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Die Autorin und ihre Mutter (1982). Bestes Pischi ever.
Die Autorin und ihre Mutter (1982). Bestes Pischi ever.
Bild: thomas meyer
Yonnihof

Mama, I love you!

Am Sonntag ist Muttertag: eine Ode.
08.05.2015, 14:2408.05.2015, 14:35

Man verbringt als junge Frau oft einen Grossteil seiner Zeit damit, alles zu werden – bloss nicht wie die eigene Mutter. Nicht so streng, nicht so ernsthaft – und bloss nie ABBA hören. 

Selten versetzt einen ein einzelner Satz so ins Zittern, wie wenn man als Teenager zu spät nach Hause kommt und hofft, dass alles schon schläft, einem dann aber ein «Weisst du eigentlich, wie spät es ist?!» entgegenfliegt, kaum hat man einen Fuss zur Tür herein gesetzt.

Ebenfalls unter den Top 3 der Angstmacher: wenn die Mutter den gesamten Namen des Kindes ausspricht. Inklusive zweitem Vornamen. «Yonni Nelida Meyer!» Nicht schön. Gar nicht schön!

Da wusste man jeweils, dass man wohl weder Freunde noch den Fernseher in naher Zukunft wiedersehen würde. Und dann diese peinlichen Auftritte vor den Teenager-Freunden: Küsse beim Tschüss-Sagen? Rosa Cupcakes zum 16. Geburtstag (wo doch alles schwarz und elend und die Welt sowieso einfach komplette Vollscheisse ist)?

Man schwört sich 1000fach: Wenn ich einmal Kinder habe, dann lasse ich die einfach machen. Wenn sie Tokio Hotel hören wollen, sollen sie das. Wenn pinke Latzhosen mit Netzstrümpfen drunter Mode sind, dann sollen sie auch die tragen dürfen. Und ich werde mich nie – NIE! – in ihre Angelegenheiten einmischen.

Tja. Und dann wird man erwachsen (zumindest teilweise). Es wächst einem wieder so etwas wie ein Gehirn, das sich während der Pubertät zurückgebildet hatte, und man beginnt zu verstehen, dass die eigene Perspektive während jener Zeit eventuell nicht die objektivste war – und dass die Mutter vielleicht mit dem einen oder dem anderen beinahe Recht hatte. Es braucht dann noch einige Jahre mehr, damit man zu verstehen lernt, dass sie sogar sehr Recht hatte und nochmal ein paar Jahre, um das auch zugeben zu können.

Und irgendwann, ob man nun schon eigene Kinder hat oder nicht, kann man die Sorge und die Ängste nachvollziehen, die eine Mutter ausstehen muss, wenn das Kind nicht nach Hause kommt, wenn es sich mit düsteren Gestalten abgibt und Musik hört, die einem schlicht die Ohren zum Bluten bringt.

Man bekommt einen Begriff von der bedingungslosen Liebe, die sie dazu treibt, rosa Cupcakes zu backen und Küsschen zu verteilen, völlig unabhängig vom Kontext. Und man sieht, wie weh es ihr tut, wenn sie damit und mit so viel anderem auf Ablehnung bei ihrem Sprössling stösst.

Und dann soll sie den Rotzlöffel auch noch erziehen, ihm/ihr ein Vorbild sein und ihn/sie ernst nehmen, obwohl er/sie rumläuft wie ein diamantenbesetzter Zuhälter/eine pink-glitzrige Goth-Prostituierte.

Liebe Mütter,
ihr Multitalente, Schwerstarbeiterinnen, Krankenschwestern, Psychotherapeutinnen, Sklaventreiberinnen (wider Willen), Lehrerinnen, Taxifahrerinnen, Dominas, Köchinnen, Putzfrauen, Bademeisterinnen, Leistungssportlerinnen – ihr Superheldinnen.

Ich verneige mich vor euch, eurem Nervenkostüm und euren Bemühungen, euren Kindern beizubringen, dass die Welt ein sicherer Ort ist. Sie mögen es heute noch nicht begreifen, aber später, und ich rede aus eigener Erfahrung, werden sie auch ihren eigenen Kindern Cupcakes backen wollen. Und dabei ABBA hören. 

Yonni Meyer
Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen –direkt und scharfzüngig. Tausende lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 

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