Mann wird zu Unrecht als Beschuldigter im Fall Cornell identifiziert – es folgt viel Hass
Der Fall der Cornell-Universität schlägt weiterhin hohe Wellen. Eine ehemalige Studentin der Universität soll vor zwei Jahren von sieben Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi unter Drogen gesetzt, angegriffen und stundenlang vergewaltigt worden sein. Nur zwei der sieben Verdächtigen wurden der Uni verwiesen, der Rest bekam offenbar eine Alibistrafe.
Anfang September 2026 reichte die ehemalige Studentin, die unter dem Namen Jane Doe auftritt, eine Zivilklage ein. Das brachte den Fall jetzt noch einmal ins Rollen.
Falsche Person in der Anklageschrift
In der 101-seitigen Anklageschrift werden sieben Männer mit Namen aufgeführt. Diese wurden in den sozialen Medien tausendfach geteilt.
In der Anklageschrift unterlief dem Gericht aber ein folgenschwerer Fehler. Diese führte eine Person auf, die gar nicht an der Cornell-Universität studiert hatte – aber den gleichen Namen trug wie einer der beschuldigten sieben. Dabei wurde nicht nur der Name, sondern auch die Wohnadresse veröffentlicht, wie The Free Press berichtet.
Nur: Das Internet wusste nicht, dass in der Anklageschrift die falsche Person aufgeführt war. Was folgte, sind Hass und Hetze gegen den Mann, der nichts mit dem Fall zu tun hat. Tausende Hass-Nachrichten erreichten nicht nur den zu Unrecht Beschuldigten, sondern auch seine Familie. Die Mutter erzählt dem US-Portal:
Mit der Zeit wurden die Nachrichten immer extremer. «Tu der Welt einen Gefallen und bringe dich um», heisst es zum Beispiel.
Die Mutter sei erstaunt über die Wucht des Hasses, erzählt sie «The Free Press». Sie könne nicht glauben, dass Leute einfach im Internet nach jemandem suchen, sich eine Telefonnummer besorgen und dann anfangen würden, diese abscheulichen Sachen zu sagen: «Man schafft damit nur mehr Opfer.»
Sie sagt, sie verstehe die Wut der Öffentlichkeit, aber der Internetmob muss sich bessern: «Man kann nicht einfach wahllos auf jemanden losgehen, nur weil er denselben Namen hat.»
Ethan Cohen, Mitarbeiter der Kanzlei, die die Frau vertritt, die die Zivilklage eingereicht hat, sagte gegenüber «The Free Press»: «Wir arbeiten gemeinsam mit den Zustellungsbeamten und dem Gericht daran, den Fehler zu beheben.» Die Zustellung an die richtige Person werde derzeit veranlasst, so Cohen weiter.
New York ernennt Sonderermittlerin
Mittlerweile hat die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, die Ermittlungen unter Aufsicht gestellt. Es gebe «ernsthafte Fragen» zum bisherigen Vorgehen der lokalen Polizei und der Entscheidung des Bezirksstaatsanwalts, den Fall nicht strafrechtlich zu verfolgen, hiess es in einer Mitteilung Hochuls. Nun werde die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates, Letitia James, als Sonderermittlerin für den Fall eingesetzt.
Die örtlichen Behörden sehen sich heftiger Kritik ausgesetzt, seit die Zivilklage eingereicht wurde. Auf Basis der Aussagen dort wollte die lokale Staatsanwaltschaft die Frage prüfen, ob der Fall nun zur Anklage gebracht werden kann.
Der Bezirksstaatsanwalt argumentiert, in der ursprünglichen Aussage der Frau sei kein Verhalten beschrieben, das eine Straftat darstelle. Gegenüber der Polizei soll sie aber gesagt haben, vergewaltigt worden zu sein, schrieben US-Medien unter Berufung auf Verhörprotokolle. Diese Aussage will er nie gesehen haben, sagt der Bezirksstaatsanwalt.
Das Vertrauen in die Fähigkeit des Bezirksstaatsanwalts sei untergraben, hiess es von Hochul. «Die junge Frau, um die es in diesem Fall geht, hat ein Recht darauf zu wissen, dass jeder Fakt geprüft und Gerechtigkeit angestrebt wird», wurde die Gouverneurin zitiert. «Diese Massnahme wird sicherstellen, dass der Fall vollständig und gründlich, unvoreingenommen und unabhängig mit der gebotenen Sorgfalt untersucht wird», sagte Hochul mit Blick auf die neue Sonderermittlerin.
Die New Yorker Generalstaatsanwältin werde den Vorfall untersuchen, mutmassliche Straftaten verfolgen und die Beweise einer Grand Jury vorlegen. Als Grand Jury wird eine Gruppe von Geschworenen bezeichnet, die nach der Vorlage von Beweismitteln durch die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob Anklage in einem Fall erhoben werden kann.
(ome mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa)
