SVP-Hardliner Lukas Reimann wird Stadtpolitiker – Abgang aus Bundesbern unklar
Der bekannte St.Galler SVP-Politiker Lukas Reimann ist am Sonntag in den Stadtrat von Wil gewählt worden. Er setzte sich im zweiten Wahlgang mit 3670 Stimmen gegen den Grünen Michael Sarbach durch, der 3201 Stimmen holte.
Wann Reimann aus dem Nationalrat zurücktreten wird, ist nicht bekannt. Ob er sein Mandat im Nationalrat sofort niederlegt, hatte er im Wahlkampf offen gelassen.
Auf Anfrage von watson erklärte er am Sonntag, er habe vor, «mindestens noch die September-Session» in Bundesbern mitzumachen. Allenfalls bleibe er auch länger. Die nächsten Erneuerungswahlen sind erst im Oktober 2027. Er werde sicher nicht zur Wiederwahl antreten, so Reimann.
Der Amtsantritt in seiner Ostschweizer Heimatgemeinde erfolgt bereits nächste Woche. An der Sitzung vom kommenden Dienstag wird sich der Wiler Stadtrat neu konstituieren und dabei die Zuständigkeiten im Gremium festlegen, wie das «St.Galler Tagblatt» schreibt.
Tierfreund und Auns-Präsident
2007 wurde Reimann im Alter von 25 Jahren als jüngstes Parlamentsmitglied in den Nationalrat gewählt. Der Jurist sorgte unter anderem mit «Arena»-Auftritten für Furore und wurde in Medienberichten auch als «bunter Hund» bezeichnet. 2022 brach er während einer Debatte im Ratssaal in Bern zusammen und musste medizinisch versorgt werden.
Reimann sei nicht nur ein Fasnachtsfreund, er habe auch ein Herz für Tiere, hielt die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) in einem früheren Bericht fest. Als ehemaliger St. Galler Kantonsrat habe der SVP-Politiker unter anderem für ein Transitverbot für lebende Schlachttiere durch die Schweiz gestimmt.
Er habe sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder für unorthodoxe Themen stark gemacht und sich «vom SVP-Mainstream» abgehoben. In der EU- und Ausländerpolitik sei Reimann aber mit der Volkspartei strikt auf einer Linie gewesen. «Als junger Hardliner» präsidiere er seit 2014 die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns), ein national-konservativer, rechtspopulistischer Verein.
Ein SVPler in der Exekutive
Die Stadt Wil zählt gut 25'000 Einwohner. Die fünfköpfige Regierung setzt sich neu aus zwei FDP-Mitgliedern sowie je einem von Mitte, SP und SVP zusammen.
Andreas Breitenmoser (Mitte-Partei) hat das Rennen um das Stadtpräsidium für sich entschieden. Er liess seinen Herausforderer Jigme Shitsetsang (FDP) hinter sich.
Wie die Stadt Wil am Sonntag mitteilte, schaffte Breitenmoser die Wahl mit 3793 Stimmen, Shitsetsang kam auf 1954 Stimmen. Die Stimmbeteiligung lag bei 48,5 Prozent.
Im ersten Wahlgang hatte kein Kandidat für das Wiler Stadtpräsidium das absolute Mehr erreicht. Bereits damals erhielt Breitenmoser die meisten Stimmen. Zum zweiten Wahlgang traten noch er und Shitsetsang für die Nachfolge des abtretenden Stadtpräsidenten Hans Mäder (Mitte) an.
Da sowohl Breitenmoser als auch Shitsetsang bereits Stadträte waren, respektive sind, war schon im Vorfeld klar, dass unabhängig vom Ausgang der Präsidiumswahl ein Stadtratssitz frei wird. Für diesen bewarben sich im zweiten Wahlgang Lukas Reimann und Michael Sarbach.
Mit Material von Keystone-SDA
(dsc)
