International
Rassismus

Ein ehemaliger Sprecher der AfD schockiert mit rassistischen Aussagen.

epa08384916 (FILE) - (L-R) Christian Lueth, spokesman of the German right-wing populist party Alternative for Germany (AfD), and the co-chairs of the parliamentary group Alice Weidel and Alexander Gau ...
Christian Lüth (links) mit Alice Weidel und Alexander Gauland.Bild: EPA

Ex-AfD-Sprecher: «Können die Migranten danach immer noch erschiessen. Oder vergasen»

Dass die Alternative für Deutschland sich verbal nicht zurückhält, ist hinlänglich bekannt. Jetzt wurden jedoch extreme Aussagen eines ehemaligen Sprechers der Partei publik – sie sorgen nicht nur in den Sozialen Netzwerken für Entsetzen.
28.09.2020, 18:5228.09.2020, 18:53

Es sind unglaubliche Sätze, die Christian Lüth, ehemaliger Pressesprecher der Alternative für Deutschland (AfD) geäussert hat. In einem offenen aber vertraulichen Gespräch sagte Lüth unter anderem:

«Wir können die [Migranten] nachher immer noch alle erschiessen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst.»

Von sich gegeben hat Lüth dies gemäss «Zeit Online» in einem Gespräch mit der rechtslastigen YouTuberin Lisa Licentia. Ort des Geschehens: Die Newton Bar in Berlin-Mitte, am 23. Februar 2020. Es sollte ein offenes und vertrauliches Gespräch sein, tatsächlich hört und filmt ein Journalistenteam von ProSieben mit. Die Geschichte dahinter: YouTuberin Licentia will aus der rechten Szene aussteigen, sie steht mit dem ProSieben-Journalistenteam um Reporter Thilo Mischke in Kontakt.

Hintergrund
Die Aufnahmen, die in der Bar gemacht wurden, werden am Montagabend, 28. September, in der Dokumentation «ProSieben spezial: Deutsch, rechts, radikal» ausgestrahlt.

Christian Lüth ist seit der Gründung der AfD für die Partei tätig, er besetzt relevante Positionen, zunächst ist er Parteisprecher, dann Sprecher der Bundestagsfraktion. Einer seiner engen Vertrauen ist Alexander Gauland, Ehrenparteivorsitzender der AfD. Als die Aufnahmen gemacht wurden, war Lüth noch Sprecher, mittlerweile ist der 44-Jährige freigestellt, unter anderem weil er sich selbst als «Faschist» bezeichnet hatte. Allerdings, so schreibt es «Zeit Online», ist Lüth bis heute nicht entlassen, er wurde von der Partei lediglich beurlaubt.

Die Passage mit den Migranten ist nur eine von vielen, die der ehemalige AfD-Sprecher geäussert hat. Er sagte zum Beispiel auch: «Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD. Das ist natürlich scheisse, auch für unsere Kinder. (...) Aber wahrscheinlich erhält uns das.» Man müsse dafür sorgen, dass es Deutschland noch schlechter gehe, das würde der AfD politisch in die Hände spielen. «Wenn jetzt alles gut laufen würde (…), dann wäre die AfD bei drei Prozent. Wollen wir nicht. Deshalb müssen wir uns eine Taktik überlegen zwischen: Wie schlimm kann es Deutschland gehen? Und: Wie viel können wir provozieren? Ist so. (…) Ist schwierig, sehr schwierig.»

«Zeit Online« betont, dass nichts dafür spreche, dass Lüth seine Sätze ironisch meinte oder lediglich einen geschmacklosen Witz machte. Auch nicht bezüglich der Aussage rund um Migranten. YouTuberin Lisa Licentia fragte im Gespräch: «Vor allem klingt das so, als ob es in deinem Interesse wäre, dass noch mehr Migranten kommen?» Darauf antwortete Lüth wie eingangs erwähnt: «Ja. Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschiessen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!»

Christian Lüth hat sich auf Anfrage von «Zeit Online» nicht zu den Aufnahmen geäussert. In der Dokumentation auf ProSieben wird der ehemalige Sprecher aus rechtlichen Gründen nur als «hoher AfD-Funktionär» bezeichnet. «Zeit Online» hat jedoch entschieden, dass ein öffentliches Interesse an den Aussagen besteht und aufgrund der Tatsache, dass Lüth zum Zeitpunkt des Gesprächs eine herausragende Stellung in der Partei inne hatte, entschieden, seinen Namen öffentlich zu machen.

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