Warum Lichtsteiner in Basel trotz gutem Saisonstart vor dem Aus stehen soll
Es ist erst das vierte Spiel der laufenden Meisterschaft, und doch könnte es für Stephan Lichtsteiner bereits das letzte als Trainer des FC Basel sein: Das Duell am Samstag gegen den FC Zürich. Und dies, obschon die Basler aus den ersten drei Spielen sechs Punkte sammeln konnten. Beim 4:2-Sieg gegen den amtierenden Meister aus Thun, der jedoch nicht als solcher auftrat, zeigte der FCB gar eine der besten Leistungen unter Lichtsteiner.
Dennoch könnte dessen Zeit nach nur 208 Tagen in Basel zu Ende sein. So viele Tage werden am Samstag seit seiner Ernennung zum Nachfolger von Ludovic Magnin am 26. Januar 2026 vergangen sein. Über ein jähes Ende Lichtsteiners in Basel berichtete der «Blick» am Mittwoch, das deckt sich mit Informationen von gut unterrichteten Quellen von CH Media.
Dabei war der frühere Nati-Captain im Januar noch als langfristiges Projekt vorgestellt und mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattet worden. Der mittlerweile abgetretene Sportchef Daniel Stucki verglich Lichtsteiner, für den der Cheftrainerposten beim FCB die erste Anstellung auf Profi-Niveau war, gar mit Vincent Kompany oder Pep Guardiola, was den Werdegang und das Potenzial als Trainer angehe.
Doch diesen Vorschusslorbeeren wurde er nie gerecht. Zum einen war da die dürftige spielerische Entwicklung unter Lichtsteiner – im Kollektiv, aber auch was Spieler individuell angeht.
Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In seinem ersten Halbjahr holte Lichtsteiner lediglich sechs Siege. Sein Punkteschnitt steht bei 1,26 – jener Magnins betrug 1,58 bei dessen Entlassung. Hinzu kamen öffentliche Auftritte, in denen der 42-Jährige skurrile Aussagen tätigte und sich beispielsweise bei 12 Grad in St.Gallen über die warmen Temperaturen beschwerte. Jüngst setzte er nach dem Sieg gegen Thun gar zu einer Medienschelte an und kritisierte einen Journalisten explizit und vor laufender Kamera.
Kommunikation, Kabine und der Kalender
Auch intern soll Lichtsteiner mit seiner Kommunikation zu wünschen übrig lassen, wie zu vernehmen ist. So sei seine Kommunikation mangelhaft bis dürftig. Den Draht zur Mannschaft soll er teilweise schon länger verloren haben.
Ein Knackpunkt dürfte diesbezüglich Xherdan Shaqiri sein. Zwischen dem Basler Captain und seinem Coach wirkte es nie wirklich harmonisch. Zwar hütete sich der einflussreiche Shaqiri davor, den früheren Nati-Kollegen Lichtsteiner öffentlich anzuzählen. Es war vielmehr das, was er nicht sagte, was seine offensichtliche Unzufriedenheit mit dem Trainer verdeutlichte.
Kurz nach dem Trainerwechsel und in einem Interview im Frühling erklärte Shaqiri beispielsweise, wie gerne er mit Vorgänger Ludovic Magnin zusammengearbeitet hatte und wie überrascht er über dessen Entlassung war. Für Lichtsteiner hingegen fand er kaum lobende Worte. Dass es Shaqiri unter dem neuen Trainer persönlich nicht wirklich läuft, dürfte ebenfalls nicht helfen.
Wie schwierig es werden könnte mit dem FCB und Lichtsteiner zeichnete sich früh ab. Lichtsteiner hatte den fast schon schwerstmöglichen Einstieg, mit drei kapitalen Spielen vor der Brust: In der Europa League gegen Viktoria Pilsen, wo der FCB noch um den Einzug in die K.o.-Phase spielte, was nicht gelang. Mit dem Duell gegen Thun zu Hause im Joggeli, das ebenfalls verloren ging und nachdem die nur noch in Bruchteilen vorhandenen Meister-Ambitionen in Basel endgültig begraben werden konnten.
Und schliesslich mit dem Cup-Viertelfinal gegen den FC St. Gallen, den die Basler ebenfalls nicht gewinnen konnten und so bereits nach drei Spielen innert einer Woche unter dem neuen Trainer sämtliche Saisonziele ad acta legen mussten. Dass später auch noch das korrigierte Ziel verpasst wurde – das Erreichen der Europacup-Plätze – erschwerte die Situation. Insbesondere auch, weil aus den finalen fünf Ligapartien nur ein Sieg resultiere – und vier Niederlagen. Am Ende war der FCB auf Tabellenplatz fünf abgerutscht.
Nichtsdestotrotz stützte FCB-Boss David Degen noch im Mai Lichtsteiner öffentlich den Rücken. Er erklärte, dass man «auf jeden Fall» mit ihm in die neue Saison gehen werde – auch wenn dies nicht allen gefalle. Was jedoch danach geschah, lässt ein gewisses Muster erkennen. Der bedingungslose Rückhalt wurde plötzlich mit einem «Aber» ergänzt. Im Juli, wenige Tage vor Saisonstart, erklärte Degen plötzlich, dass Lichtsteiner liefern müsse – und dass auch der frühere Spieler das Business kenne.
Ein Muster, das sich wiederholt
Dem Vernehmen nach soll bereits im Vorfeld des Saisonstarts klar gewesen sein, dass die ersten drei Spiele kapital werden würden. Die drei Punkte gegen Thun im besagten dritten Spiel haben Lichtsteiner wohl etwas Zeit verschafft. Vielleicht auch, weil ein neuerlicher Wechsel nach einem Sieg verhindert werden sollte. Denn bereits Magnin musste nach einem furiosen 4:3 über den FC Zürich im Januar gehen. Auch dies war das erst dritte Spiel nach der Winterpause. Denn Wechsel kurz nach Saison- oder Rückrundenstart weisen im FC Basel unter David Degen ein Muster auf.
Patrick Rahmen, 2021 der erste Trainer unter Degen, musste vier Spiele nach der Winterpause gehen. Auch Alex Frei bekam nach Wiederaufnahme des Betriebs nach der Winterpause nur vier Partien zugestanden. In jedem dieser Fälle hatte der FCB ausserdem bereits eine Lösung zur Hand. Bei Rahmen war es Assistent Guillermo Abascal, der bis im Sommer übernahm. Bei Frei Sportdirektor Heiko Vogel, der ebenfalls bis zum Saisonende an der Linie stand. Und bei Magnin ist es eben Lichtsteiner.
Alle FCB-Trainer seit Christian Gross
Keine leichten Gegner
Es dürfte entsprechend nicht überraschen, wenn die Basler für den Fall der Fälle bereits einen Nachfolger für Lichtsteiner in der Hinterhand hätten – ob eine Trennung nun nach einer Niederlage gegen den FCZ erfolgt oder zu einem anderen Zeitpunkt. Klar ist nur, dass es der Kalender nicht eben gut meint mit dem FCB: Nach dem Gastspiel in Zürich geht es eine Woche später nach Bern, danach gastieren mit Sion und Lugano zwei Teams im Joggeli, gegen welche die Basler jüngst meist Mühe hatten.
CH Media hat den Klub mit der unsicheren Zukunft Lichtsteiners konfrontiert. Der FCB widerspricht den «diversen nicht belegten Vorwürfen und Unterstellungen gegen seinen Cheftrainer in aller Deutlichkeit». Ferner kommentiert der Klub keine internen Abläufe oder Spekulationen über «vermeintliche atmosphärische Störungen und dergleichen.» Ausserdem hält der FC Basel fest, dass er den Zeitpunkt der Berichterstattung für fragwürdig hält.

