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Apple und Qualcomm begraben Kriegsbeil – iPhones mit 5G sollen «schneller» kommen

Der globale Patentstreit sei beendet, hiess es nach nur einem Tag vor Gericht. Intel hat bereits auf den für sechs Jahre geschlossenen Deal reagiert.



Das Wichtigste in Kürze:

Die ausführliche Meldung:

Apple und der Chipkonzern Qualcomm haben ihren mehr als zwei Jahre langen Patentstreit beigelegt. Alle gegenseitigen Klagen werden fallengelassen, wie die Unternehmen am Dienstagabend mitteilten. Apple werde eine Zahlung an Qualcomm leisten, hiess es. Ein Betrag wurde nicht genannt.

Zudem werde eine Patentvereinbarung für zunächst sechs Jahre abgeschlossen. Die Konditionen wurden nicht mitgeteilt.

Die Einigung kam kurz nach Beginn eines grossen Prozesses in Kalifornien, der eine zentrale Rolle in dem Streit spielte. Apple warf Qualcomm vor, zu hohe Lizenzen für seine Patente zu verlangen und den Wettbewerb zu behindern. Qualcomm konterte mit dem Vorwurf, in Apple-Geräten wie dem iPhone würden von dem Konzern erfundene Technologien ohne Patentlizenz genutzt.

Der Aktienkurs vo Qualcomm sprang nach Bekanntwerden der Einigung um 23 Prozent nach oben, berichtete Reuters. Dies sei ein grosser Sieg, sagte ein Analyst.

Es ging um angeblich sieben Milliarden Dollar

Die Auftragsfertiger von Apple hatten 2017 ihre Zahlungen an Qualcomm eingestellt. Der US-Chipkonzern bezifferte die dadurch entgangenen Einnahmen samt Zinsen auf sieben Milliarden Dollar.

In dem am Montag in San Diego begonnenen Prozess geht es um eine Klage von Apple aus dem Jahr 2017. Das Gericht hatte es am ersten Tag gerade geschafft, neun Geschworene auszuwählen und am Dienstag liefen Stellungnahmen der Apple-Anwälte, als überraschend die Einigung verkündet wurde.

Der Prozess war auf vier bis fünf Wochen angesetzt. Es wurde damit gerechnet, dass diverse Top-Manager wie Apple-Chef Tim Cook und Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf in den Zeugenstand gerufen werden.

Apple störte sich unter anderem daran, dass Qualcomm für die Patentlizenzen einen Anteil vom Gerätepreis verlangte, statt nur vom Preis einzelner Bauteile. Damit profitiere der Chipkonzern auch ungerechtfertigterweise von Preiserhöhungen, die auf eigene Erfindungen von Apple zurückgingen. Zudem weigere sich Qualcomm, Chip-Konkurrenten wie Intel Patentlizenzen zu gewähren.

Qualcomm entgegnet, da es um ein Portfolio von Patenten für viele verschiedene Technologien gehe, sei es angemessen, den Preis des Geräts für die Berechnung der Lizenzen heranzuziehen.

Apple kann schneller iPhone mit 5G anbieten

Der Vergleich sieht jetzt vor, dass der sechsjährige Patentdeal um weitere zwei Jahre verlängert werden kann. Zudem gebe es eine mehrjährige Vereinbarung für Chiplieferungen. Apple bekommt damit eine Möglichkeit, schneller Geräte für den neuen superschnellen 5G-Datenfunk anbieten zu können. Bei den entsprechenden Modem-Chips ist Qualcomm führend.

Qualcomm-Manager hatten wiederholt erklärt, sie gingen davon aus, dass der Streit mit einem Vergleich enden werde. Apple hatte sich bis zuletzt kampflustig gezeigt.

Qualcomm hatte bei seinen Klagen im vergangenen Dezember ein Verkaufsverbot für einige ältere iPhone in Deutschland erzielen können. Apple umging es dadurch, dass bei den hierzulande verkauften Geräten die Kommunikationschips wieder von Qualcomm stammen, statt von Intel.

Das kalifornische Unternehmen Intel hat nun seinerseits in der Nacht auf Mittwoch angekündigt, kein 5G-Modem für Smartphones zu entwickeln. Vor dem Vergleich mit Qualcomm war Intel Apples einziger Modemlieferant für das iPhone XS und XR.

Apple war laut Analysten seit langem besorgt, dass Intel seinen Zeitplan für die Produktion eines 5G-Modems für Smartphones nicht einhalten könne. Dies habe vermutlich zur Einigung mit Qualcomm geführt. Im Juni hatte Intel öffentlich eingeräumt, dass es einen «späten Start» in 5G hatte.

«Es ist zu spät für Apple, die Chips von Qualcomm in diesem Jahr zu verwenden, aber für 2020 wird es Modem-Chips, einschliesslich 5G-Modem-Chips, vom Chiphersteller für iPhones kaufen, nachdem es den Deal [mit Qualcomm] abgeschlossen hat.»

Anonymer Informant quelle: 9to5mac

Bereits unter Druck

Qualcomm ist vor allem als ein führender Anbieter von Smartphone-Chips für diverse Android-Hersteller bekannt, die Patentlizenzen sind das zweite – und lukrativere – Standbein für den Konzern.

Das Geschäftsmodell von Qualcomm steht bereits unter Druck: Im Januar gab es einen Prozess zu einer Klage der US-Handelsbehörde FTC, die Qualcomm unfairen Wettbewerb durch Patentlizenzen als Voraussetzung für Chiplieferungen vorwirft. Dieses Verfahren wird nicht von Geschworenen, sondern von einer Richterin entschieden, ihr Urteil steht noch aus.

(dsc/sda/dpa)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • The Writer Formerly Known as Peter 17.04.2019 07:15
    Highlight Highlight "Zudem weigere sich Qualcomm, Chip-Konkurrenten wie Intel Patentlizenzen zu gewähren."... 😂😂 Ha ha der ist gut! Wie ist denn das mit den Lizenzen bei Apple wenn es darum geht, andere Konkurrenten auszuschliessen? Mal TWINT fragen, ob Sie nun den NFC Chip zur Zahlung nutzen dürfen?
    • @schurt3r 17.04.2019 07:33
      Highlight Highlight Du bringst da ziemlich viel durcheinander...

      Stichwort: FRAND

      Qualcomm ist verpflichtet, Lizenzen zu bezahlbaren Preisen zu erteilen.

      Quelle:
      https://www.deutschlandfunk.de/kartellprozess-qualcomm-wird-des-patentmissbrauchs.684.de.html

      Apple muss die NFC-Schnittstelle bei iPhones nicht generell freigeben.
    • bebby 17.04.2019 08:43
      Highlight Highlight Aber der Weg, den Apple und andere gegangen sind, ist alles andere als gewöhnlich: Apple hat seine Zulieferer dazu gezwungen, die Lizenzgebühren nicht mehr zu bezahlen, obwohl sich Apple vertraglich dazu verpflichtet hatte.
      Und jetzt hat Apple wohl realisiert, dass immer noch kein Weg an Qualcomm vorbeiführt.
      Und was bezahlbar ist, ist wohl Definitionssache. Für die teuren Apple Geräte wäre das sicher der Fall. Qualcomm hat allerdings die Lizenzgebühren am Wert des Smartphones festgemacht, was für Apple äusserst ungünstig ist. Bei diesen gigantischen Bruttomargen, die Apple einfährt.
    • Schne 17.04.2019 09:30
      Highlight Highlight Apples geschlossenes Ökosystem ist nur legal, weil sie keine marktbeherrschende Stellung innehaben. Gleiches Verhalten bei Google und Microsoft führte schon zu diversen Strafzahlungen. In diesem Licht darf man auch Apples Verhalten durchaus kritisch betrachten.
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  • Donald 17.04.2019 06:58
    Highlight Highlight 5G in 2020... Alle anderen werden dieses Jahr soweit sein...


    Aber das US-Patent Business ist sowieso ein fragwürdiges Geschäft...
    • @schurt3r 17.04.2019 07:23
      Highlight Highlight 5G ist (noch) nicht relevant für Smartphone-User und das wird auch noch für längere Zeit so bleiben.

      4G reicht, für 99 Prozent.

      Das sehen die Mobilfunk-Provider natürlich ganz anders 🙃
    • rikens 17.04.2019 07:52
      Highlight Highlight Weshalb sollte dies für Smartphone-User nicht relevant sein?
    • @schurt3r 17.04.2019 08:30
      Highlight Highlight @rikens:

      Weil die gesellschaftlich wichtigen 5G-Anwendungen noch nicht verfügbar/einsetzbar sind. Stichwort: Stabiles Internet der Dinge.

      Private Downloads mit «wahnsinniger Geschwindigkeit» sind nur für wenige User spannend ;-)
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