Tessin
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sitzung extra muros des Grossen Rates am Montag, 25. Mai 2020, im Kongresspalast in Lugano. Im Rahmen der Sitzung wird mit einer Gedenkfeier auch den Opfern von Covid-19 gedacht.(KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Das Tessiner Parlament hat seine Arbeit am Montag wieder aufgenommen. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Die «andere» Krise: Emotionaler erster Sessionstag im Tessin



Den ersten Sessionstag nach der Zwangspause hat der Tessiner Grosse Rat dem Thema Covid-19 gewidmet. In teils emotionalen Statements blickten Parlamentarier zurück auf die schwierigen Wochen des Südkantons und übten Kritik an der Regierung. Um 22 Uhr tagte der Kantonsrat noch immer. Insbesondere die dritte Verlängerung des Notstands sorgte für Unbehagen.

Die Verlängerung des Notstands bis Ende Juni sei sinnvoll, erklärte Regierungspräsident Norman Gobbi zum Auftakt der Session «extra muros» im Luganeser Palazzo dei Congressi. Der zum dritten Mal verlängerte «stato di necessità» gebe dem Tessiner Krisenstab «Manövrierfreiheit».

Der Praesident des Grossen Rates Norman Gobbi kommt zur Sitzung extra muros des Grossen Rates am Montag, 25. Mai 2020, im Kongresspalast in Lugano. Im Rahmen der Sitzung wird mit einer Gedenkfeier auch den Opfern von Covid-19 gedacht.(KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Norman Gobbi wird vor Beginn der Sitzung die Temperatur gemessen. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Dank dem Notstand könne der kantonale Führungsstab die während der Krise geschaffene Infrastruktur aufrechterhalten und im schlechtesten Fall rasch reagieren, sagte Gobbi. Dies betrifft unter anderem die sechs ambulanten Untersuchungszentren in Locarno, Tre Valli, Mendrisio, Lugano, Agno und Giubiasco.

>>> Hier geht's zum Liveticker

Bereits im Vorfeld der Session war die Verlängerung des Notstands kritisiert worden. Nachdem die Regierung den Notstand als erster Kanton der Schweiz am 11. März ausgerufen hatte, verlängerte er diesen Status drei Mal, und zwar am 27. März, 15. April und 13. Mai.

SVP fordert Beschränkung des Notstands

Insbesondere die dritte Verlängerung bescherte dem Tessiner Regierungsrat Kritik. Für Grünen-Sprecher Nicola Schoenenberger ist dieser Akt eine Art Misstrauensantrag der Regierung an die Tessiner Bevölkerung: «Non è certo un segnale di fiducia nella popolazione.» - «Das ist ganz bestimmt kein Zeichen des Vertrauens in die Bevölkerung.»

Die SVP-Fraktion geht einen Schritt weiter und fordert in einer Parlamentarischen Initiative die zeitliche Beschränkung des Notstands auf zwei Monate. Zudem verlangt sie, dass jede Verlängerung dieses Status' durch den Kantonsrat bewilligt werden müsse.

Sitzung extra muros des Grossen Rates am Montag, 25. Mai 2020, im Kongresspalast in Lugano. Im Rahmen der Sitzung wird mit einer Gedenkfeier auch den Opfern von Covid-19 gedacht.(KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Der Kantonsrat gedenkt den Opfern: Bis am 25. Mai starben 347 Personen im Tessin am neuen Coronavirus. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Insgesamt standen an diesem Montagnachmittag 33 Motionen sowie unzählige Interpellationen auf dem Programm. Unter anderem sollten die Ratsmitglieder ein Maskenobligatorium in den öffentlichen Verkehrsmitteln und temporär flexiblere Öffnungszeiten von Restaurants und Läden an touristischen Hotspots diskutieren.

Emotionale Statements und Rückblicke

Doch die ersten Stunden zwischen 14 und 20 Uhr waren individuellen Statements von Ratsmitgliedern, Rückblicken und Debriefings gewidmet. Nach Regierungspräsident Gobbi sprachen auch die Regierungsräte Raffaele De Rosa, Manuele Bertoli und Christian Vitta, bevor sich Kantonsarzt Giorgio Merlani und Krisenstab-Leiter Matteo Cocchi zu den vergangenen Wochen und Monaten äusserten. Vitta appellierte an den Zusammenhalt der Bevölkerung, Merlani rief dazu auf, trotz Entspannung der Lage nicht in die alten Gewohnheiten «zurückzukippen».

Regierungsrat Christian Vitta kommt an die Sitzung extra muros des Grossen Rates am Montag, 25. Mai 2020, im Kongresspalast in Lugano. Im Rahmen der Sitzung wird mit einer Gedenkfeier auch den Opfern von Covid-19 gedacht.(KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Sicherheitsvorkehrungen vor dem Kongresspalast in Lugano. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Danach folgten zum Teil emotionale Voten der Fraktionssprecher. Sergio Morisoli von der SVP las den detaillierten Augenzeugenbericht eines Arztes vor, der das Sterben einer an Covid-19 erkrankten Frau begleitet hatte. Das Schlimmste an diesem Virus sei, dass die Menschen alleine sterben müssten, sagte ein sichtlich bewegter Morisoli. Auch andere Kantonsrätinnen und -räte äusserten ihr Mitgefühl gegenüber all jenen, die einen Menschen verloren hatten.

Dieses Bedürfnis vieler Ratsmitglieder, Rückschau zu halten, zeigte nicht zuletzt die Verfassung einer Bevölkerung, die in den vergangenen Wochen offensichtlich eine «andere» Krise erlebt hat als die Deutschschweiz. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

So wirkt sich eine Maske auf die Verbreitung von Viren aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Maskenpflicht, Mieten, Arbeitslosengeld – das hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen

Mit den Lockerungen der Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem neuen Coronavirus bewegen sich wieder mehr Menschen im öffentlichen Raum.

Ein erhebliches Ansteckungsrisiko besteht, wenn die Distanz von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Dies kann vor allem im öffentlichen Verkehr jederzeit der Fall sein, wie der Bundesrat mitteilt. Angesichts des zunehmenden Reiseverkehrs und der seit Mitte Juni steigenden Fallzahlen führt der Bundesrat in allen öffentlichen Verkehrsmitteln per …

Artikel lesen
Link zum Artikel