Liebe Sexting-Grüsse aus meiner Inbox
Etwas vom Besten an dieser Kolumne ist die Inbox, die zu dieser gehört. Was ich quasi backstage erhalte, ist Gold. Und Shit. Und alles dazwischen.
Ich logge mich selten ein. Zum einen, weil ich pausenlos das Login vergesse oder etwas kaputt ist oder was weiss ich. IT und ich, das war noch nie eine Lovestory.
Wenn ich mich aber mal wieder durch eure Mails lese, dann ist das ein Ritual. So wie letztes Wochenende. Es ist Freitagnacht, kurz nach Mitternacht, als ich nach einem wirklich krass schlechten Date nach Hause komme.
Jetzt brauche ich Wein und Mails. Und meine Freundin Bonnie.
Bonnie Tyler «Holding out for a Hero»
Ich mache es mir gemütlich auf meiner neuen Couch. Rosa ist sie. Gehe schliesslich davon aus, dass ich die nächsten 20 Jahre solo wohne.
Ich klappe den Laptop auf. 58 neue Mails.
Hej Emma
Hätte auch Bock auf kilometerlange Chatverläufe … so richtig geile, mit ein wenig Spice. Welche, bei denen ich teilweise nur mit einer Hand schreiben kann. Gilt die Devise noch immer, dass du niemanden aus der Community triffst (wobei, ich gehöre streng genommen gar nicht dazu ;)?
Auf Tinder werden wir uns kaum matchen, ausser dein Radius ist auf 50 km eingestellt :)
Schönes Weekend (vielleicht ja mittlerweile wieder mit ganz viel Sex).
Nun, liebe Kommentarspalte, sagt ihr es ihm oder soll ich?
Und weiter:
Hi Emma
Samstag auf dem Lindenhof? Soll schön sein da. Und die Bündner sind zu Gast.
Keine Sorge, ich bin klassischer Zürcher. Mittlerweile sind wenige meiner schwarzen Haare grau.
Machs gut.
Das geht nicht. Sandro ist schon kein klassischer Zürcher. Bin noch nicht weit genug für einen weiteren kein klassischer Zürcher. Das ist logischerweise eine absolut schlechte Ausrede.
Fan bin ich von einem Beziehungstherapeuten-Paar, das mir eine Medienmitteilung schickt, in der die beiden folgende Dienste anpreisen:
«Sex over Dinner»: Wir besuchen Paare zu Hause und kochen und essen mit ihnen.
«Fucking Confident»: Wir trainieren sexuelle Selbstsicherheit, unter anderem in der Sauna.
«Schmetterlinge 2.0»: Wir geben Anstösse für Nähe und Lebendigkeit in langjährigen Beziehungen.
Ich überlege kurz, ob die Beziehungstherapeuten Sandro und mich hätten retten können.
Sandro.
Ich vermisse den Idioten.
Ich vermisse ihn gar nicht.
Ich vermisse ihn schon.
Nein nein, ICH EMMA AMOUR VERMISSE SSMSS SICHER NICHT.
Okay. Da sind einige Mails von einem einzigen Absender. Ich kenne ihn nicht persönlich. Und doch fühle ich mich ihm nah. Ja, Kommentarspalte, ich hab quasi ein Lieblingskind unter euch. Oder einen LU, Lieblings-User.
(Snowy ist es nicht.)
LU schreibt:
«Ich werde mich wieder aktiver in der Kommentarspalte melden. Ich mochte dich anfangs übrigens nicht. Ich fand das alles relativ belanglos. Dann kam der Hate und weil ich das nicht mag, habe ich mich solidarisiert. Und entdeckt, dass da ein sehr lustiger und geistreicher Mensch ist. Soll keine Liebeserklärung sein.»
Ist die beste Liebeserklärung hier drin.
Ok, die Zweitbeste.
Die Beste hat LU in einen KI-Song gesteckt, den er für mich produziert hat:
«Ich habe eine KI entdeckt, die Lieder macht. Also … ich will gar nicht so tun, als hätte ich mir besonders Mühe gegeben.»
Und dann kurze Zeit später:
«Ich verstehe irgendwie, wenn du eine einstweilige Verfügung gegen mich erwirken willst.»
Das will ich nicht.
Viel mehr frage ich mich, ob ich den Kandidaten heiraten soll. Oder einfach mal treffen? Soll ich? Kommentarspalte, sag: SOLL ICH? Oder soll ich lieber den «Fucking Confident»-Kurs der Beziehungstherapeuten besuchen?
Liebe Grüsse,
emma.amour@watson.ch
;-)
Menschen, die etwas Spass in den tristen Büroalltag bringen
«Ich chille lieber Zuhause, anstatt rauszugehen»
*Joke, Leute!
