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Das Tesla Model S.
Bild: EPA/TESLA

Aufgepasst, Tesla! Die Deutschen haben gerade den Super-Akku präsentiert, der die Reichweite von Elektro-Autos verdoppelt

Ist das der Durchbruch? Die neue, nicht brennbare Autobatterie von Bosch verdoppelt die Reichweite von Elektroautos. Tesla, Swatch und Toyota verfolgen derweil ihre eigenen Pläne.
19.09.2015, 13:5605.02.2016, 14:23
«Mobilität braucht eine Revolution. Wenn Chinesen und Inder auch Auto fahren wollen wie Europäer und Amerikaner, kommen wir darum nicht herum.»
Nick Hayek, CEO Swatch
«Schweiz am sonntag»

Dass wir Alternativen zu Benzin- und Dieselfressern brauchen, ist unbestritten. Seit Jahren reden Politiker und Autoindustrie den Boom der E-Autos herbei. Die Realität auf den Strassen sieht ganz anders aus: Autofahrer lassen Elektroautos wegen zu hoher Kosten, kurzer Reichweiten und langer Ladezeiten links liegen. Der Anteil von Elektroautos liege noch immer bei «weit weniger als einem Prozent der gesamten verkauften Fahrzeuge», sagt Tesla-Chef Elon Musk.

Der mit 290'000 Mitarbeitern weltweit grösste Autozulieferer Bosch aus Deutschland glaubt trotzdem an das E-Auto – aus gutem Grund.

Bosch stellte diese Woche auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt eine neue Batterietechnologie vor, welche die Reichweite von Elektroautos verdoppelt und gleichzeitig die Kosten senkt. «Elektrofahrzeuge wie der BMW i3 oder der Nissan Leaf, die heute mit einer Batterieladung im Schnitt etwa 150 Kilometer Reichweite schaffen, sollen dann mehr als 300 Kilometer weit fahren», schreibt das deutsche Technologie-Portal Golem.

Ein Batteriepack im VW E-up wiegt 230 Kilogramm. Mit den neuen Bosch-Akkus wären es nur noch rund 115 Kilo, die zudem nur ein Viertel des Platzbedarfs in Anspruch nehmen.<br data-editable="remove">
Ein Batteriepack im VW E-up wiegt 230 Kilogramm. Mit den neuen Bosch-Akkus wären es nur noch rund 115 Kilo, die zudem nur ein Viertel des Platzbedarfs in Anspruch nehmen.
Bild: EPA/DPA

Entwickelt wurde die neue Autobatterie vom 2007 gegründeten US-Startup Seeo, das vom Physiker Hal Zarem geleitet wird. Seeo hat eine funktionsfähige Festkörperzelle für Lithium-Autobatterien entwickelt und mit mehreren Patenten abgesichert. Kapital erhielt das Tech-Startup von bekannten Investoren wie Samsung und Google, die ihrerseits ein grosses Interesse an besseren Batterien haben – Google arbeitet bekanntlich an selbstfahrenden Autos, wie auch Apple.

Bei Bosch glaubt man an den Durchbruch und hat das nur 35 Mitarbeiter zählende Jungunternehmen aus dem Silicon Valley zu einem nicht näher genannten Preis übernommen. «Bosch setzt sein Wissen und hohe Finanzmittel ein, um den Durchbruch der Elektromobilität zu schaffen», sagte Vorstandschef Volkmar Denner in Frankfurt. Die Deutschen waren seit Jahren auf der Suche nach Forschern, die bei der Entwicklung von Autobatterien den entscheidenden Durchbruch erzielen. 

Muster einer Festkörperzelle: Bosch glaubt, dass dieser Akku die Automobilindustrie revolutioniert.<br data-editable="remove">
Muster einer Festkörperzelle: Bosch glaubt, dass dieser Akku die Automobilindustrie revolutioniert.
bild: bosch

Die Vorteile der neuen Autobatterie

  • Doppelter Energiegehalt und somit doppelte Reichweite
  • Die Festkörperzelle kann nicht brennen (und ist damit sicherer als bisherige Batterien)
  • 75 Prozent kleiner und somit leichter
  • Die Haltbarkeit ist mindestens so gut wie bei heutigen Batterien
  • Sie kann in bestehenden Batteriefabriken produziert werden

Bosch will die neuartige Festkörperzelle in den nächsten fünf Jahren testen, um ihre Dauerhaftigkeit im Alltag abzusichern und dann die Massenproduktion aufbauen. Laut Bosch sollen im Jahr 2025 weltweit rund 15 Prozent aller Neuwagen elektrisch fahren, in Europa gar ein Drittel.

Martin Winter, Professor an der deutschen Universität Münster, hält das Unternehmen Seeo und deren Elektrolyt-Technik «für sehr spannend», schreibt Golem. «Aber erfahrungsgemäss sind die letzten fünf Prozent der Batteriezellentwicklung die schwierigsten.»

Weltweit gibt es mehrere Forschergruppen in den USA, Frankreich, China oder auch in der Schweiz, die an neuen Autobatterien arbeiten. Nebst Seeo hat aber wohl noch niemand eine in Autos funktionierende Festkörperzelle vorzuweisen.

Das Problem: In der Automobilindustrie sind die Anforderungen an Haltbarkeit und Sicherheit von Batterien besonders hoch. Diese müssen bei minus 30 Grad genauso funktionieren wie bei plus 40 Grad. Zudem dürfen teure Autobatterien, anders als Handy-Akkus, auch nach 1000 Ladezyklen noch nicht schlappmachen.

Ende 2013 fingen innert weniger Wochen drei Tesla feuer

Ein ausgebrannter Tesla S: Dringt Metall in die Batterie ein, wird es gefährlich. <a href="http://www.zeit.de/mobilitaet/2013-11/elektroauto-brand-tesla" target="_blank">Insgesamt sind E-Autos aber nicht gefährlicher als Benzin-Autos.</a><br data-editable="remove">
Ein ausgebrannter Tesla S: Dringt Metall in die Batterie ein, wird es gefährlich. Insgesamt sind E-Autos aber nicht gefährlicher als Benzin-Autos.
Bild: AP Tennessee Highway Patrol

Der amerikanische Elektroauto-Pionier Tesla kommt mit seinen neusten Modellen bereits auf rund 500 Kilometer Reichweite. Tesla bewegt sich aber auch preislich in anderen Sphären als die E-Autos von VW, BMW, Nissan und Co. Aktuell geht bei Tesla unter 70'000 Franken nichts. Immerhin ist für den Massenmarkt das erschwinglichere Model 3 für rund 35'000 Dollar geplant.

Die US-Firma will mit dem Bau einer grossen Akku-Fabrik die Produktionskosten weiter senken. Darum lässt Tausendsassa Elon Musk die Gigafactory in der Wüste von Nevada bauen.

Teslas Gigafabrik für elektrische Autobatterien in Reno, Nevada.<br data-editable="remove">
Teslas Gigafabrik für elektrische Autobatterien in Reno, Nevada.
bild: greencarreports

Tesla stellt mit Hilfe seines deutschen Partners Lichtblick nicht nur Batterien für Autos her, sondern neuerdings auch Mega-Batterien für Gebäude. Private und Firmen können so die auf dem Dach gesammelte Solarenergie speichern und Überschüsse verkaufen. 

«Tesla bietet dieselbe Kapazität wie herkömmliche Batterien für einen Drittel des Preises an», sagte ETH-Professor Anton Gunzinger bei der Vorstellung der rund 3000 Franken teuren Mega-Batterie im Mai.

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Tesla enthüllt Super-Batterie
quelle: x03007 / patrick t. fallon
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Tesla gibt Gas in der Schweiz

In der Schweiz verkaufte Tesla 2014 nur knapp 500 Autos. In diesem Jahr hat man diese Stückzahl schon jetzt weit übertroffen: Tesla hat sein Modell S von Januar bis August 992 Mal verkauft, zu Stückpreisen um die 100'000 Franken. Weltweit will Tesla bis 2020 eine halbe Million Autos pro Jahr auf die Strasse bringen – momentan ist man noch meilenweit davon entfernt. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, braucht es auch ein ausgebautes Netz an Ladestationen.

Bislang gibt es hierzulande neun über das Land verteilte Schnellladestationen, weitere sind geplant. Das Ziel des Autobauers aus dem Silicon Valley ist, dass der Abstand zwischen den einzelnen Ladestationen nie mehr als 160 Kilometer beträgt.

Interessant für den Kunden: Ein Tesla ist zwar teuer, dafür sind die Kosten für die Tankladungen am «Supercharger» im Verkaufspreis inbegriffen – lebenslang.

Das neue Ladegerät für den Tesla Model S ist ein bisschen ... gruselig

Erst ein Prototyp, aber so stellt sich Tesla künftig das Tanken Aufladen vor.
YouTube/Tesla Motors

Swatch bringt 2016 eine Autobatterie

Auch der Schweizer Uhrenhersteller Swatch will das Zukunftsgeschäft mit leistungsstarken Autobatterien nicht verpassen: «Unsere Batterie ist heute schon – als Prototyp – mindestens zwischen 10 und 20 Prozent besser als alles, was auf dem Markt ist», sagte Swatch-Chef Nick Hayek vor Wochenfrist im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Und weiter: «2016 wird es mit einer ersten Serie losgehen. Das Swatch-Group-Tochterunternehmen Renata wird die Produktion an ihrem Hauptsitz in Itingen BL übernehmen.»

Die Erfahrung als Hersteller von Uhren-Batterien gebe Swatch auch einen Vorteil bei ­leistungsfähigen Autobatterien, gibt sich Hayek überzeugt. Mit Belenos hat der Uhrenkonzern seit 2007 eine Tochterfirma, die sich mit der Erforschung umweltfreundlicher Technologien im Mobilitätsbereich beschäftigt.

Toyota und Coop setzen auf Wasserstoff-Brennstoffzellen

Die Zukunft des Autos ist zwar elektrisch, sie muss indes nicht zwingend den Autobatterien von Bosch, Tesla oder Swatch gehören. Toyota etwa setzt weiter auf die Brennstoffzelle. Dabei soll Wasserstoff aus überschüssigem Sonnen- und Windstrom erzeugt werden, der in einer Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt wird und so den Elektromotor mit Energie versorgt.

Der Umweg über Wasserstoff hat den Vorteil, dass in der Zelle eine höhere Energiedichte erreicht wird, was eine Reichweite von 500 bis 600 Kilometern realistisch macht. Weiterer Pluspunkt: Das Tanken eines Autos mit Wasserstoff-Brennstoffzellen dauert lediglich zwei bis vier Minuten.

In der Schweiz will Coop seine Lastwagenflotte mit Brennstoffzellen betreiben. Der notwendige Wasserstoff, der mit Strom aus einem Wasserkraftwerk produziert wird, liefert der Energiekonzern Axpo. Vorerst planen die beiden Partner eine erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in Glattfelden ZH. Das Angebot für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge soll danach entsprechend der Nachfrage auf weitere Tankstellen ausgeweitet werden. 

Kannst du dir vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen?

Update: Ursprünglich stand in diesem Artikel, dass Tesla in der Schweiz dieses Jahr geschätzt 500 Autos verkaufen werde. Richtig ist, dass Tesla 2014 hierzulande knapp 500 Modelle verkaufen konnte. Zudem sind aktuell neun Schnellladestation in Betrieb, nicht nur eine, wie ursprünglich geschrieben. Eine Übersicht über die Standorte gibt diese Karte.

Wie Elon Musk mit Tesla durchstartete

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Wie Elon Musk mit Tesla durchstartete
quelle: getty images north america / joe raedle
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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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WyclefJean
19.09.2015 14:45registriert Mai 2015
Aber wird der Strom denn auch umweltfreundlich emissionsfrei produziert?
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Der Bundesrat verfügt demnächst über ein Konto auf dem Social-Media-Netzwerk Instagram. Der Start des Pilotprojekts ist für Oktober geplant. Schon heute sind 2,5 Millionen Menschen in der Schweiz auf Instagram. Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt der Anteil der Nutzer bei 86 Prozent.

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