Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Dorian aus «Dragon Age: Inquisition»: Mit ihm kann nur eine Romanze eingehen, wer eine männliche Spielfigur steuert.

Für viele noch immer tabu

Homosexualität in Spielen: Sorry Kriegerin, dieser Magier steht auf Männer

Sex gibt es in Videospielen schon lange, gelegentlich auch explizite Szenen. Homosexualität aber hat in der Branche bis heute einen schweren Stand. «Dragon Age: Inquisition» unternimmt einen neuen Versuch. 

Markus Böhm



Ein Artikel von

Spiegel Online

"Dragon Age: Inquisition": Ein Rollenspiel mit einem Schuss Romanik

Spielefans haben derzeit allerlei Gründe, über «Dragon Age: Inquisition» zu diskutieren. Zum Beispiel, dass sich Entwickler Bioware anscheinend Kritik am Vorgänger «Dragon Age II» zu Herzen genommen hat. Das Spiel biete das bislang intensivste «Dragon Age»-Erlebnis, lobt etwa Stefan Weiss von der Zeitschrift «PC Games». Und auch Phil Savage vom US-Magazin «PC Gamer» findet nach etlichen Spielstunden, dass «Inquisition» zu den besten Bioware-Spielen zählt. 

Neben der Qualität des Spiels sorgt aber vor allem ein anderes Thema für lobende wie wütende Foreneinträge, und das seit Monaten: die sexuelle Orientierung einiger «Inquisition»-Charaktere. 

Wie in den beiden Vorgängern hat der Spieler auch im neuesten Serienteil die Chance, Romanzen mit Spielfiguren einzugehen. Ähnliches erlauben auch andere Bioware-Spiele, die Science-Fiction-Reihe «Mass Effect» bietet sogar Sex mit Aliens. Ein Muss sind die Beziehungen nicht, jedem Spieler steht frei, ob er sich auf Liebschaften konzentriert, oder nur auf Wildnis- beziehungsweise Weltraumschlachten. 

Es gibt jetzt einen schwulen Magier 

In «Dragon Age II» waren alle vier der romantisch verfügbaren Charaktere potenziell bisexuell. Bei «Inquisition» hat Bioware nun entschieden, auch Figuren einzubauen, die sich nur für den Spieler interessieren, wenn er das passende Geschlecht gewählt hat. Ein Magier namens Dorian beispielsweise wurde schon im Sommer als erster ausschliesslich schwuler «Dragon Age»-Charakter beworben, weitere Figuren zeigt unsere Bildergalerie

Für Nichtspieler mag der Einbau schwuler und lesbischer Figuren unspektakulär klingen, tatsächlich kommen homosexuelle Charaktere aber nur in wenigen Videospielen vor - und wenn, dann gern als überzeichnete Nebenfiguren oder gar als Bösewichte. Glaubwürdig wirkende Figuren wie Bill aus «The Last of Us» sind über praktisch alle Genres hinweg die Ausnahme. 

Im Frühjahr hatten Zitate des Ubisoft-Schreibers Lucien Soulban Aufsehen erregt, lange vor der aktuellen Gamergate-Debatte, die sich zumindest teilweise um Frauenfiguren in Spielen dreht. Soulban, selbst schwul, war gefragt worden, wann wohl mal ein Blockbuster-Spiel mit schwuler Hauptfigur auf den Markt komme. Seine Antwort: «Nicht in nächster Zeit, vermute ich, wegen der Ängste, dass es die Verkäufe beeinträchtigen könnte.»

«Diversität war schon immer wichtig»

Zumindest bei Bioware, das zu Electronic Arts (EA) gehört, scheinen die Entwickler derartige Bedenken hinter sich gelassen zu haben. Die Romanzen auch zwischen gleichgeschlechtlichen Figuren sind längst ein Spielaspekt, auf den bei Produktpräsentationen explizit hingewiesen wird, ein Marketingvorteil. Schon beim Erstellen des eigenen Charakters haben Spieler viel Freiheit, neben dem Geschlecht lassen sich etwa Dinge wie die Kopfform und das Make-up festlegen. Männliche Spieler können zur vorsichtigen Fernkämpferin werden, weibliche zum muskelbepackten Berserker. 

«Uns war Vielfalt in unseren Spielen schon immer wichtig», sagte «Inquisition»-Produzent Cameron Lee im Interview mit SPIEGEL ONLINE, «sowohl was die Geschlechter als auch die Sexualität betrifft.»

Natürlich liest Lee aber auch Kommentare von Spielern, die sich an homosexuellen Charakteren im Fantasy-Universum stören. Unter Dorian-Videos auf YouTube zum Beispiel fallen Sprüche wie «Das ist schlimmer als Frauenrechte und Rechte für Farbige zusammen» und «Lesben sind okay, aber bitte keine Schwulen». «Das stört uns aber nicht», sagt Lee. Seiner Schätzung nach besteht die «Dragon Age»-Spielerschaft übrigens zu 50 Prozent aus Frauen, ein für Blockbuster-Titel ungewöhnlich hoher Wert. 

Nicht nur Geschenke machen 

Für das Donnerstag erscheinende «Inquisition» haben sich Lee und sein Team vorgenommen, glaubwürdigere Romanzen zu bieten als etwa in «Dragon Age: Origins». Im ersten Serienteil lief das Anbandeln darauf hinaus, bestimmten Personen passende Geschenke zu machen. «Das war ein System, wie es typisch für Videospiele ist», sagt Lee. 

Im neuen Teil sei nun vor allem die Interaktion mit verschiedenen Figuren relevant. Es soll wichtig sein, ob jemand die Aktionen und Entscheidungen des Spielers gutheisst. «Beziehungen bauen sich natürlicher auf, wie in der echten Welt», verspricht der Produzent. 

Wie gut das System wirklich funktioniert, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn die Spielerschaft ihr Urteil über «Inquisition» fällt. Fest steht schon jetzt, dass neben den homosexuellen Figuren auch ein zweites Thema Diskussionen hervorrufen wird: die geskripteten Sex-Szenen, die es auch im neuen Teil gibt. In den bislang erschienenen Spielen muteten diese Clips eher hölzern an als realistisch. «Bioware war lange Zeit der König der peinlichen Videospiel-Sexszenen», schrieb neulich das Onlinemagazin «Kotaku». Explizite Erotik gibt es auch in anderen Titeln wie denen der in Polen entwickelten «The Witcher»-Reihe. Dort allerdings mit einer Videospiel-typischen und reichlich geschmacklosen Mechanik: Für jede weibliche Spielfigur, mit der die Hauptfigur ins Bett steigt, erhielt man im ersten Teil eine Sammelkarte mit Pin-Up-Motiv. 

In Indien kommt das Spiel nicht auf den Markt 

Dass die vermeintlichen Höhepunkte der Spielbeziehungen nicht überall auf Begeisterung stossen, weiss Cameron Lee: «Es gibt technische Limitationen, die solche Szenen beschränken und sie ein bisschen unbeholfen wirken lassen», sagt er, mit dem Zusatz, dass man bei «Inquisition» nun deutliche Fortschritte gemacht habe. Grundsätzlich sei es aber schlicht einfacher, glaubwürdige Actionsequenzen zu animieren, als Momente voller menschlicher Emotion und Intimität. 

Schlagzeilen haben die erotischen Passagen aus «Inquisition» schon am Montag gemacht: Diverse Medien berichteten, Electronic Arts wolle das Spiel unter anderem in Indien gar nicht auf den Markt bringen. Auf seiner Website schreibt der Publisher, er befürchte, das Spiel könne mit Gesetzen zum Schutz vor Obszönitäten kollidieren. Ob das nun wirtschaftlich vernünftige Vorsicht ist oder ein «Sex sells»-Werbegag mit Blick auf andere Märkte, bleibt offen. 

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Loading …

Sony hat die Playstation 5 enthüllt – und zündet ein Game-Feuerwerk

Sony hat die lang erwartete PS5 präsentiert und gleich mehrere potenzielle Game-Kracher für die neue Konsole vorgestellt. Ein erster Überblick.

Sony hat in den letzten Monaten viel und oft über die kommende Playstation 5 gesprochen und – abgesehen vom neuen Controller – wenig gezeigt. Das hat sich am Donnerstagabend endlich geändert. Die Japaner haben im Livestream die kommenden Next-Generation-Games für die PS5 gezeigt und das futuristische Design der neuen Konsole enthüllt.

Die PS5 wird es in zwei Versionen geben: Mit 4K-Blu-ray-Laufwerk und als Digital Edition ohne Laufwerk. Bei der Digital-Version können Games nicht per Disc …

Artikel lesen
Link zum Artikel