Blogs
Leben

Big Ben: Alles hat 1 Ende – nur die Wurst und Big Ben haben 2

Bild
Bild: Shutterstock
Big Ben

Alles hat 1 Ende – nur die Wurst und Big Ben haben 2

Wir wussten es alle: Irgendwann ist Schluss. Aber immerhin hören wir nicht ganz abrupt auf, nein, wir verabschieden uns in zwei Schritten.
23.01.2026, 10:04
Big Ben
Big Ben

Bevor ich euch sage, warum ich aufhöre, muss ich euch Folgendes erzählen, weil es mich so erstaunt hat und ich eure Meinung wissen will. Also. Ein Freund von mir hat sich verlobt. Das allein ist etwas aussergewöhnlich, weil sich in meinem Freundeskreis eher wenig Leute verloben, so richtig, mit Verlobungsring und allem. Es heiraten auch die wenigsten. Einige wenige entscheiden, kurz bevor sie ein Kind kriegen, dass sie keine Lust auf den ganzen Papierkram haben, und rennen aufs Standesamt. Aber so richtige Hochzeiten gibt es selten in meinem Umfeld. Ich war dennoch an einigen. Weil man ja manchmal Plus 1 ist und manchmal auch von Leuten eingeladen wird, die nicht zum engsten Freundeskreis gehören.

Der frisch Verlobte und ich, wir kennen uns seit der Schulzeit, er war der ewige Single in der Runde – noch Single-iger als ich und das soll etwas heissen –, er hat dann vor zwei Jahren auf einer Reise jemanden kennengelernt, eine Schwedin, er zog für sie nach London, wo sie arbeitet, und sagt, er sei richtig glücklich in der Beziehung, ein Satz, den ich von ihm nie zu hören erwartet hätte. Diese Frau hat ihm nun einen Heiratsantrag gemacht. Als sie über die Festtage zusammen durch Argentinien gereist sind. Irgendwo neben einem Berg, ich habe den Namen vergessen.

Er hat Ja gesagt. Logisch. Sonst wäre er ja jetzt nicht verlobt.

War der Antrag falsch?

Als er mir davon erzählte, fragte er, ob ich fände, er hätte den Antrag machen sollen. Er wusste, dass sie heiraten will, und er hätte es sicher auch gemacht, sie hätten ja darüber gesprochen, also keinen Antrag, das sei irgendwie nicht in seiner DNA, aber heiraten, ihr zuliebe, weil sie Feste mag, und weil das die Frau sei, mit der er zusammen sein will. Für länger, vielleicht für immer.

Ich sagte, sei doch super so. Wenn er auch heiraten wollte, dann sei doch alles gut.

Anscheinend bin ich mit meiner Meinung ziemlich allein, denn in unserem Bekanntenkreis ist die Verlobung gerade Thema Nummer Eins und der Tenor ist ganz klar: Der Mann macht den Antrag – und ich frage mich, warum? Warum muss das noch so sein? Sei romantischer, sagte man mir. Ich verstehe nicht, warum es romantischer ist, wenn ein Mann auf die Knie geht. Knie ist Knie! Ist es nicht eh romantisch? Was verstehe ich nicht? Sie will einen Antrag machen, dann soll sie doch einen Antrag machen dürfen! Leute, helft mir!

Nun, dies ein kleiner Einschub zu einem Text, der gar nichts damit zu tun hat.

Oder vielleicht doch. Denn ich habe mir überlegt, als mir der Freund davon erzählte, ob ich darüber schreiben wollen würde, wenn ich mich verloben würde. Das ist alles sehr, wirklich sehr, sehr unwahrscheinlich, aber würde ich so einen Moment mit mir fremden Leuten teilen wollen, die das dann kommentieren, bewerten, kritisieren und darüber urteilen? Würde ich das wollen?

One-Night-Stands, Affären, schlechte Dates oder auch gute, lustige Bekanntschaften, Club-WC-Sex, all das geht gut. Das kann man gut teilen. Aber was, wenn es so richtig richtig und so richtig ernst wird?

Der Gedanke aufzuhören, ist nicht neu.

Der Deal war immer, dass ich so lange schreibe, wie ich schreiben will. Ich habe keinen Vertrag mit Mindestlaufzeit. Denn so eine Kolumne macht nur Sinn, wenn sie Spass macht. Und sie machte Spass. Sehr, sehr lange machte sie sehr viel Spass. Aber nun ist der Wunsch, meine Gedanken und Geschichten für mich zu behalten, grösser, als die Freude daran, sie niederzuschreiben.

Ich mochte den zeitverzögerten Austausch mit euch. Ich schrieb gerne für euch. Ich war aber auch immer wieder erstaunt, wie wütend einige Kommentar-Schreibende sind. Das Thema des Textes oder meine Theorie zu einem Thema waren für einige völlig egal, sie polterten lauthals dagegen. Es erstaunt mich zugegeben immer, also, bei allen Onlinezeitungen, wie hasserfüllt die Kommentarspalte ist. Diese hier ist gegen andere Medien teils richtig unterhaltsam. Aber dennoch gab es mir manchmal zu denken, wenn ich sah, wie viel Wut da rausgeballert wurde. Wie viel Frust muss man in sich tragen, wenn man wegen eines Textes, mit dem man rein gar nichts zu tun hat, und einer Person, die man null kennt, so heftig reagiert, im Versteck des Pseudonyms notabene, aber dennoch, wie wütend muss unsere Gesellschaft sein?

Aber, liebe Community, das ist nicht der Hauptgrund, warum ich aufhöre. Der Hauptgrund, ich habe es das letzte Mal schon kurz erwähnt, ist, ich habe jemanden kennengelernt. Und davon erzähle ich das nächste Mal.

Zum ersten und letzten Mal.

So long,

Ben

Big Ben Avatar Bild
bild: watson
Big Ben ist ...
... Mitte 30 und lebt in einer WG. Sein Job ist in den Top 10 der Berufe, die Frauen sexy finden – je nach Umfrage. Er spielt Fussball, macht aber so gut wie nie ein Goal (weil Goalie), er hat viele Schwestern, sehr viele, und wurde logischerweise total verwöhnt, aber auch (viel zu früh) aufgeklärt. Er hasst Verkleidungspartys, aber wenn er müsste, würde er sich als Gandalf verkleiden. Ben ist Single und hat kein Interesse daran, dies zu ändern.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
watson geht Wursten!
1 / 27
watson geht Wursten!
Wursten? Das kann watson mit Links! Los geht's!
quelle: watson/emily / watson/emily
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Die EU verbietet die Vegi-«Wurst»
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach Penis-Gel-Auftritt: Diese «Höhle der Löwen»-Produkte gingen viral
Bei der TV-Sendung «Höhle der Löwen» sorgte schon mancher Pitch für Schlagzeilen. Nun reiht sich ein Intim-Gel für Männer in die lange Liste von Skurrilitäten ein.
Mit Krönchen und einer ungewöhnlichen Mission sorgte Markus Flagner kürzlich bei «Die Höhle der Löwen» für Aufruhr. Als selbst ernannter «Prinz Penis» stellte er ein Intim-Gel für Männer vor. Seine Kampfansage gegen üble Penis-Gerüche sorgte im Studio für reichlich Lacher.
Zur Story