Nach Vergewaltigungs-Skandal: Misstrauensvotum gegen Cornell-Leitung eingereicht
Der Cornell-Universitätsrat hat nach den aufgetauchten Vergewaltigungsvorwürfen ein Misstrauensvotum gegen die Hochschulleitung eingereicht. Dies geht aus einem Statement eines Professors gegenüber CNN hervor. Demnach sei die Fakultät von hunderten Studentinnen und Studenten sowie Ehemaligen kontaktiert worden und man habe «etwas machen müssen». Die Fakultät tritt am 14. Oktober für das Misstrauensvotum zusammen.
Im Zentrum des Falls steht der Vorwurf einer ehemaligen Studentin, im Oktober 2024 im Haus einer Studentenverbindung von mehreren Männern vergewaltigt worden zu sein. Strafrechtliche Konsequenzen gab es zunächst nicht. Nach einer neuen Zivilklage und wachsender öffentlicher Kritik wird der Fall inzwischen von New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James untersucht.
Die Polizei der Cornell-Universität begann im November 2024 mit der Untersuchung des Vorfalls und hielt schriftlich fest, dass die Frau, die nur unter dem Pseudonym Jane Doe bekannt ist, kürzlich in dem Haus einer Verbindung namens Chi Phi von mehreren Männern vergewaltigt worden sei.
Graffiti und eingeschlagene Fensterscheiben
Nach den Vergewaltigungsvorwürfen an der US-Eliteuniversität Cornell verschärfen sich die Reaktionen auf den Umgang der Hochschule mit dem Fall. Mehrere Medien berichteten von eingeschlagenen Fensterscheiben und Graffiti an den Wänden eines Gebäudes auf dem Campus, die der Universität vorwerfen, Vergewaltiger zu schützen. «Wir verstehen die Frustration und die starken Emotionen in unserer Universitätsgemeinschaft. Diese Bedenken verdienen Gehör, doch Sachbeschädigung ist nicht die Lösung», hiess es in einer Mitteilung der Cornell.
Während die Solidarität mit der Frau wächst, berichtete aber auch der Anwalt des mutmasslichen Opfers gegenüber dem Sender CNN von Drohungen gegen sich und seine Mandantin.
New York Times legt Bestrafungen offen
Die «New York Times» hat die Unterlagen der Universitätsuntersuchung des Falles ausgewertet. Demnach wurden zwei Beschuldigte der Universität verwiesen, zwei suspendiert und mit Disziplinarmassnahmen auf Bewährung belegt, ein Beschuldigter wurde zur Persona non grata erklärt. Zwei Männer hätten Kontaktverbote erhalten, «Schulungsmodule» absolvieren und «Reflexionspapiere» schreiben müssen. Die Unterlagen stellen demnach auch fest, dass die Männer per Chat im Haus dazu aufriefen, sich am Sex mit der Frau zu beteiligen, und dass sie zum Drogenkonsum gezwungen wurde.
Der Bezirksstaatsanwalt sagte in einer Erklärung vergangene Woche, dass nichts auf Straftaten in der ursprünglichen Aussage hingedeutet habe. Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul entzog ihm kurz darauf die Zuständigkeit für den Fall und beauftragte Generalstaatsanwältin Letitia James mit der Leitung der strafrechtlichen Ermittlung.
US-Präsident Donald Trump sagte in einer ersten Reaktion auf den Fall, die Person, zu der James ermittle, tue ihm leid, «denn sie wird keine faire Chance bekommen». Die Demokratin James führte als New Yorker Generalstaatsanwältin einen grossen zivilrechtlichen Betrugsprozess gegen Trump. (sda/dpa)
