Die Ex in meinem Kopf und in meinem Bett
Ich habe keine Ahnung, wie man 22 Jahre mit nur einem Menschen zusammen sein kann.
Sandro und ich waren auch sehr lange zusammen und nicht zusammen und zusammen und exklusiv und alles andere als exklusiv.
Aber so richtig 22 Jahre nur ein Mensch, pure Monogamie, all in. Das finde ich krass.
Lukas konnte das. Lukas ist der Mann, mit dem ich seit bald drei Wochen sehr viel Sex habe. Und wenn ich keinen Sex mit Lukas habe, dann habe ich sonst sehr viel Spass mit Lukas.
Wenn wir gerade nicht zusammen sind, dann läuft unser Chat heiss. Ich vermute, dass er derweil mindestens 854 Kilometer lang ist.
Lukas ist der, der beim ersten Date nicht allein kam. Er hatte seine Schwester und seine drei besten Friends virtuell dabei.
Da ist sie, die Ex. Und da ist der Dolch. In meinem Herzen!
Läuft also krass gut bei Lukas und mir. Läuft so gut, dass mein Herz so gar nicht mehr chillen kann.
Ich sag, wie's ist: Ich habe mich von 0 auf 100 in Lukas verliebt.
Über unsere Gefühle reden wir aber nicht. Wir reden per se nicht so viel. Wir sind zu busy mit Vögeln.
Bis es sich vor zwei Tagen kurz ausgevögelt hat. Wegen meiner Blasenentzündung müssen wir kurz Pause machen.
Wir bestellen Essen und machen es uns in meiner Küche gemütlich. Ich will, dass mir Lukas aus seinem Leben erzählt.
Er erzählt von fernen Reisen.
Mit seiner Ex.
Er erzählt von seinem Haus.
Mit seiner Ex.
Er erzählt von Konzertbesuchen.
Mit seiner Ex.
Er erzählt vom Fallschirmspringen.
Mit seiner Ex.
Und dann erzählt er noch vom Tod seiner geliebten Schwiegermutter.
Und vom Bruder seiner Ex. Mit dem er drei Monate durch Asien reiste. Und der wie ein Bruder für ihn ist.
Wenn Lukas von der Ex erzählt, tut er das sehr respektvoll.
Green flag.
Und eigentlich total logisch, dass die Ex gefühlt mit uns am Tisch sitzt, mit uns im Bad ist und nach diesem Gespräch zumindest in meinem Kopf mit uns im Bett ist.
Es waren schliesslich 22 Jahre!
Laut Lukas 22 sehr schöne Jahre. Okay, die letzten zwei nicht mehr so. «Wir haben uns auseinandergelebt», sagt er. «Kein böses Blut, kein Betrug, kein Scherbenhaufen. Stattdessen einvernehmliche Trennung. Viel Wohlwollen und freundschaftliche Liebe füreinander.»
Eigentlich good News.
Eigentlich.
«Und jetzt», frage ich, «bist du bereit für etwas Neues?»
Lukas schaut mich an, umarmt mich, drückt mich an sich und sagt:
«Frag mich in einem Jahr nochmal!»
Okay, autsch. Der sitzt!
So frage ich mich, ob ich gerade eine Beziehung mit jemandem aufbaue, während ich diesem Jemand in Tat und Wahrheit beim Loslassen seiner alten helfe.
Klingt komplex. Ist komplex. Liebe ist wunderbar. Und Liebe ist scheisse.
Hurensiech!
*Joke, Leute!
