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Per Autostopp um die Welt

Wieso ich in Mexiko (vielleicht) einen kanadischen Schmetterling auf dem Kopf hatte

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Als Kind bin ich mit meinem Opi und seinem Feldstecher im Glarnerland manchmal auf die Suche gegangen nach Vögeln, Gemsen und Murmeli. Seine Faszination für die Tierwelt hat sich aber nicht nachhaltig auf mich übertragen. Heute würde es mir in der Schweiz nie in den Sinn kommen, durch Wälder zu schleichen, um Wildtiere zu sehen.

Auf Reisen ist das anders. In fremden Ländern beschäftige ich mich auch mit Dingen, für die ich zu Hause wenig übrig habe. Zum Beispiel mit Schmetterlingen. Meine Freundin Lea und ich haben diese Woche gar einen 150 Kilometer langen Umweg gemacht, um in den mexikanischen Bergen Schmetterlinge zu bestaunen.

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Ein Monarchfalter alleine ist mit seinen orange-schwarz-weissen Flügeln schon ein schöner Anblick. bild: thomas schlittler

Alter Falter, werden einige jetzt sagen, 150 Kilometer für ein paar Schmetterlinge? Jetzt sind sie verrückt geworden! Ich halte dagegen: Verrückt wäre es gewesen, wenn wir die Reise zu den Monarchfaltern nicht gemacht hätten. Denn was wir in der mexikanischen Sierra Nevada, in Wäldern auf rund 3000 Metern über Meer, angetroffen haben, war etwas vom Beeindruckendsten, was ich in meinem Leben bisher gesehen habe.

Pure Magie – die Monarchenfalter in Mexiko

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Video: watson.ch

Hier versammeln sich zwischen Ende Oktober und Anfang März Jahr für Jahr mehrere Millionen Monarchfalter auf einer Fläche von wenigen Fussballfeldern. Die Schmetterlinge suchen sich im Wald windgeschützte Stellen, rücken dicht zusammen und verpassen den Tannen ein orange-schwarz-weisses Kleid. Die Baumstämme und die grünen Tannennadeln sind oft nicht mehr zu erkennen. Und wenn ein Windstoss kommt oder Sonnenstrahlen durch die Bäume dringen, dann flattern tausende Falter gleichzeitig zwischen den Bäumen umher.

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Baumstämme sind teilweise vollständig mit Schmetterlingen bedeckt. bild: thomas schlittler

Lea und ich blicken rund zwei Stunden gegen den Himmel und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist pure Magie. Die Tatsache, dass diese Schmetterlinge aus ganz Nordamerika angereist sind, macht das Ganze noch magischer. Diese kleinen Tiere, deren Flügel eine Spannweite von nur etwa 10 Zentimetern haben, sind hunderte oder gar tausende Kilometer weit geflogen, um hier zu überwintern.

Schmetterlinge in Mexiko – etwas vom Beeindruckendsten, was ich in meinem Leben bisher gesehen habe.

Ich finde den Gedanken unglaublich, dass der kleine Falter, der es sich auf meinem Kopf gemütlich macht, vielleicht wie ich vom Süden Kanadas bis hierher, ins Herz Mexikos, gereist ist. Mit dem Unterschied, dass er die mehr als 4000 Kilometer lange Strecke ohne fremde Hilfe geschafft hat und nur acht bis zehn Wochen brauchte. Ich dagegen war mehr als drei Monate unterwegs.

Im Gegensatz zu mir hatte der kleine Weltenbummler auch keine Landkarte zur Verfügung, mit der er sich hätte orientieren können. Wieso er den Weg trotzdem fand, ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass sich die Monarchfalter bei ihrer Wanderung am Sonnenstand und mit Hilfe des Erdmagnetfelds orientieren.

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Bäume, über und über voll mit Monarchenfaltern.

Zudem müssen die Informationen irgendwie in ihren Genen verankert sein. Denn die Falter, die im Oktober in der Sierra Nevada eintreffen, erblickten im Süden Kanadas oder in den USA das Licht der Welt und waren noch nie zuvor in Mexiko. Sie sind die Urenkel jener Falter, die im Jahr zuvor die Sierra Nevada Richtung Norden verlassen hatten.

Die Welt bietet unglaubliche Dinge. Warum bloss sind wir in der Ferne neugieriger und lassen uns mehr auf Neues, Ungewohntes ein als zu Hause?

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • lilie 21.01.2017 18:47
    Highlight Highlight Einfach wieder ein super Bericht!

    Und ist doch klar, dass man im Ausland möglichst alle Sehenswürdigkeiten sehen will - wer weiss, ob man mal je wieder dazukommt. Zuhause laufen die Dinge nicht weg - und man hat vielleicht auch Wichtigeres zu tun.
    • Thomas Schlittler 25.01.2017 05:56
      Highlight Highlight Vielen Dank für das Kompliment! Klar ist zu Hause alles etwas anders. Aber ich habe mir trotzdem vorgenommen, mich auch in der Schweiz vermehrt auf Neues einzulassen. LG
  • Luca Brasi 21.01.2017 10:54
    Highlight Highlight Man wird bei diesem Blog immer aufs Neue überrascht. Einfach nur danke für die Impressionen und das Video. Wunderschönes Naturschauspiel. :)

    • Thomas Schlittler 25.01.2017 05:56
      Highlight Highlight Merci! :-D
  • Calvin Whatison 21.01.2017 08:34
    Highlight Highlight Flaterhafte Falter- Schönheiten der Natur 😀. Magie trieft es wirklich treffend. Danke für einen weiteren tollen Reisebericht.👍🏻👍🏻 😀
    • Calvin Whatison 21.01.2017 09:59
      Highlight Highlight ähm *trifft 😂
    • Thomas Bollinger (1) 21.01.2017 17:19
      Highlight Highlight ähm *Flatterhafte 😂
    • Calvin Whatison 21.01.2017 19:21
      Highlight Highlight 😂😂😂👏🏻 es war definitiv zu früh, zum erfassen von Kommentaren. 😂👍🏻
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