Klima
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Die Klimastreiker setzten die UBS auf die schwarze Liste – nun haben sie sich getroffen

Die Bewegung Klimastreik tauschte sich direkt mit 38 Finanzinstituten aus. Sie will nun bis November 300 Institute «prüfen».

Othmar von Matt / ch media



Auf der grünen Liste der Bewegung Klimastreik stehen heute nur gerade drei Finanzinstitute: die Alternative Bank Schweiz, Forma Futura Invest AG und die Basellandschaftliche Kantonalbank. Auf der schwarzen Liste hingegen, dem Pranger, sind die beiden Grossbanken CS und UBS vermerkt, Swiss Life Asset Manager und die Schweizerische Nationalbank (SNB).

Des personnes manifestent dans les rues de Lausanne lors de la greve du climat, ce vendredi, 27 septembre 2019 a Lausanne. Les manifestants demandent que les instances politiques prennent des mesures immediates au vu de l'urgence ecologique et climatique. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

People demonstrate during a

Der Klimastreik in voller Aktion: Hier in Lausanne am 27. September 2019. Bild: KEYSTONE

Es existieren auch noch eine blaue Liste (Banken mit unklarer Zuordnung) und eine graue (Verbesserungen sind angekündigt). Dieses Listensystem will der Klimastreik nun aber durch ein Notensystem mit «bestanden», «genügend» und «ungenügend» ersetzen.

Ein Fragebogen als «Abschlussprüfung»

Dafür verschickt die Bewegung allen bisher rund 300 kontaktierten Finanzinstituten einen Fragebogen, der als «Abschlussprüfung» gilt.

Die Institute haben bis zum 1. November Zeit, die Fragen zu den Klimazielen und zu den Massnahmen wie Transparenz, Klimaneutralität, Absenkpfade und Ausschlusskriterien zu beantworten. Danach erstellt der Klimastreik die definitiven Listen.

Stephanie Wyss, Bewegung Klimastreik

Stephanie Wyss, Bewegung Klimastreik. bild:zvg

Von der schwarzen Liste kommt der Klimastreik weg, «weil er in Zeiten von #BlackLivesMatter negative Assoziationen weckt, die wir nicht wiedergeben wollen», wie Soziologiestudentin Stephanie Wyss vom Klimastreik sagt. Es hat aber auch inhaltliche Gründe, weshalb sich der Klimastreik vom System der schwarzen Liste verabschiedet.

«Der Austausch mit den Finanzinstituten war meist konstruktiv und auch spannend.»

Stephanie Wyss, Bewegung Klimastreik.

Die Bewegung hatte in der Zwischenzeit mit 38 Finanzinstituten persönliche Kontakte. 15 Treffen fanden per Videokonferenz statt, 20 über E-Mail-Kontakte – und es gab auch drei persönliche Treffen. «Der Austausch mit den Finanzinstituten war meist konstruktiv und auch spannend», sagt Wyss. «Wir lernten viel und haben auch gute Rückmeldungen erhalten.»

Fragebögen sollen bessere Informationen bringen

Der Austausch zeigte dem Klimastreik aber, dass die bestehenden Kriterien für die grünen und schwarzen Listen «zu wenig hinreichend sind», wie Wyss sagt. «Es sind nicht genügend Informationen über die Finanzinstitute vorhanden für eine objektive Liste.»

Das ist der Hauptgrund für den neuen Fragebogen an alle Institute und für das neue Bewertungssystem. UBS und Swiss Life, zwei der vier Finanzinstitute, die zurzeit noch auf der schwarzen Liste zu finden sind, haben ebenfalls Gespräche mit der Bewegung Klimastreik geführt.

«Wir hatten im Mai eine Telefonkonferenz mit der Arbeitsgruppe des Klimastreiks», sagt Christian Leitz, Leiter Corporate Responsibility der UBS. «Das Gespräch war sehr konstruktiv, sehr freundlich und auf die Themen fokussiert.» Die UBS und der Klimastreik hätten «einen gemeinsamen Ausgangspunkt», sagt Leitz: «Es braucht Lösungen.»

Sobald es um die konkrete Umsetzung ging, sei man allerdings nicht gleicher Meinung. «Zum Beispiel kann Divestment aus fossilen Energien alleine nicht die Lösung sein», hält Leitz fest. «Unternehmen müssen auch Finanzierungsmöglichkeiten finden, um den Übergang zu klimafreundlichen Produktionsprozessen finanzieren zu können.»

Nicht einverstanden mit der schwarzen Liste

«Deutlich anderer Meinung» (Leitz) ist die UBS auch, wenn es um die schwarze Liste geht. Sie basiert auf Angaben verschiedener internationaler Reports. «Unsere eigenen, methodologisch fundierten Zahlen, ergeben ein anderes Bild», sagt Leitz.

Der Rainforest Action Network Report von 2020 etwa besagt, die UBS habe 2019 6.4 Milliarden US-Dollar in fossile Energien investiert und liege damit weltweit auf Rang 27. Gemäss Angaben der UBS selbst hat die Bank jedoch die CO2-relevanten Vermögenswerte auf 1.9 Milliarden reduziert. Das entspricht einer Reduktion um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Alternative Bank und Basellandschaftliche Kantonalbank als Vorbilder

Keine Diskussionen mit der Bewegung Klimastreik führten Credit Suisse und Nationalbank, beide ebenfalls auf der schwarzen Liste. «Von der Nationalbank erhielten wir nie eine Antwort auf unsere Anfragen», sagt Wyss. «Die Credit Suisse hat reagiert. Ein Treffen kam aber nicht zu Stande.»

Die Nationalbank selbst betont auf die Anfrage, weshalb sie sich nicht einmal gemeldet habe, sie äussere sich nicht «zu allfälligen Gesprächen mit Drittparteien». Als Klima-Vorbild taxiert die Bewegung Klimastreik vor allem die Alternative Bank.

Ein Vorbild sei aber auch die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB). «Sie hatte schon vor unserem Treffen einiges in Sachen Klimafreundlichkeit in die Wege geleitet», hält Stephanie Wyss fest. «Die Vertreter sagten uns dann, sie gäben nun richtig Gas.» Heute ist die BLKB auf der grünen Liste – mit der Alternativen Bank.

Die Bewegung Klimastreik hat parallel zur «Abschlussprüfung» per Fragebogen an 300 Finanzinstitute auch ein 20-seitiges Argumentarium verfasst. Dieses erklärt das Vorgehen und die Listen des Klimastreiks und die Forderungen der Bewegung. «Das Argumentarium soll den Kundinnen und Kunden aber auch helfen», sagt Stephanie Wyss vom Klimastreik, «sich über die Klimafreundlichkeit ihrer Bank ein Bild zu machen.» (aargauerzeitung.ch)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pisti 07.07.2020 10:51
    Highlight Highlight Die schwarze Liste beeindruckt die Banken sicher, vor allem wenn Sie von Leuten kommt mit kaum Einkommen.
  • vescovo 07.07.2020 10:46
    Highlight Highlight An dieser Stelle mal ein grosses Dankeschön an alle engagierten Menschen beim Klimastreik, die so viel Zeit und Energie investieren um die Welt für uns alle ein Stück besser zu machen. 💚💚💚
  • Phippe 07.07.2020 10:27
    Highlight Highlight Tolle Aktion!
  • RandomNicknameGenerator 07.07.2020 10:08
    Highlight Highlight So, jetzt wo das geklärt ist: Können wir bitte aufhören zu sagen die Klimastreikbewegung sei faul und solle zurück in die Schule?

    Hut ab vor dieser Aktion! Ich werde mein UBS Konto saldieren mit dieser Erhebung als Begründung.
    • Mitläufer 07.07.2020 10:39
      Highlight Highlight Nein bitte nicht, die UBS wird zu machen müssen, wenn du das machst. Denk bitte an die Arbeitsplätze, die damit verloren gehen würden. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn noch 30 mehr ihre 5k CHF dort wegnehmen würden.
    • THEOne 07.07.2020 11:53
      Highlight Highlight gerade deswegen zurück in die schule. evtl. lernen sie da, dass solche aktionen kein mensch in der realen welt intressiert geschweige denn ernstgenommen werden
    • Black hat (minus hat) 07.07.2020 13:11
      Highlight Highlight So what?

      Du brauchst imfall keine Begründung um ein Konto aufzulösen…
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 07.07.2020 09:31
    Highlight Highlight Bin nicht Kunde bei UBS, wäre ich würde mich die schwarze Liste jedoch echt nicht kümmern.
    Wenn meine Bank drauf kommt, werde ich kein Konto deswegen künden.
    • Bits_and_More 07.07.2020 10:21
      Highlight Highlight Aber als neuer Kunde möglicherweise. Gerade bei jungen Menschen sind Klimafragen immer wichtiger und diese sind sehr beliebt bei Banken. Weil eben die Bank nicht so schnell gewechselt wird.
    • yanoi 07.07.2020 10:29
      Highlight Highlight auch gut 👍...
      hast die neue serie gesehn auf netflix? don t touch? diiiie sind so peinlich, machen sich total zum affen 🤣🤣🤣

      🙈
    • Firefly 07.07.2020 11:10
      Highlight Highlight Ja, Ignoranz, ein weit verbereitetes Übel.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dani S 07.07.2020 08:52
    Highlight Highlight Interessant ist (Zitat) "dass die bestehenden Kriterien für die grünen und schwarzen Listen «zu wenig hinreichend sind», wie Wyss sagt. «Es sind nicht genügend Informationen über die Finanzinstitute vorhanden für eine objektive Liste.»

    Also ist die aktuelle Liste laut Eigenaussage der Bewegung Klimastreik schlicht Makulatur und wird durch eine "objektivere" Liste ersetzt werden ab November.

    Bis dahin mal den Ball flach halten, geschätzte Frau Wyss. Ich warte sehr interessiert auf diese neue, objektive Liste ab November.
  • Coffeetime ☕ 07.07.2020 07:59
    Highlight Highlight Wieder zeigt es sich: reden, einen Austausch haben, aufeinander zugehen, ist Gold wert.
  • Gipfeligeist 07.07.2020 07:57
    Highlight Highlight -Rainforest Action Network Report: UBS investierte 2019 6.4 Milliarden US-Dollar in fossile Energien.
    -UBS: "Gemäss Angaben der UBS selbst hat die Bank jedoch die CO2-relevanten Vermögenswerte auf 1.9 Milliarden reduziert."

    Perfektes Greenwashing. Und dabei nicht verstehen um was es geht: die Zahl muss 0 sein...
    • Bits_and_More 07.07.2020 10:08
      Highlight Highlight Wir werden heute und auch nicht morgen oder im nächsten Jahr auf fossile Energie verzichten können. Dazu braucht es in der realen Welt einen längeren Plan.
      Ich finde 40% Reduktion in einem Jahr schon sehr beachtlich.
    • bebby 07.07.2020 10:20
      Highlight Highlight Genau diese Einstellung "die Zahl muss 0 sein" verstehe ich nicht. Das ist dann keine Diskussion mehr, da geht es nur noch um absolute Forderungen.
      Die UBS muss sich an die Gesetze halten und solange CO2 emittierende Autos in der Schweiz erlaubt sind, macht das doch keinen Sinn.
      Die Klimastreikmitarbeiter müssen den politischen Weg gehen und den gesellschaftlichen Konsensus finden. Und da ist eben nicht alles schwarz oder weiss (oder blau oder rot).
    • Shabbazz 07.07.2020 11:22
      Highlight Highlight @bebby: Was ist das Problem, dass eine Bewegung zu viel fordert oder das das Volk damit nicht umgehen kann?
      Ich erwarte von der Klimabewegung extreme Forderungen...genauso wie ich von der Politik nicht erwarte das man diese Umsetzen kann. Also für mich alles okay :)
      Und eine "Politische angepasste" Klimabewegung wäre aus meiner Sicht unpassend, denn dann könnte man daraus auch gleich eine Lobbygruppe machen!!
  • blueberry muffin 07.07.2020 07:36
    Highlight Highlight Sinnvolle Aktion um bessere Transparenz zu schaffen.

    Bin mir aber sicher, die Rechten finden wieder was zum kritisieren.
    • Dani S 07.07.2020 11:54
      Highlight Highlight @muffin:
      Das hat doch nichts mit rechts oder links zu tun! Da geht es doch schlicht um Ökologie in Finanzanlagen und der ökologischen Ausrichtung der Finanzindustrie selber.

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