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Dyson gibt erstmals Einblick in seinen 600-Millionen-Elektroauto-Fail



Knapp 600 Millionen Franken. Diesen Betrag investierte Dyson in die Entwicklung eines komplett neuen Elektroautos. Die Ambitionen waren gross: Die Zusammenarbeit mit etablierten Autoherstellern lehnte man ab. Man wollte unabhängig sein, etwas von Grund auf selbst entwickeln, ähnlich, wie Tesla es geschafft hatte. Insgesamt war James Dyson, der Chef der Firma, bereit gewesen eine Milliarde in die Entwicklung des Autos zu stecken. Weitere 1,5 Milliarden sollten in die Akkuentwicklung fliessen.

Erfinder und Gruender James Dyson mit dem kabellosen Dyson Cyclone V10 Staubsauger. Weiterer Text ueber ots und www.presseportal.ch/de/nr/100064110. (PPR/obs/Dyson SA)

So kennen wir Dyson eher: als Hersteller für Staubsauger. Bild: PPR

In Singapur wurde bereits eine Fabrik für 200 Millionen mit einem riesigen Testgelände geplant. Dort, und nur dort, hätten die zukünftigen Stromer vom Band laufen sollen – zum Unmut der Briten. Laut Dyson hatte dies aber rein praktische Gründe, da man so die Nähe zum lukrativen asiatischen Markt sicherstellen wollte. Alles schien auf gutem Wege, 2020 sollte das erste Modell in einer limitierten Auflage von 10'000 Stück vom Band laufen. Dann, im Herbst 2019 gab Dyson überraschend bekannt, dass man das gesamte Vorhaben einstellen werde.

In einer Mail an seine Mitarbeiter schrieb das Unternehmen damals, dass man für das Projekt keinen kommerziellen Erfolg erwarte. Bemühungen, einen Käufer zu finden, scheiterten zuvor.

Gesehen hatte den Wagen bisher noch niemand ausserhalb des 500-köpfigen Teams, das in der neu eingerichteten Autoabteilung angestellt war. Zwar gab es im Mai 2019 Leaks von Patentzeichnungen, ansonsten blieb der Wagen aber ein Mysterium. Nun gab Firmenboss Dyson in einem Interview mit der Times erstmals Einblick in das gescheiterte Projekt, inklusive Foto des Prototyps.

Er existiert tatsächlich: So hätte der Dyson-Stromer ausgesehen.

Ein schweres Auto mit grosser Reichweite

Satte 540 Pferdestärken und ein Drehmoment von 650 Newtometer hätte der Dyson-Stromer leisten sollen. Immerhin schaffte es das Auto in 4,8 Sekunden auf 96 Kilometer pro Stunde. Pro Achse hätte Dyson einen 200 kWh starken Motor verbaut.

Bei den Ausmassen wäre der N526, so der Codename, SUV-typisch wuchtig ausgefallen. Knapp fünf Meter lang, zwei Meter breit und 1,70 Meter hoch fallen die Masse auf dem Datenblatt aus. Der Radstand liegt bei 3,30 Meter, das Gewicht bei 2,6 Tonnen.

Dyson Elektroauto Patentzeichnungen

Patentzeichnung des N526. Bild: Dyson

Als Akku wollte man beim ersten Modell noch auf Lithium-Ionen-Technologie setzen. Angeblich hätte das Auto eine Reichweite von fast 1000 Kilometer pro Ladung gehabt. Später wäre man dann auf Feststoffbatterien umgestiegen. Diese Technologie gilt als nächste Generation der Akkus. Dyson hat wegen seiner diversen kabellosen Geräten bereits Erfahrung mit Akkutechnologie.

Entsprechend weit soll man daher in der Grundlagenforschung gewesen sein. Immerhin in diesem Bereich ist für Dyson nicht alles verloren, denn die Batterietechnik kann der Hersteller auch für seine akkubetriebenen Haushaltsgeräte gebrauchen. Nun gehe es noch darum, die Feststoffakkus für den Massenmarkt tauglich zu machen.

Auch zum Preis des Autos äusserte sich der Dyson-Chef erstmals. Bisher hatte es nur immer geheissen, dass die erste Auflage im Premiumsegment angesiedelt sein würde. Wie Dyson nun sagt, hätte man für den Wagen mindestens 180'000 Franken verlangen müssen, um profitabel zu sein.

Dyson-Chef hat Kosten selbst getragen

James Dyson hat betont, dass er die 600 Millionen Franken aus seiner eigenen Tasche bezahlt habe. Dyson gilt mit einem geschätzten Nettovermögen von rund 19 Milliarden Franken als reichster Mann Grossbritanniens. Er führt die Liste erstmals an, nachdem sein Vermögen alleine 2019 um 4,2 Milliarden Franken gewachsen ist.

Weniger erfreulich war das Ende des Projekts wohl für die angestellten. Dyson hatte bei der Auflösung des Projekts aber betont, dass man alle Mitarbeiter möglichst in anderen Abteilungen unterbringen wolle. (pls)

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 28.05.2020 08:14
    Highlight Highlight Wenn Dyson ein Fahrzeug baut, dann hätte ich mehr an etwas mit eingebautem Staubsauger erwartet. 😁

    Benutzer Bild
  • Super8 27.05.2020 11:22
    Highlight Highlight Will ins Elektroautogeschäft einsteigen und macht als erstes einen SUV. Wie kann man nur so blöd sein.
  • timonion 27.05.2020 11:01
    Highlight Highlight Ich hoffe sehr, dass dieses Dyson Auto wie Beispielsweise der Rolls Royce einen Schirm eingebaut hat. Logischerweise natürlich ein kleiner Dyson-Akkusauger mit dem Blätter von der Strasse aufgesaugt werden können.
  • Padcat 27.05.2020 08:53
    Highlight Highlight Naja, wenn man schon in den asiatischen Markt wollte, hätte man vielleicht keinen Panzer machen sollen, in Asien laufen kleinere E-Autos viel besser (Nissan leaf & Co)
    • mutorintemporibus 28.05.2020 09:52
      Highlight Highlight Deshalb pflanzt wohl BMW immer riesigere Kühlergrills auf ihre grenzwertigen SUV, weil diese Art Fahrzeuge im Hauptmarkt Asien niemandem gefallen :>)
  • Fip 27.05.2020 07:11
    Highlight Highlight Dann bleibt es eben staubig auf den Strassen.
  • Ökonometriker 27.05.2020 04:29
    Highlight Highlight Nunja, 600Mio. sind ja auch sehr wenig Geld für so ein Projekt. Tesla hat 40 mal mehr investiert und schreibt immer noch Verluste. Man stampft nicht eben über Nacht einen neuartigen Autohersteller aus dem Boden und schreibt Gewinne... so etwas braucht viel Zeit und massive Investitionen.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 27.05.2020 17:24
      Highlight Highlight So neuartig scheint mir der Prototyp aber nicht zu sein. In den nächsten Jahren werden wir viele ähnliche Autos sehen.
  • Hans Jürg 26.05.2020 22:42
    Highlight Highlight Dyson ist für Brexit eingetreten. Grossbritanien soll ja wieder gross werden und eine starke Industrienation. Und nach dem Ja zu Brexit hat er dann den Firmensitz nach Singapur verlegt. Dort zahlt er (fast) keine Steuern. Und in GB gar keine mehr. Ein echter Patriot.
  • trou 26.05.2020 22:18
    Highlight Highlight Weshalb wurde das ganze nun so spät abgebrochen?
  • icewolf 26.05.2020 21:58
    Highlight Highlight Für die Design-Entwicklung blieb anscheinend von den 600 Millionen nichts mehr übrig...
  • mutorintemporibus 26.05.2020 20:57
    Highlight Highlight Gerade wegen solcher Stories bewundere ich immer wieder von neuem Tesla - und ja auch den Egozentriker Musk - das die es geschafft haben, ein in jeder Beziehung alltagtaugliche und erst noch jeden erdenklichen Fahrspass vermittelndes Elektrofahrzeug tatsächlich und erfolgreich auf den Markt zu bringen!
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 27.05.2020 11:46
      Highlight Highlight und nach jahren und milliarden, nun sogar schwarze zahlen macht?
  • maylander 26.05.2020 20:46
    Highlight Highlight Die Kunden kaufen jetzt einfach einen Evoque. Sieht ja ähnlich aus und wird es auch mit Elektroantrieb geben. So eine grosse schwere Kiste ist ja nicht gerade Innovativ, da hätte ich von Dyson schon etwas anderes erwartet.
  • Quacksalber 26.05.2020 19:45
    Highlight Highlight Ein Monster mit der Optik fliehende Stirn. Das hätte sicher Käufer gefunden.
  • soulpower 26.05.2020 19:34
    Highlight Highlight Schade um seinen Innovationsenthusiasmus. Auf der andern Seite könnte man sagen: "Schuster bleib bei deinen Leisten". Da hätte eventuell ein joint-venture mit einem bestehenden Autohersteller doch eine Lösung sein können.
    • supremewash 27.05.2020 00:08
      Highlight Highlight Man kann es auch einfach als 600 M. Investition in die Weiterentwicklung der Akkutechnoligie sehen.
  • Neruda 26.05.2020 19:06
    Highlight Highlight Wie kann man den Bürgerlichen noch ernsthaft das Geschwafel von Reichtum hat mit Leistung zu tun abkaufen, wenn jemand in einem Jahr 4,2 Mia Franken verdienen kann? Durch ehrliche Arbeit ist dies einfach nicht möglich. Das sollte dem dümmsten Blick-Leser mittlerweile klar sein.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 26.05.2020 20:12
      Highlight Highlight Wie kommst du dazu Blick Leser generell als Dumm zu bezeichnen?
    • Lustiger Baum 26.05.2020 20:47
      Highlight Highlight Der durchschnittliche Leser kann nicht einmal Umsatz von Gewinn unterscheiden. Daher träumt er oder sie dann auch vom reich werden. Dabei wird vergessen das die meisten Millionäre und Milliardäre bereits so reich geboren sind und das Vermögen meist nichts anderes als Erbe ist.
    • K1aerer 26.05.2020 21:19
      Highlight Highlight Hat dieser Chef jemand betrogen und damit Geld verdient? Nein, also warum diese Hetze?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sternentraum 26.05.2020 18:51
    Highlight Highlight Welch ein Glück! Unsere Strassen ertragen keinen weiteren Panzer!
  • Zeit_Genosse 26.05.2020 18:51
    Highlight Highlight Man kann als Hobby ansehen, in den erlauchten Kreis der E-Mobile kommen zu wollen.

    oder


    Man kann es als Spekulation sehen, dass der Unternehmenswert mit einem ambitiösen E-Projekt hätte gesteigert hätte werden sollen (evtl. für eine vergoldeten Exit).

    E-Mobile sind schon cooler als Staubsauger und Ventilatoren. Wie ich schon früher zu diesem Projekt geschrieben habe, das Staubsauger-Image hätten diese E-Boliden gehabt und wären damit unverkäuflich geblieben. Ein Dyson-USP fehlte. Schuster bleib bei deinen Leisten.

    Jeder kann mit seinem Geld machen was er will und verarmen tut er ja nicht.

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