Wirtschaft
Schweiz

In Interlaken stören Airbnbs und Zweitwohnungen

Video: watson/michelle claus

«Irgendwo hört es auf» – Ärger in Schweizer Ferien-Hotspot

Im Tourismus-Hotspot Interlaken boomt das Geschäft mit Airbnbs. Aber finden die Interlaknerinnen und Interlakner überhaupt noch Wohnungen? watson hat Einheimische gesucht, mit Mühe gefunden und gefragt.
16.08.2026, 05:5717.08.2026, 08:13

Riverraften, Gleitschirmfliegen, in Pferdekutschen durch die Gassen fahren, Wandern, im Seilpark Klettern, Fallschirmspringen, Jetboat-Fahren – im Sommer wird Interlaken zum Paradies für Touristinnen und Touristen. Für Einheimische ist es in der Gemeinde zwischen Thuner- und Brienzersee jedoch alles andere als paradiesisch. Sie haben zunehmend Probleme, bezahlbare Wohnungen zu finden. Airbnb und Zweitwohnungen sei Dank.

Dabei gehörte Interlaken zu den ersten Gemeinden in der Schweiz, die 2018 Massnahmen gegen temporäre Wohnungsvermietungen einleitete. Inzwischen gelten mehrere Einschränkungen: Airbnb-Angebote unterliegen einer Registrierungspflicht, für neue Zweitwohnungen gilt ein Moratorium von zwei Jahren und Kurzvermietungen in Wohnzonen sind verboten.

In der Theorie klingen diese Einschränkungen gut. In der Praxis nützen sie jedoch zu wenig. Das gibt auf Anfrage selbst Gemeindepräsident Philippe Ritschard zu: «Die Wirkung war zu wenig griffig, deshalb arbeiten wir aktuell an der Anpassung der Regelungen.»

14 Prozent Airbnbs

Das Hauptproblem: Verstösse aufzudecken ist eine mühselige Arbeit, welche die Gemeinde kaum stemmen kann. Oder wie es Gemeindepräsident Ritschard umschreibt: «Kontrollen werden gemacht. Sie sind ressourcenintensiv.» Aktuell bearbeitet die Bauverwaltung 30 Baupolizeiverfahren im Zusammenhang mit touristischen Nutzungen.

Der Anteil der Zweitwohnungen beträgt derzeit 15,3 Prozent. Wie hoch der Anteil der Wohnungen ist, welche auf Airbnb zur Vermietung angeboten werden, kann Ritschard jedoch nicht kommunizieren, «da wir die Zahl nicht exakt eruieren können». Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen 14 Prozent aller Wohnungen in Interlaken auf Airbnb angeboten werden.

Im März 2025 reichte die SP-Ortsgruppe Interlaken deshalb eine Volksinitiative ein: «Wohnraum schützen – Airbnb regulieren». Diese sieht vor, dass Wohnungen höchstens 90 Nächte pro Jahr temporär vermietet werden dürfen.

Zwei Monate vor Ablauf der Frist konnte die Initiative bereits doppelt so viele Unterschriften vorweisen, wie nötig gewesen wären. Das zeigt: Viele Interlaknerinnen und Interlakner haben die Nase voll von Airbnb und Co. Aber eben nicht alle.

bauen vs tourismus
Neue Wohnungen (links) entstehen im Zentrum von Interlaken, nur wenige Gehminuten vom Höhematten Park (rechts) entfernt, wo im Minutentakt Gleitschirme landen. watson/Michelle Claus

Zweitwohnungsbesitzer beschweren sich

Noch bevor der Gemeinderat über die Initiative diskutieren konnte, reichten im Frühling 2025 bereits 39 Personen Beschwerde dagegen ein. Wie Gemeindepräsident Philippe Ritschard damals gegenüber SRF sagte, seien diese Beschwerden sowohl von Auswärtigen, die in Interlaken eine Wohnung besitzen, als auch von Einheimischen eingegangen:

«Sie haben Bedenken, dass man ihr Geschäftsmodell stark einschränken will.»
Philippe Ritschard, Gemeindepräsident Interlakenquelle: srf

Im September 2025 wies der Regierungsstatthalter die Beschwerden ab. Doch gegen diesen Entscheid reichten Zweitwohnungsbesitzer abermals Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein, wie Ritschard auf Anfrage von watson bestätigt. Deshalb ist derzeit unklar, wann man in Interlaken darüber abstimmen kann, dass Temporärvermietungen in Interlaken stärker eingeschränkt werden.

Wie geht es den Interlaknerinnen und Interlakner damit, dass bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird? Finden sie überhaupt noch eine Wohnung? Sind ihre Nachbarn ausschliesslich Touristinnen und Touristen? Und mussten Freunde und Bekannte bereits wegziehen, weil sie nichts fanden?

watson hat in Interlaken nach Einheimischen gesucht, um sie all das zu fragen. Das Ergebnis seht ihr im Video.

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