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Die Nachhalterin

Hat jemand Klimaschutz gesagt? Dann ab zum Ausreden-Best-of!

Nachhaltigkeits Blog Sabina eisbär
Bild: Shutterstock
Die Nachhalterin

Hat jemand Klimaschutz gesagt? Dann ab zum Ausreden-Best-of!

Ausreden beim Klima- und Umweltschutz sind fast so beliebt wie der wöchentliche watson-Picdump. Meine liebsten und ein paar andere hab ich gesammelt – inklusive Konter, versteht sich.
27.06.2023, 10:5727.06.2023, 13:00
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Sabina Galbiati

Ich muss gestehen, ich liebe Ausreden! Sie vereinfachen den Alltag. Sie zu (er)finden, macht mich kreativ wie sonst was. Sie gestatten mir, faul zu sein, wann immer ich will, sind meine kleinen Retter in der Not. Also bitte, nichts gegen Ausreden!

Ausreden sind quasi mein Ding. Und weil ich in meinem Umfeld die Nachhaltigkeits-Tante bin, kommen meine Gspänli, Bekannten, Verwandten und was es da sonst noch alles gibt, immer wieder mal auf mich zu. Sie wollen nämlich wissen, was sie sagen sollen, wenn der Georg oder die Sophie diese oder jene Ausrede fallen lässt, weil er oder sie kein Bock hat, sich ums Klima oder die Umwelt zu kümmern. Und weil ich beides liebe – also Ausreden und die Umwelt –, mach ich mir natürlich besonders gerne und viel Gedanken dazu.

Als dann kürzlich auf meiner To-do-Liste stand, Arzttermin abmachen, staubsaugen, Website überarbeiten, sagte ich mir: heute nicht! Ich muss ganz dringend das Ausreden-Best-of schreiben, damit meine Gspänli, Bekannten etc. bei der nächsten Ausrede vom Georg oder der Sophie einen guten Konter aus dem Köcher ziehen können.

Et voilà!

Aber im Fall, die anderen verhalten sich auch wie Sau!

Neulich am Telefon sagte eine gute Freundin zu mir: «Weisch, ich fühl mich einfach verarscht, wenn ich mir fürs Klima Mühe gebe, während alle anderen sich wie Idioten verhalten.» Sie gibt sich natürlich trotzdem Mühe und sie meinte es auch nicht böse, als sie das Wort «Idioten» sagte. Sie redete halt einfach, wie der Schnabel gewachsen ist. So weit, so normal.

Aber andere Dudes und Dudinnen nutzen dieses Verarschtfühlen als Ausrede. Auch ich kenne dieses Gefühl bestens, aber – und das sagte ich auch zu meiner guten Freundin – erstens, nur weil andere sich wie Idioten verhalten, möchte ich deswegen ja nicht so tun, als wäre ich auch eine Idiotin (so zu tun, wäre ja noch schlimmer, als wirklich dumm zu sein). Und der zweite Punkt kommt gleich mit der nächsten Ausrede.

Was ich als Einzelperson mache, nützt sowieso nix, da kann ich es auch bleiben lassen!

Eine der schwierigsten aller Ausreden, da auf den ersten Gedanken leider ein bitzli wahr. Zum Glück darf ich ja als Journalistin einfach mal einen Umweltpsychologen anrufen und fragen, was ich schreiben soll.

Er sagte ungefähr das Folgende: Ohne Feedback, was denn dein Beitrag bewirkt, fehlt dir die Motivation, und du stellst deine Selbstwirksamkeit infrage. Die Perspektive ändert sich, wenn du dir klarmachst, dass du eben nicht alleine als Einzelperson handelst, sondern zu einer Gruppe von Menschen gehörst, die einen sehr grossen Beitrag leistet und systemische Veränderungen vorantreibt.

Er meinte dann noch, da gehe es um die kollektive Wirksamkeit, Greta Thunberg und so weiter, aber ich musste sofort an meine Freundin denken und dass eben doch ganz viele Menschen keine Idioten sind.

Gleich geht es weiter mit den Ausreden, aber vorab eine kurze Werbeunterbrechung:

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Und nun zurück zur Story...

Ich hab zu Hause einen Schämi-Egge. Da stell ich mich einfach zehn Minuten täglich rein.

Okeee?! Wenn du da eh schon stehst, nutz doch diese zehn Minuten, um auf deinem Smartphone zum Beispiel nach veganen Rezepten, Energiespartipps, Secondhand-Shops in deiner Nähe oder Reisezielen, die mit dem Zug erreichbar sind, zu suchen.

Aber ich pflanz im Fall voll viele Bäumli im Internet!

Herrjesses! Das Internet kannst du für schlauere Dinge brauchen (siehe Ausrede oben). Und das mit den Bäumli ist so ein spannendes (eigentlich kompliziertes, aber so was sagt man nicht laut) Thema, dass ich darüber einen eigenen Blog-Beitrag schreiben werde. Coming soon!

Es ist eh schon zu spät!

Also, um die Klimaerwärmung aufzuhalten, schon, ja, aber nicht, um sie abzumildern. Letzteres ist gottsname nötig, damit du, deine Kids, deine Liebsten und andere Menschen ein angemessenes Leben führen können.

Jetzt fragst du dich natürlich, was denn bitteschön angemessen sein soll. Eine Völkerrechtsexpertin hat das am Telefon mal auf den Punkt gebracht, als sie plus minus Folgendes sagte:

Die Geschichte zeigt, dass menschliche Errungenschaften wie unser Rechtssystem, die Menschenrechte oder Wirtschaftsstabilität nur in einem sehr schmalen Temperaturband möglich sind. Eine Erderwärmung, die über +1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit liege, sei wegen der Umweltfolgen brandgefährlich.

Sollen doch erst mal die Chinesen/die Reichen/die Politikerinnen und Politiker sich ums Klima und die Umwelt kümmern.

Ja, die müssen sich auch darum kümmern, da hast du verdammi recht! Aber das bedingt ja nicht, dass du und ich nichts tun sollen oder müssen.

Im Gegenteil, die meisten von uns können wählen und abstimmen gehen, können ein Vorbild für ein paar andere Menschen werden. Jede und jeder kann weniger Kram aus China* oder von Greenwashing-Unternehmen konsumieren, kann sich ehrenamtlich engagieren, kann Food Waste vermeiden oder öfter vegan essen etc. (Die Antworten auf die ersten beiden Ausreden kannst du hier noch anfügen.)

*Es ist eben so, dass wir viele Dinge kaufen, die in China produziert werden, weil sie dadurch hübsch billig werden. Nur lagern wir so eben auch einen Teil unserer Treibhausgas-Emissionen dorthin aus.

Die unausgesprochene Ausrede: Ich bin zu bequem für Klimaschutz und will auf nichts verzichten, aber ich schäme mich dafür, deshalb benutze ich andere Ausreden.

Die beste Ausrede, die ich in so einem Fall zu hören bekommen habe: «Weisch, die Raucher, also, die sind ja ganz schlimm. Also, die schaden ja dem Klima viel mehr als ich. Und ich esse ja nur zwei-, dreimal die Woche Fleisch.» Ersteres und Letzteres stimmen zwar so nicht ganz, aber hey, Ausreden sind nicht da, um die Wahrheit zu sagen. 😊

Aber zurück zur Ausrede, die niemand laut ausspricht. Ich behaupte mal ganz besserwisserisch, hier sind wir beim Kern des Problems angekommen – zumindest, was die Motivation angeht. Wie praktisch, dass es noch andere Gründe als Klima und Umwelt gibt, um Klima und Umwelt zu schützen. Etwa gesünder leben (und nicht rauchen, gell), Geld sparen (zumindest teilweise) oder gechillter sein, weil weniger vom Konsumwahn getriggert. Zugegeben: Das ist nicht einfach. Aber ein paar Trickli werde ich in meiner Blog-Serie schon noch verraten, nur Geduld …

Södeli, und nun freu ich mich auf die Ausreden in der Kommentarspalte!

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Über die Autorin

Sabina Galbiati …
… schreibt als Journalistin und Autorin seit ein paar Jährchen über alles, was es zum Thema Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz so zu schreiben gibt – vor allem Tipps. Vor kurzem ist ihr Buch «101 Antworten für deinen nachhaltigen Alltag» erschienen. Es liefert zu elf verschiedenen Bereichen unseres Alltags praktische Tipps und Infos rund ums Thema «nachhaltiger leben». Ihr Blog basiert auf dem Buch und ist quasi ein Remake, Best-of, Spin-off etc. davon. Weil ihre Gspändli und alle anderen immer wissen wollen, wie sie es selbst so mit der Nachhaltigkeit hält, hier noch ein paar Facts: Sie isst seeehr selten tierische Produkte (beim Käse fällt es ihr unglaublich schwer). Sie besitzt kein Auto, weil sie sich das ganze Drumrum sparen will. Sie lebt in einer 30-Quadratmeter-Wohnung (leider mit Gasheizung). Sie hat keine Kids, aber nicht wegen des Klimas. Sie kauft extrem selten neue Kleider oder anderes Zeugs, weil dafür die Wohnung zu klein ist und sie zu faul.
Sabina Galbiati
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112 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nichtmehr Wähler
27.06.2023 11:49registriert Mai 2023
Ich brauche echt keine Ausreden.... ;-() Bis 28ig bin ich fast nur ÖV gefahren und auch heute noch fahre ich sehr wenig (privat). Bin in meinem ganzen Leben erst 3x geflogen (privat, bin 45ig) davon 2x Europäisch. Konsumiere bewusst und nicht im Überfluss. Ich bin mit mir im „Reinen“ und lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden. Kinder haben wir leider keine, war uns bisher nicht möglich und wird ziemlich unwahrscheinlich wg des Alters. Da ich ziemlich Realistisch veranlagt bin und durchaus ein bisschen Gehirn besitze glaube ich nicht dass diese Welt die „Kurve“ noch kriegt. 🤷‍♂️
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TRN
27.06.2023 11:14registriert Dezember 2021
Ein Artikel zum Thema Ausreden bezüglich des eigenen Klimaverhaltens gesponsert von Mobility? Handelt es sich hierbei um eine Parodie?

Generell: Menschen die mit sich im reinen sind, benötigen keine Ausreden.
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s'Paddiesli
27.06.2023 13:35registriert Mai 2017
Seid einfach ein Vorbild, egal, was Andere tun oder lassen.
Ich kämpfe jeden Tag darum.
Und warum?
Damit ich am Ende meines Lebens mit offenem Blick in den Spiegel schauen kann. Und jedem Kind in die Augen.
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