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Airbnb lässt Mieten und Liegenschaftspreise steigen



Vermittlungsplattformen für Unterkünfte wie Airbnb wirken sich nachteilig auf Mieter aus. In Schweizer Städten führten sie zum Verlust von Mietwohnungen, warnt der Zürcher Mieterinnen- und Mieterverband. Er fordert deshalb eine Regulierung.

Vermittlungsplattformen wie Airbnb haben negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in Städten, die stark vom Tourismus geprägt sind und eine tiefe Leerstandsquote haben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Inura-Instituts Zürich im Auftrag des Zürcher Mieterinnen- und Mieterverbands (MVZH). Dieser nimmt die Studie zum Anlass, eine stärkere Regulierung der Airbnb-Angebote zu fordern.

Insbesondere im Fokus ist die kommerzielle Nutzung. Mieter sollten weiter ihr Recht zur Untervermietung nutzen können, sagte Walter Angst vom MVZH am Dienstag vor den Medien. Die kommerzielle Vermietung über Airbnb zeige aber Verdrängungseffekte auf dem Wohnungsmarkt und finde in der politischen Diskussion noch nicht statt.

Für einen funktionierenden Wohnungsmarkt wird in Kanada und in den USA von einer Leerstandsquote von 3 Prozent ausgegangen. Die Situation in grossen Schweizer Städten steht da in einem schlechten Verhältnis: 2015 standen 0.22 Prozent der Wohnungen in der Stadt Zürich leer, Basel kam auf 0.42 Prozent, Genf auf 0.45 Prozent.

Nachfrage in Schweiz stark gestiegen

Die Situation in diesen drei Städten hat die Studie genauer beleuchtet. Beispiel Basel: Zwischen 2013 und 2016 hat sich die Zahl von 293 Objekten auf Airbnb auf 1092 erhöht. Dies entsprach im Jahr 2016 42 Prozent der Anzahl Hotelbetten in der Stadt Basel. Die Google-Suchanfragen nach Airbnb-Unterkünften in der Schweiz entsprechen dieser Entwicklung - seit 2012 sind sie stark angestiegen.

Beispiel Genf: Wie in allen Schweizer Städten beträgt der Anteil von ganzen mietbaren Wohnungen oder Häusern zwei Drittel. Ein Drittel aller Anbieter in Genf haben mehr als eine Unterkunft auf Airbnb gestellt.

Stefan Donati, einer der Autoren der Studie, sagte am Dienstag: «Sobald jemand zwei Unterkünfte anbietet, gehen wir von einem kommerziellen Anbieter aus.» Allerdings könne man auch mit einer Unterkunft kommerziell operieren.

«Kieztourismus» in Zürich

In Genf weisen beinahe die Hälfte der Anbieter mit mehreren Airbnb-Einträgen sogar drei oder vier Unterkünfte auf - zwei Personen sind Spitzenreiter mit 33 respektive 34 Angeboten. Schweizweit an der Spitze lag 2016 ein Anbieter mit 105 Objekten.

Für die Autoren ist klar: In Genf kann von einer regen gewerblichen Nutzung von Airbnb ausgegangen werden. Auch die durchschnittliche Belegung spricht dafür. 71 Nächte sind die Genfer Unterkünfte im Schnitt belegt. Berücksichtigt man nur die häufig gebuchten, kommt man auf durchschnittlich 147 Nächte. Ausserdem sind rund 70 Prozent der Angebote das ganze Jahr über buchbar, was ebenfalls auf eine kommerzielle Nutzung hinweist.

Beispiel Zürich: Hier zeigt sich, was die Autoren der Studie mit «Kieztourismus» beschreiben. 2000 Airbnb-Angebote gab es hier im August 2016. Prozentual am meisten Mietunterkünfte liegen in den Quartieren Rathaus (2 Prozent des Wohnungsbestandes) und Mühlebach (1.7 Prozent) sowie Langstrasse und Seefeld (beide 1.1 Prozent).

Die Nähe zu Sehenswürdigkeiten oder eine hippe Umgebung geben den Ausschlag beim Buchen. Der städtische Durchschnitt an Airbnb-Unterkünften liegt bei 0.4 Prozent.

Steuerliche Aspekte

Die negativen Auswirkungen unter solchen Voraussetzungen können steigende Mieten und Liegenschaftspreise sein. Dadurch entstehen Verdrängungsprozesse. Die Studie führt als ein Beispiel London an, wo 13'000 Wohnungen für kurzfristige Nutzungen verwendet werden und nicht dem Mietmarkt zu Verfügung stehen. In Boston liess sich festmachen, dass in Quartieren, in denen die Anzahl Airbnb-Angebote anstieg, auch die Mieten in der Nachbarschaft teurer wurden.

Die Studie schlägt regulatorische Massnahmen vor wie etwa eine Festlegung der Nutzung auf den Hauptwohnsitz des Anbieters oder eine maximale Zahl an Unterkünften, die ein Teilnehmer anbieten kann. Unabhängig davon empfiehlt die Studie, steuerliche Aspekte ebenfalls zu regeln.

Städte wie Paris und Santa Monica haben direkt mit Airbnb Abmachungen getroffen und befinden sich in einem Datenaustausch. Es sei jedoch unklar, ob die Schweizer Städte dieselbe Verhandlungsmacht besässen, heisst es. (sda)

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