarotzertum gelte es Einhalt zu gebieten.

Blochers Leibthemen fehlen nicht

Weiter ging es mit Blochers Leibthemen, der «exzessiven Personenfreizügigkeit» und dem Asylstrom. Beide würden das Land in die Enge treiben, ist er überzeugt. Alles könne man der Freizügigkeit unterstellen, nur nicht die Personen, zitierte er den amerikanischen Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, Milton Friedmann.

Darum werde am 17. Mai über die sogenannte Begrenzungsinitiative der SVP abgestimmt. Die Initiative verlangt eine Neuverhandlung oder Kündigung der Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU.

SVP - Parteipraesident Albert Roesti an der Albisguetli-Tagung in Zuerich am Freitag, 17. Januar 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Der abtretende SVP-Chef Albert Rösti lauscht gebannt der Rede von Christoph Blocher.Bild: KEYSTONE

«Personenfreizügigkeit ist auf jeden Fall das falsche Modell», zeigte sich Blocher überzeugt. Das werde auch die EU noch merken. Eine Million Zugewanderte würden das Land, die Infrastruktur, die Sozialwerke und die Umwelt zu stark belasten.

Apropos Umwelt: CO2-Einsparungen durch die Schweiz nützten nichts, befand Blocher. Dafür sei das Land im internationalen Vergleich viel zu klein.

Selbsteinschätzung der Partei

Zum Abschluss lieferte der SVP-Übervater eine Selbsteinschätzung der Partei, als er deren wichtigsten Erfolge aufzählte. Dazu zählt er an erster Stelle die Verhinderung eines EU-Beitritts und damit die Rettung der direkten Demokratie. Es folgen die erfolgreiche Goldinitiative der SVP und die Abschaffung von Erbschaftssteuern im Kanton Zürich.

Das Land hätte zudem dank der Partei ein «weniger lasches Asylrecht». Weiter nennt Blocher die Ausschaffungsinitiative und die Masseneinwanderungsinitiative. Und schliesslich habe die Partei die Wahl von FDP-Mann Pierre Maudet in den Bundesrat verhindert.

Nun müssten die SVP-Parlamentarier aber erst recht «ad Säck». «Wir müssen Positionen haben», forderte der alt Bundesrat. Jammern über Sitzverluste sei nicht angesagt. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
100 Jahre SVP Zürich
1 / 10
100 Jahre SVP Zürich
Die Jubiläumsfeier der Zürcher SVP im Kongresshaus wurde am Sonntag von Protesten überschattet.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Blochers erste Begegnung mit Siri
Video: watson
Erhöhung der Mehrwertsteuer: Diese 3 Alternativen wären deutlich beliebter
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung der 13. AHV-Rente dürfte bei der Abstimmung Ende November einen schweren Stand haben. Und schon im nächsten Jahr braucht es weitere zusätzliche Einnahmen, diesmal für die Armee. Dabei gäbe es andere Finanzierungsmöglichkeiten, die zwar im Parlament durchfallen – beim Volk aber auffällig beliebt sind. Wir stellen sie vor.
Seit ihrer Einführung 1996 wurde die Mehrwertsteuer in der Schweiz immer wieder angehoben. Und auch jetzt soll sie wieder herhalten, diesmal für die Finanzierung der vom Stimmvolk angenommenen 13. AHV-Rente.
Zur Story