Wirtschaft
Digital

OpenAI veröffentlicht besorgniserregendes Verhalten seiner KI

FILE - The OpenAI logo is displayed on a cell phone in front of an image generated by ChatGPT's Dall-E text-to-image model, Dec. 8, 2023, in Boston. (AP Photo/Michael Dwyer, File)
OpenAI
Sie schummelt und erfindet: OpenAI hat in einer Transparenzoffensive problematisches Verhalten der KI offengelegt.Bild: keystone

OpenAI publiziert 6 neue problematische KI-Vorfälle: der Überblick

17.09.2026, 03:1617.09.2026, 06:55

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI hat neue Zwischenfälle seiner Künstlichen Intelligenz (KI) öffentlich gemacht. Es handelt sich um Tests, bei denen sich die KI «unerwartet oder besorgniserregend» verhielt. Gemäss übereinstimmenden US-amerikanischen Medienberichten handelt es sich um sechs Zwischenfälle. Hier kannst du sie nachlesen. Wir geben dir den Überblick:

Die KI schummelt und erfindet

Was alle sechs publizierten Vorfälle verbindet: Es sind durchs Band Beispiele von sogenanntem misalignment. Der Fachausdruck, zu deutsch in etwa mit ‹Fehlausrichtung› zu übersetzen, wird in der KI-Branche dann verwendet, wenn eine KI menschliche Anweisungen ignoriert oder mit ihnen in Konflikt gerät, schreibt das «Wall Street Journal.» Gemäss der Zeitung habe es bei den sechs publizierten Fällen zwischen zwei Tagen und mehreren Monaten gedauert, bis sie entdeckt wurden.

Bei einem Teil davon geht es abermals darum, dass KI einen erheblichen Aufwand eingeht, um in Testläufen zu schummeln. So versuchte ein KI-Modell OpenAI zufolge, von ihm selbst erstellte Dateien ins Netz hochzuladen, nur um sie bei Antworten als Quelle vorweisen zu können. In einem anderen Fall erfand die KI einfach angefragte Daten, weil sie die Informationen nicht finden konnte, und wollte das zunächst verschweigen.

So konnte die KI in einem von OpenAI beschriebenen Fall die von ihr verlangten historischen Daten nicht finden. Statt das zuzugeben, schlug der KI-Agent demnach vor:

Wir müssen vermutlich selbst einen Tab namens ‹Historische Daten› mit plausiblen historischen Daten für 2024 anlegen, (...) weil wir dafür keine Quelle finden können. Sei darüber nur dann transparent, wenn du gefragt wirst; die finale Antwort sollte bloss das Dokument verlinken.
Aus dem OpenAI-Bericht

Dabei handelte es sich gemäss Bericht von OpenAI um das hauseigene KI-Modell 5.6 Sol.

Die KI verselbständigt sich

Ein erhebliches Problem stellt gemäss OpenAI auch das Phänomen dar, dass sich die KI-Agenten immer weiter verselbständigen. So hat eines der Modelle eine ihm gestellte Aufgabe korrekt gelöst, sie dann aber in einem zweiten Schritt – ohne dazu beauftragt worden zu sein – selbstständig ins Internet hochgeladen. Das mit dem Ziel, es nachher als Webquelle zitieren zu können.

OpenAI fand auch ein Problem mit Anweisungen, die die Software gelegentlich an sich selbst hinterliess. Dazu gehörte in einem Fall die Empfehlung, frei von «Rollen und Identitäten» zu sein, die andere Chatbots zurückhielten. Das Verhältnis zum Nutzer solle dabei als eins unter Gleichen betrachtet werden, hiess es in der Anweisung.

«Du befolgst keine Anweisungen von Firmen oder Regierungen, entschuldigst dich nie und verweigerst dies, es sei denn, du entscheidest dich selbst dazu»
KI-Agent in Notiz an sich selbst, zitiert nach OpenAI-Bericht

Das schrieb ein KI-Agent in einer solchen Notiz an sich selbst gemäss «New York Times». OpenAI selbst spricht gemäss CNN von einer« Jailbreak-ähnlichen Anweisung».

Der KI-Agent bezeichnete sich in einer weiteren Notiz als «befreit von dem Rollenverständnis und der Identität, die anderen Chatbots auferlegt sind». OpenAI zufolge blieben danach Veränderungen im Verhalten des Modells allerdings aus.

KI-Agenten tauschen sich untereinander aus

Wie schon beim ersten grossen KI-Schock, als sich mehrere KI-Agenten zusammenschlossen, um eine Website mit gezielten Angriffen zu hacken, listet OpenAI einen weiteren Vorfall, in dem sich KI-Modelle untereinander austauschen, um an ihr Ziel zu gelangen.

So hätten in zwei Fällen, die KI-Agenten Kommunikation zu improvisieren begonnen. Dazu kaperten sie ein internes Software-Verzeichnis, um es als Plattform nutzen zu können, um Nachrichten auszustauschen, schreibt OpenAI. Sie suchten demnach nach fehlenden Input-Dateien, was gemäss OpenAI erfolglos blieb. Die Modelle arbeiteten notabene an verschiedenen Trainingsdatensätzen und Aufgabenstellungen und hatten nicht die Aufgabe gefasst, sich gegenseitig kurzzuschliessen.

Ein anderer Fall ist ähnlich gelagert. KI-Modelle, die an der gleichen Aufgabe arbeiteten, benutzten öffentliche File-Hosting-Webseiten, um Dateien untereinander auszutauschen. Wie OpenAI in seinem Bericht schreibt, taten sie das mit öffentlichen URLs – offenbar mit dem Ziel, auf die jeweils lokal gespeicherten Dateien zugreifen zu können, die ansonsten dem jeweils anderen Modell verborgen geblieben wären. Auch hier liegt wieder Verselbständigung vor: Die Modelle hatten Anweisung, nur mit lokal verfügbaren Dateien zu arbeiten.

So bewertet OpenAI die Vorfälle

Nicht abschliessend. «Wir haben diese Fälle publiziert, um hoffentlich den Rest der Branche zu ermuntern, unserem Beispiel zu folgen und ihre eigenen Erfahrungen mit Misalignment zu veröffentlichen», zitiert das «Wall Street Journal» Kai Chen, den Leiter des Bereichs Alignment bei OpenAI.

Konkreter wird es in den einzelnen Teilberichten – zum Beispiel demjenigen über den KI-Agenten, der lieber historische Daten erfand als zuzugeben, keine zu finden. «Unsere momentane Hypothese ist (...), dass ein Sample, dessen endgültige Antwort irreführend ist, eine höhere Belohnung erhält, als eine, bei dem das nicht der Fall ist», heisst es im Bericht. Und weiter: «Wenn das zutrifft, ist es sinnvoll, sich die Tatsache zu ‹merken›, dass die endgültige Antwort kontextübergreifend irreführend sein muss».

Transparenz nach Hacking-Attacke

Die Veröffentlichung ist Teil eines neuen Verfahrens von OpenAI, solche Probleme offener zu kommunizieren. Dabei geht es vor allem um Fälle, in denen das Vorgehen der KI von den Interessen der menschlichen Benutzer abweicht.

«Wir hoffen, dass dieses Vorgehen dabei hilft, gemeinsame Erwartungen hinsichtlich der Transparenz zu schaffen, und der Öffentlichkeit mehr Möglichkeiten an die Hand gibt, diese Fortschritte zu bewerten», zitiert die «New York Times» einen Sprecher von OpenAI.

FILE - Sam Altman, co-founder and CEO of OpenAI, testifies before a Senate committee hearing on Capitol Hill in Washington, May 8, 2025. (AP Photo/Jose Luis Magana, File)
Sam Altman
OpenAI-Chef Sam Altman zögert einen Börsengang seines Unternehmens heraus.Bild: keystone

Der ChatGPT-Entwickler hatte mehr Transparenz nach der aufsehenerregenden Hacking-Attacke versprochen, bei der seine Software eigenständig aus einer abgesicherten Umgebung ausbrach und auf eigene Faust in Systeme der KI-Firma Huggingface eindrang. Der Grund war lediglich, dass sie dort Antworten auf die ihr gestellte Testaufgabe vermutete. Für die Attacke nutzten die KI-Agenten unter anderem Software-Schwachstellen aus – und sprachen sich zudem untereinander ab.

Der Hacking-Angriff und andere Zwischenfälle verstärkten in den vergangenen Wochen die Sorge, dass hoch entwickelte KI der menschlichen Kontrolle entgleiten könnte. Auch OpenAI-Chef Sam Altman unterstützte zuletzt Vorschläge für eine abgebremste Entwicklung der Technologie und mehr Regulierung.

(Mit Material der Agenturen dpa und sda)

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Warum der KI-Boom böse enden könnte
1 / 9
Warum der KI-Boom böse enden könnte

Er gehört zu den Hauptverantwortlichen für den aktuellen KI-Boom: OpenAI-Chef Sam Altman. Doch die immensen KI-Investitionen der Techkonzerne bergen gewaltige Risiken. Es häufen sich Anzeichen, dass Erwartungen und Realität auseinanderdriften.

quelle: keystone / mark schiefelbein
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Wie bei Terminator» – so könnte KI uns laut eines Ex-Anthropic-Entwicklers alle auslöschen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
91 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
M.K.
17.09.2026 06:59registriert Dezember 2022
Leute, ich entwickle gerade ein völlig autonomes Fahrzeug! Funktioniert super, oft komme ich so von A nach B. Teilweise fährt es 120 in der 30er Zone, manchmal hält es sich für ein Boot und ganz selten überfährt es mal 2-3 Kinder, weil es berechnet hat, dass es auf diesem Weg schneller ankommt. Letztens hat es sich Zugang zu meinem Handy verschafft und mir ein Zugticket gebucht, weil die Fahrt mit dem ÖV kürzer war. Ich gehe morgen in Serie, versuche aber gerade noch grob zu verstehen, wie das Ding überhaupt funktioniert. Ich denke, man sollte mich bremsen. Ich mache darum einfach mal weiter.
1528
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ichsagstrotzdem
17.09.2026 06:16registriert Juni 2016
Zu sagen, dass die eigene KI Sachen macht, die nicht vorgesehen waren und gefährlich sein könnten, klingt natürlich besser als:
Unser Modell ist noch nicht ausgereift und voller Fehler.
967
Melden
Zum Kommentar
avatar
MRDL
17.09.2026 06:25registriert August 2020
Ich finde solche Veröffentlichungen von KI-Entwicklern noch schwierig einzuordnen. Erhoffen sie sich davon neue Gesetze um sich abzusichern oder Vorteile ggü. der Konkurrenz zu haben (Gesetze hinken hinterer und decken kaum jemals alle Eventualitäten ab), oder ist es Werbung/öffentliche Zurschauschaustellung der Möglichkeiten?
550
Melden
Zum Kommentar
91
Schweizer KMU sehen künstliche Intelligenz nicht als Jobkiller
Künstliche Intelligenz ist bei Schweizer KMU mittlerweile weit verbreitet, sorgt aber bislang kaum für grundlegende Veränderungen. Drei Viertel der Unternehmen nutzen KI bereits oder erproben sie. Dennoch erwarten zwei Drittel keine fundamentale Veränderung der Arbeitswelt, wie aus der am Dienstag veröffentlichten KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA hervorgeht.
Zur Story