USA
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08479727 A man pauses at a newly painted George Floyd mural on a building near downtown Atlanta, Georgia, USA, 11 June 2020. Floyd's death while in the custody of the Minneapolis Police Department has sparked worldwide protests.  EPA/ERIK S. LESSER

Bild: keystone

«Dann hör auf zu sprechen!»: Neue Details zu George Floyds letzten Minuten bekannt

«Sie werden mich töten. Sie werden mich töten», sagt George Floyd gemäss einem am Mittwoch veröffentlichten Transkript. Die Abschrift enthüllt schockierende Dialoge zwischen den Polizisten und dem Afroamerikaner.



George Floyds letzte Momente – eingebrannt auf einer rund neun Minuten langen Videosequenz – haben weltweit Entsetzen ausgelöst und zu internationalen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt. Ein am Mittwoch veröffentlichtes Transkript, das von den Körperkameras der angeklagten Polizisten stammt, enthüllt nun neue Details über die letzten Minuten von George Floyds Leben.

Floyd sagte demnach nicht bloss einige Male «I can't breathe» («Ich kann nicht atmen»), wie auf bereits bekannten Aufnahmen zu hören ist, sondern insgesamt mehr als 20 Mal. Er rief nicht nur nach seiner verstorbenen Mutter, sondern sprach auch über seine Kinder.

Vor seinem letzten Atemzug schnappte der Afroamerikaner nach Luft: «Sie werden mich töten. Sie werden mich töten». Als Floyd um sein Leben rief, schrie ihn ein Beamter an, er solle aufhören zu reden, aufhören zu schreien. Denn es brauche verdammt viel Sauerstoff, um zu sprechen.

Die originale Abschrift wurde am Mittwoch von einem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota veröffentlicht und umfasst fast 82 Seiten Text. Wir haben einige Ausschnitte des Transkripts zusammengestellt.

Die Festnahme

Noch bevor George Floyd am Boden liegt, ein Knie im Nacken, kann der Austausch zwischen den Beamten und dem Mann als angespannt bezeichnet werden. Floyd versucht erst zu erklären, dass er Angst vor der Polizei habe, weil er bereits einmal angeschossen wurde.

Polizist Lane: Stay in the car. Let me see your other hand.
George Floyd: I'm sorry, I'm sorry!
...
Lane: Keep your fucking hands on the wheel!
Floyd: Yes, sir. Sorry, officer.
...
Lane: You got him? Put your hands on top of your head.
Floyd: Last time I got shot like that, Mr. Officer, it was the same thing.
...
Lane: Step out and face away. Step out and face away.
Floyd: Okay, Mr. Officer, please don't shoot me. Please, man.
Lane: I'm not going to shoot you. Step out and face away.

Auch Floyds Freundin Shawanda Hill, die im selben Wagen sass und bei der Festnahme anwesend gewesen ist, versucht Floyds nervöses Verhalten gegenüber den Beamten zu erklären. Polizist Lane schliesst auf Alkohol- oder Drogenkonsum.

Lane: Why's he getting all squirelly and not showing us his hands, and just being all weird like that?
Hill: I have no clue, because he's been shot before.
Lane: Well, I get that but still when officers say ‹Get out of the car›. Is he drunk? Is he on something?
Hill: No, he got a thing going on, I'm telling you about the police.

Floyds «fahriges» Verhalten verunsichert und beunruhigt die Polizisten. Als sie ihn zum Polizeiauto begleiten wollen, sagt Floyd, er sei klaustrophobisch und könne nicht einsteigen.

Lane: Let's go.
Floyd: Man, all right, let me calm down now. I'm feeling better now.
Lane: Keep walking.
Floyd: Can you do me one favor?
Lane: No, when we get to the car. Let's get to the car, man, come on.
...
Polizist Kane: Stand up, stop falling down: Stand up! Stay on your feet and face the car door!
Floyd: I'm claustrophobic, man. Please, man, please.
...
Floyd: Please, I'm not that kind of guy. (...) Please!
Lane: Just face away.
Floyd: (...) Don't leave me by myself, please, I'm just claustrophobic, that's it.
Lane: Well, you are still going in the car.

Die Polizisten gehen nicht auf die Klaustrophobie ein, sondern wollen, dass Floyd einsteigt. Dieser sagt, er könne nicht mehr atmen. Ob er auch auf dem Vordersitz des Wagens sitzen könne, fragt Floyd. Könne er nicht. Daraufhin sagt Floyd, er wolle sich lieber hinlegen als in den Wagen einzusteigen.

Floyd: I'm claustrophobic, officer.
Kueng: Get in the car!
...
Floyd: I can't choke, I can't breathe Mr. Officer. Please! Please!
...
Floyd: I want to lay on the ground! I want to lay on the ground! (...) I'm going down.

Das Knie im Nacken

Zwischen den nun folgenden Transkriptzeilen fixiert der Polizist Derek Chauvin, der bis jetzt sehr wenig gesagt hat, den Afroamerikaner am Boden – mit einem Knie im Nacken. George Floyd, der bereits vorher unter Atemnot gelitten hat, wiederholt immer wieder, er könne nicht atmen.

FILE - In this image from video provided by Darnella Frazier, Minneapolis Police Officer Derek Chauvin kneels on the neck of George Floyd, who was pleading that he could not breathe, in Minneapolis on Monday, May 25, 2020. The four officers involved in the fatal incident have been arrested. (Darnella Frazier via AP)

Bild: keystone

Floyd: I can't breathe. I can't breathe. I' can't breathe.
Lane: Jesus Christ.
Floyd: I can't breathe.
...
Kueng: Stop moving.
Floyd: Mama, mama, mama, mama.

Als George Floyd beginnt aus dem Mund zu bluten, will Lane den Notruf (Stufe 2) rufen. Derek Chauvin, bereits seit 19 Jahren im polizeilichen Dienst, weist Floyd darauf hin, dass er jetzt verhaftet sei und ins Gefängnis gehen werde. Der am Boden liegende Floyd: «Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe.»

Lane: Can we get EMS Code 2, for one bleeding on the mouth.
Chauvin: You are under arrest, guy.
Floyd: Oh my God, I can't believe this (...).
Chauvin: So you are going to jail.
Lane: Affirm.
Floyd: I can't believe this. Mom, I love you. (...) Tell my kids I love them. I'm dead.

Polizist Lane verhält sich nervös und fragt, ob man die Position des Mannes verändern sollte. Die anderen beiden Beamten, die Floyd fixieren, wollen nicht.

Floyd: I can't breathe or nothing, man. This cold-blooded, man. Ah-Ah!
Chauvin: You are doing a lot of talking, man.
...
Floyd: I can't breathe. Please! Please, let me stand! (...)
Lane: (...) Should we get his legs up, or is this good?
Chauvin: Leave him.
Kueng: Just leave him, yep.

George Floyd bittet um Wasser und Luft, wiederholt erneut, dass er nicht atmen könne. Chauvin, bereits seit mehreren Minuten auf dem Nacken des Mannes kniend, antwortet: «Dann hör auf zu sprechen, hör auf zu rufen.» Denn Sprechen und Schreien würden sehr viel Sauerstoff benötigen.

Floyd: I'm through. I'm through. My stomach hurts. My neck hurts. Everything hurts. I need some water or something, please. Please? I can't breathe, officer.
Chauvin: Then stop talking, stop yelling.
Floyd: You are going to kill me, man.
Chauvin: Then stop talking, stop yelling. It takes a hack of a lot of oxygen to talk!
...
Floyd: I cannot breathe. I cannot breathe. They kill me!
...
Floyd: Ah! Ah! Please! Please. Please.

Mit diesen Worten enden George Floyds Aussagen im Transkript. Der 46-jährige Afroamerikaner stirbt, nachdem Derek Chauvin sein Knie mehr als acht Minuten lang auf Floyds Nacken gedrückt hatte, bis dieser sich nicht mehr bewegte.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA

Was struktureller Rassismus ist und warum es ihn auch in der Schweiz gibt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

32
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • mon tuno 11.07.2020 10:23
    Highlight Highlight Ich muss zugeben: Ich kann das nicht lesen, mir reicht die Vorstellung schon.
  • Domino 11.07.2020 09:37
    Highlight Highlight Klar war es Mord, nur wird wohl die Frage sein bei einem Gerichtsprozess sein, inwiefern das bei beiden Obduktionen festgestellte Fentanyl eine Rolle spielt. Eine Überdosis lösst eine Erstickung aus.
  • walsi 11.07.2020 08:56
    Highlight Highlight 82 Seiten Transkribt auf einen Artikel von einer Seite zusammgefasst lässt doch vieles offen. Was besonders störend ist, es wird nur das wiedergegeben was Floyd gut aussehen lässt und Polizisten als Monster. Was auch fehlt der Link zum ganzen Transkript.
    • ueberfluessig 11.07.2020 09:11
      Highlight Highlight es gibt ein video!
      es gibt hier nichts zu relativieren!
      du solltest dich schämen!
    • voni2 11.07.2020 11:37
      Highlight Highlight Den Grossteil der Kommunikation hört man bereits im Hanyvideo der Passantin.
      Hier wurde noch ergänzt, was man im Video nicht hörte.

      Und das komplette Transkript IST verlinkt, kannst es dir durchlesen und dann kritisieren wenn nötig.
    • Dani S 11.07.2020 11:49
      Highlight Highlight @walsi: Floyd ist tot, er hat die Verhaftung nicht überlebt!
      Da stellst Du ernsthaft in den Raum, dass man Floyd "gut aussehen" lässt?

      Was bist Du nur für ein Mensch?
  • Nausicaä 10.07.2020 21:19
    Highlight Highlight Selbst als er begann aus dem Mund zu bluten (!) wollten die (mit Ausnahme von Lane) nicht von ihm runter... Wenn das kein kaltblütiger Mord ist...
    • Toga 10.07.2020 21:43
      Highlight Highlight "Wenn das kein kaltblütiger Mord ist..." - Ich denke auch, dass das kaltblütiger Mord aus niedrigen Motiven ist.
    • rodolofo 11.07.2020 13:43
      Highlight Highlight Der grausame Polizist fühlte sich so sicher, wie der heute von Trump begnadigte Stone...
      Grosse wie kleine Verbrecher und Sadisten werden von der Trump-Regierung ermutigt, "einen Zacken zuzulegen".
      Und Trump gratuliert Ihnen noch und feuert sie an!
      Parallel dazu spricht Blocher an seiner letzten SVP-Kampfrede vom "Inneren Feind" und von "Bürgerkrieg".
      Zufall, oder internationale Verschwörung der Rechtsnationalisten?
  • rüpelpilzchen 10.07.2020 20:39
    Highlight Highlight Es macht mich so Wütend, dass mir die passenden Worte fehlen.
  • Beasty 10.07.2020 20:18
    Highlight Highlight Hier fehlt jegliche Humanität, jegliche Empathie. Das war kaltblütiger Mord.
  • rodolofo 10.07.2020 19:18
    Highlight Highlight Dieser Polizist hat die rassistische Einstellung, dass der Schwarze sowieso immer lügt und betrügt.
    Also muss man auch nicht zuhören, wenn der Schwarze etwas sagt, wenn er sagt, er bekomme keine Luft zum atmen, oder er sei unschuldig!
    In den USA ist es offenbar immer noch gängige Verhör-Praxis, Verhaftete so lange zu bearbeiten und mit endlosen Verhören, Schlafentzug und Folterungen dazu zu bringen, ein Geständnis abzulegen!
    Die Geständnisse kommen dann zustande, indem die folternden Polizisten Straferleichterungen und ein Ende der Folterungen versprechen.
    Unfassbar elend und abgründig...
  • Wiedergabe 10.07.2020 18:52
    Highlight Highlight Ich frage mich, was das für eine Polizei-Ausbildung sein muss bei der man sämtliche Menschlichkeit verliert.
    Erinnert mit an Deutschland in den 30ern.
    Was für ein Mindset müssen solche verabscheungswürdige Menschen haben?
    • Weisser Mann 11.07.2020 07:16
      Highlight Highlight Killology nenft sich die.
      Play Icon
  • G. Samsa 10.07.2020 18:30
    Highlight Highlight Einfach nur krass. Die Geschichte tut mir so unendlich leid für Floyd, für seine Familie, für seine Angehörigen.
  • Pümpernüssler 10.07.2020 18:28
    Highlight Highlight Dieses Land ist der grösste Feind der Menschheit. Können sich alles erlauben und die Welt sieht zu. Wo bleiben die Sanktionen?
  • Emil Eugster 10.07.2020 17:20
    Highlight Highlight Nicht nur schockierend, wie egal das alles den Polizisten war, sonder und das ist das besonders aussergewöhnlich Schreckliche; dass die Polizisten das alles im vollen Bewusstsein gemacht haben, dass sie dabei gefilmt werden.
    Die Polizisten im Bewusstsein, dass sie alles machen können was sie wollen und trotzdem keine Folgen tragen müssen.
    1. Jemanden so zu ermorden vor laufenden Kameras zeigt eine psychische Störung.
    2. Zu glauben damit durchzukommen stellt das kranke System der US Polizei bloss.
    Deshalb die Forderungen von BLM.
  • Basswow 10.07.2020 16:39
    Highlight Highlight Absoluter Horror 🤷🏽‍♂️

    Fast wünsche ich den Tätern denselben Abgang...

    Solche Menschen tragen nichts dazu bei, dass diese Welt besser wird.
  • Unicron 10.07.2020 16:08
    Highlight Highlight Wenn die Polizisten schon mit so einer Situation nicht umgehen können, was machen die denn wenn wirklich mal was passiert?
    Du hast jemand der offensichtlich eine Panik Attacke hat, und die einzige Lösung die dir einfällt, ist dich auf ihn drauf zu setzen?
    Ein bisschen schwerpunkt auf Deeskalation und Psychologie wäre in der Ausbildung wohl wünschenswert....

    Stellt euch mal vor wie sich seine Angehörigen fühlen wenn die das Lesen... bah.
  • JoeThrasher 10.07.2020 15:38
    Highlight Highlight Solche Zeilen machen schon nachdenklich. Wenn man dann noch selbst Kind(er) hat fehlen einem glatt die Worte.
  • Der Buchstabe I 10.07.2020 15:30
    Highlight Highlight Da wird mir schlecht wenn i h sowas Lese. Und mir wird einmal mehr bewusst. Wie privilegiert wir mit der Schweizer Polizei sind. Wobei das weniger mit Privileg als mit gesundem Menschenverstand und gut ausgebildeten Cops zu tun hat.
    • Alice im Wunderland 10.07.2020 16:17
      Highlight Highlight Ja, unsere Polizei ist nicht perfekt.
      Sie wird es au niemals sein.
      Dennoch ist es ein himmelweiter Unterschied zur Polizei in Amerika.
      Ich möchte nicht tauschen und ich glaube du auch nicht, oder?
    • La Joya 10.07.2020 16:52
      Highlight Highlight auch schweizer polizisten sind nicht immer all zu korrekt.
    • reactor 10.07.2020 17:25
      Highlight Highlight Genau so nen Fall gab es in der Schweiz auch schon.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Natürlich 10.07.2020 15:27
    Highlight Highlight Es ist einfach nur krank und schockierend zugleich, ich kann es immer noch nicht fassen...
    Diese Bilder aus dem Video haben sich in mein Gehirn gebrannt.
  • dim (1) 10.07.2020 15:10
    Highlight Highlight Krass das zu lesen. Ich habe schon oft gesehen dass sich verdächtige durchaus gefährlich verhalten, besonders in den USA, aber was will man denn noch mehr sagen als ich kann nicht atmen und bin klaustrophobisch... Für mich gehören alle in den Knast
    • Heinzbond 10.07.2020 19:54
      Highlight Highlight Lebenslang alle vier, ohne Aussicht auf strafmilderung, mit lebensgrossem Porträt ihres Opfers an der Wand, täglich 16h harter Arbeit und Wasser und Brot bis sie eines natürlichen Todes sterben...
    • dim (1) 11.07.2020 14:36
      Highlight Highlight Dass Mensch fehler macht ist klar, besonders in stessigen situationen. Gefängnis ist ok, fair aber immer noch nicht. Dass man im gefängnis aber psychisch foltert, dafür bin ich nicht.

Liveticker

Polizist bei Zusammenstössen in Beirut getötet ++ Libanons Premier will Neuwahlen

Artikel lesen
Link zum Artikel