E-Auto ohne eigene Ladestation? Das kann teurer werden als Benzin
Gleich eines vorweg: Den Alltag mit einem E-Auto ohne private Lademöglichkeit bestreiten, ist anspruchsvoll. Wer ein Elektroauto besitzt, lädt es am bequemsten zu Hause oder am Arbeitsplatz. Doch gerade für Menschen in Mietwohnungen ist das nicht immer möglich. Bleibt also die Frage: Kann man auch ausschliesslich mit öffentlichen Ladestationen problemlos elektrisch unterwegs sein?
Öffentlich laden kann ins Geld gehen - Abos lohnen sich
Um das herauszufinden, wurde ein elektrischer Mittelklasse-SUV während fünf Monaten ausschliesslich an öffentlichen Ladestationen geladen. Dabei legte das Fahrzeug insgesamt 15'567 Kilometer in der Schweiz, Italien und Frankreich zurück. Dafür waren 102 Ladevorgänge nötig, mit einer gesamten Ladezeit von knapp 135 Stunden.
Interessant ist der Blick auf die Kosten. Im Test lag der durchschnittliche Strompreis bei 74 Rappen pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Zu Hause kostet eine Kilowattstunde Strom im Schweizer Durchschnitt rund 29 Rappen. Und das summiert sich. Wer sein Elektroauto hauptsächlich an öffentlichen Ladestationen lädt, bezahlt im untersuchten Szenario rund 15.80 Franken pro 100 Kilometer. Bei überwiegend privatem Laden sind es dagegen nur 7.91 Franken. Ein vergleichbarer Benziner kommt auf durchschnittlich 10.32 Franken pro 100 Kilometer.
Aber mit dem passenden Ladeabo kann einiges eingespart werden. Anbieter wie Electra, IONITY oder Tesla bieten Abonnemente an, mit denen sich der Preis pro Kilowattstunde reduzieren lässt. Auch bei Migros und Coop gibt es öffentliche Ladestationen, die sich beispielsweise während des Einkaufs nutzen lassen. Ein Vergleich der Tarife lohnt sich auf jeden Fall. Je nach Anbieter und Ladestation können die Preisunterschiede beträchtlich sein.
Was tun, während des Ladens
Neben den Kosten spielt vor allem die Zeit eine wichtige Rolle. Im Test dauerte ein Schnellladevorgang durchschnittlich 33 Minuten. Das lässt sich manchmal gut mit einer Kaffeepause oder einem Einkauf verbinden, aber eben nicht immer. Und nicht immer ist es eine Schnellladestation.
Wer keine eigene Wallbox hat, muss deshalb etwas vorausplanen und seine Ladepausen in den Alltag integrieren, wie etwa beim Einkaufen. Hilfreich ist dabei ein Elektroauto mit genügend Reichweite. Idealerweise reicht eine Batterieladung für zwei bis drei Tage, ohne dass man zwischendurch eine Ladestation ansteuern muss. Auch eine hohe Ladegeschwindigkeit ist von Vorteil, damit der nächste Ladestopp möglichst kurz ausfällt.
Machbar, aber nicht ideal
Ein Elektroauto ohne eigene Wallbox zu fahren, ist also durchaus möglich. Allerdings sollte man den zusätzlichen Zeitaufwand und die höheren Stromkosten nicht unterschätzen. Entscheidend sind letztlich die persönlichen Fahrgewohnheiten, die verfügbare Ladeinfrastruktur und die Reichweite des Fahrzeugs. Eine eigene Wallbox macht das Leben mit einem Elektroauto aber definitiv einfacher und günstiger.
