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Litauen sperrt den russischen Gashahn zu

Litauen sperrt den russischen Gashahn zu – und legt sich furchtlos mit einer Grossmacht an

Ab sofort ist das Land im Baltikum unabhängig von Putins Rohstoff. Findet Vilnius mit seinem mutigen Schritt bald Nachahmer in Europa?
04.04.2022, 11:2304.04.2022, 11:23
Samuel Schumacher / ch media

Litauen macht, wovon der ganze Rest Europas bis jetzt nur redet: Der südlichste der drei baltischen Staaten ist Anfang Monat komplett aus dem russischen Gas ausgestiegen und nicht mehr länger abhängig vom Rohstoff aus Wladimir Putins Reich. «Wir sind das erste EU-Land unter den Lieferländern von Gazprom, das unabhängig von russischen Gaslieferungen ist», liess sich der litauische Energieminister Dainius Kreivys zitieren.

People carry a giant Ukrainian flag to protest against the Russian invasion of Ukraine during a celebration of Lithuania's independence in Vilnius, Lithuania, Friday, March 11, 2022. Lithuania ce ...
Während sie am 11. März 2022 ihre eigene Unabhängigkeit von Russland feiern, zeigen sich die Litauerinnen und Litauer solidarisch mit der Ukraine.Bild: keystone

Und Premierministerin Ingrida Simonyte doppelte auf Twitter nach: «Litauen wird keinen Kubikzentimeter des giftigen russischen Gases mehr konsumieren.»

Den Gasbedarf seiner 2.8 Millionen Einwohner deckt das kleine baltische Land seither vollumfänglich mit Flüssiggas, das via einen speziellen Flüssiggas-Terminal im Ostseehafen der Stadt Klaipėda ins Land kommt. Schon 2015 hatte sich Litauen zum Bau des Terminals entschlossen, um mittelfristig unabhängig zu werden von russischen Gaslieferungen.

Ingrida Simonyte, premier, litauen
Litauens Premierministerin Ingrida Simonyte.Bild: imago

Auch Peking hat Litauens Kompromisslosigkeit gespürt

Im März, kurz nach Ausbruch des Ukraine-Krieges, hat das litauische Parlament der Regierung aufgetragen, den Schritt «so schnell wie möglich» zu vollziehen. Bis anhin hatte das Land Öl, Gas und Strom im Wert von rund drei Milliarden Euro pro Jahr importiert. Nicht betroffen vom Entscheid ist das russische Gas, das in einer Pipeline via Litauen in die russischen Exklave Kaliningrad fliesst.

Es ist bereits das zweite Mal binnen weniger Monate, dass das kleine Land im Baltikum einer Weltmacht selbstbewusst die kalte Schulter zeigt. Im vergangenen Herbst feierte Litauen die Eröffnung der taiwanesischen De-Facto-Botschaft in der Hauptstadt Vilnius und verärgerte damit die Chinesen. China erachtet Taiwan als abtrünnige chinesische Provinz.

Litauen reagiert gelassen auf Pekings Peitsche

Die 1.4-Milliarden-Nation belegte Litauen daraufhin mit scharfen Wirtschaftssanktionen und stoppte die Einfuhr litauischer Landwirtschaftsprodukte. Zuvor hatte Litauen Waren im Wert von rund 300 Millionen Euro jährlich nach China exportiert. Peking stufte zudem die diplomatischen Beziehungen zu Litauen herunter und bietet im baltischen Staat seit Monaten keine konsularischen Dienste mehr an.

Litauen zeigt sich von solchen Drohgebärden bislang wenig beeindruckt. Das Land, das im März 1990 als eine der allerersten Ex-Sowjet-Republiken seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt hatte, unterstreicht mit seiner Aussenpolitik seinen Anspruch, sich ein für allemal aus dem autoritären Klammergriff der östlichen Grossmächte zu lösen.

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