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Keine Gnade trotz Reue

Geiselnahme in Erotik-Club in Zizers GR: Syrer muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis



Ein 31-jähriger Asylbewerber aus Syrien muss wegen einer Geiselnahme in einem Erotik-Club in der Nordbündner Gemeinde Zizers für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Über acht Stunden befanden sich zwei Frauen in der Gewalt des Angeklagten, zeitweise auch ein Mann.

Der kräftige junge Mann sass am Mittwoch vor dem dreiköpfigen Bezirksgericht in Landquart, zeigte Reue und versuchte zu erklären, wie ein Beziehungsproblem in eine Geiselnahme eskalierte. Der 31-Jährige wollte an jenem Donnerstag, Anfang Oktober letzten Jahres, eine Aussprache mit seiner Freundin. Diese aber servierte ihn ab und liess ihn vor verschlossenen Türen stehen.

Damit begann das Drama. Der Syrer drang mit Gewalt ins Gebäude ein, was die Club-Betreiberin hörte. Sie bekam Angst und holte eine 9-Millimeter-Pistole aus einer Schublade, die ihr der Angeklagte entriss.

Der Mann schoss zwei Mal, ohne jemanden zu verletzten. Einen dritten Schuss feuerte er senkrecht in den Boden, den vierten später einen halben Meter an einer Geisel vorbei in eine Wand.

Sexuelle Übergriffe

Der Asylbewerber bedrohte die Geiseln mit vorgehaltener Pistole, wiederholt schlug er die Club-Betreiberin. Ausserdem kam es während des über achtstündigen Dramas zu sexuellen Übergriffen durch den Geiselnehmer. Die ohnehin emotional hoch angespannte Situation wurde zusätzlich aufgeheizt durch Schnaps und Cannabis, die der Angeklagte zuvor in hohem Masse konsumiert hatte.

Geiseln waren neben der Club-Betreiberin eine Angestellte des Bordells sowie ein Informatiker, der zu jenem Zeitpunkt zufällig einen Auftrag im Hause ausführte. Den Informatiker liess der Geiselnehmer im Verlaufe des Abends frei.

Verkehrschaos

Das ganze Drama dauerte achteinhalb Stunden. Eine Stunde nach Mitternacht gab der Geiselnehmer auf. Er warf die Waffe aus dem Fenster und verliess das Gebäude mit erhobenen Händen unter Scheinwerfer-Beleuchtung der Polizei. Verletzt war niemand worden.

Die Geiselnahme hatte ein Verkehrschaos im Churer Rheintal ausgelöst. Weil die Polizei den Tatort weiträumig abgesperrt hatte, stauten sich die Fahrzeuge auf der Nordspur der A13 auf einer Länge von über zehn Kilometern. Etliche Autofahrer verliessen die Autobahn Richtung Chur, wo der Verkehr auf den Hauptachsen zeitweise völlig zum Erliegen kam. (aeg/sda)

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