Wie KI die Preise für Big Macs und Lebensmittel verändern könnte
KI-Tools werden bei Fast-Food-Läden und Supermärkten immer häufiger für die Bestimmung der Preise eingesetzt. Erst diese Woche gab es in den USA eine Bundeskartellklage gegen McDonald's, worin behauptet wird, die Fast-Food-Kette stimme mithilfe KI-gestützter Tools ihre Menüpreise ab, schreibt CNBC.
McDonald's bestreitet dies und meint, dass seine Franchisenehmer die Preise individuell festlegen und «KI weder den Preis eines Big Macs noch den eines anderen Menüpunkts festlegt».
KI-Tools weltweit im Einsatz
Trotzdem digitalisieren Lebensmittelunternehmen weltweit zunehmend ihre Abläufe mit KI. Elektronische Regaletiketten, also Preise auf digitalen Bildschirmen, werden in Supermärkten immer beliebter. Laut der meisten Supermärkte werden jedoch keine dynamischen Preise verwendet, sondern die Tools dienten vielmehr dazu, Preise schnell aktualisieren und überprüfen zu können. Zudem werde so der Papierverbrauch reduziert.
Zahlung mit Gesichtserkennung
Erst kürzlich testete die globale Finanzplattform Revolut in ausgewählten Cafés einen kassenlosen Bezahlvorgang mit Gesichtserkennung. Kunden konnten damit bezahlen, indem sie ihr Gesicht an der Kasse scannen liessen. Die Technologie gleicht das Gesicht mit einem bereits vorhandenen Selfie ab, das Revolut-Kunden im Rahmen der üblichen Sicherheitsüberprüfungen hinterlegen. Zusätzliche Informationen werden dabei nicht erhoben.
Mit der zunehmenden Verbreitung von KI im Einzelhandel warnen Experten vor einer möglichen Zunahme dynamischer Preise. Dabei werden Preise häufig und kurzfristig in Echtzeit angepasst. «Dynamische Preisgestaltung bedeutet, Preise an veränderte Marktbedingungen wie Nachfrage, Zeitpunkt, Kapazität oder die Preise der Konkurrenz anzupassen», erklärt Miroslava Marinova, Dozentin für Wirtschaftsrecht an der University of East London, gegenüber CNBC. «Das ist nichts Neues. Fluggesellschaften, Hotels und Fahrdienste nutzen diese Methode seit Jahren.»
Ökonomen von der Bank of England erklärten bereits im April, dass immer ausgefeiltere Technologien zu häufigeren und stärker individualisierten Preisänderungen führen. Dadurch könnten Unternehmen ihre Preise immer näher an den Höchstbetrag heranführen, den ein Kunde für eine Ware oder Dienstleistung zu zahlen bereit sei.
Vermischung von dynamischen und personalisierten Preisen
KI-Tools wie elektronische Preisschilder und Gesichtserkennung an der Kasse verändern laut der Experten auch die Menge an Informationen, die Unternehmen über ihre Kundschaft sammeln können. Dazu gehören etwa Transaktionshistorien, Surfverhalten, Standortdaten und Kaufgewohnheiten. Ein Beispiel dafür sind etwa Einkaufslisten auf Supermarkt-Apps.
Die traditionelle Unterscheidung zwischen dynamischer und personalisierter Preisgestaltung werde so zunehmend unscharf, erklärt Marinova. «Dynamische Preise orientieren sich in erster Linie an den Marktbedingungen, während bei personalisierten Preisen Informationen über den Konsumenten genutzt werden, um dessen Zahlungsbereitschaft einzuschätzen.»
Wenn Unternehmen beide Preismodelle einsetzen, stellt sich die Frage, ob Kundeninformationen dazu verwendet werden, die Preise festzulegen, die Konsumenten angezeigt werden. «Wenn Einzelhändler Marktinformationen mit immer detaillierteren Daten über Konsumenten kombinieren, verschwimmt die Grenze zwischen dynamischer und personalisierter Preisgestaltung zunehmend», ergänzte Marinova.
So sieht es in der Schweiz aus
Hierzulande sind ebenfalls digitale Preisschilder im Einsatz, die Detailhändler sind damit aber noch zurückhaltend. «Die Migros setzt auf stabile Preise. Dynamische Preise, bei denen die Preise mehrfach oder einmalig im Tagesverlauf angepasst werden, sind aktuell nicht Teil der Geschäftspolitik», schreibt die Medienstelle der Migros vergangenes Jahr auf Anfrage des SRF. Bei Aldi Schweiz heisst es, dass die Preise maximal einmal täglich angepasst würden. Dies passiere in der Nacht. Bei Lidl und bei Coop setze man auf fixe Preise.
Ausnahmen gebe es nur bei Produkten, deren Preise am Ende des Tages reduziert werden, um Verschwendung zu verhindern.
(kek)
