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So wird die neue Gratis-App auf der Swisscom-Website angepriesen. screenshot: swisscom.ch

Kommentar zur «My Time»-App

Die neue Swisscom-App ist ein Schuss in den Ofen

Mit der «My Time»-App können sich Nutzer Auszeiten vom Smartphone verschaffen. Das ist überflüssig, denn eine «Bitte nicht stören»-Funktion ist in allen aktuellen Betriebssystemen integriert.

Es ist durchaus sinnvoll, ja aus unternehmerischer Sicht erforderlich, dass die Swisscom mit neuen Apps und Diensten experimentiert. 

Und natürlich hat nicht jede Idee durchschlagenden Erfolg. Google als eines der erfolgreichsten Unternehmen im Silicon Valley macht es vor: Neue Produkte werden als Versuchsballon gestartet und – falls die Monetarisierung nicht gelingt – gnadenlos eingestampft.

Dieses Schicksal könnte auch «My Time» von Swisscom blühen. Die neue Gratis-App ist ab sofort im Google Play Store für Android-Geräte mit Android 4.0 und höher verfügbar und wird laut Ankündigung «im ersten Quartal 2015» auch für das iPhone (iOS) erhältlich sein.

Das Problem: Es hat niemand auf die App gewartet, denn eine der Hauptfunktionen von «My Time» ist mittlerweile standardmässig in die populärsten Smartphone-Systeme Android und iOS integriert: Wer nicht durch Anrufe oder Hinweise gestört werden will, kann dies seit iOS 6 tun, und nun auch bei Android 5.0 (Lollipop), das ausgeliefert wird.

Für Microsofts mobiles Betriebssystem Windows Phone 8.1 ist die «Nicht stören»-Funktion erst auf Englisch verfügbar. Deutschsprachige Nutzer müssen sich gedulden, bis die digitale Assistentin Cortana voraussichtlich im Frühjahr entsprechend aufgerüstet wird. 

Noch kann die Swisscom-App mehr, aber ...

Ob Cortana von Microsoft, Google Now oder Siri von Apple: Die Stossrichtung bei den mobilen Betriebssystemen liegt auf der Hand. Alle Anbieter bauen ihren schlauen digitalen Assistenten aus. 

Die Sprachsteuerung konnte sich bislang nicht durchsetzen, aber das spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Wichtiger ist, dass die Plattform-Betreiber den Funktionsumfang immer mehr erweitern und die System-Software dabei auf viele exklusive Nutzerdaten zugreifen kann. Mit dem Ziel, dem Nutzer oder der Nutzerin das Leben zu erleichtern. Dazu gehört eine einfach funktionierende «Nicht stören»-Funktion, die je nach Standort und Tageszeit automatisch eingestellt wird.

Noch ist das Zukunftsmusik und die «My Time»-App kann deutlich mehr als die standardmässig vorhandenen «Nicht stören»-Funktionen. Auf Anfrage heisst es bei Swisscom: «Wir sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben mehr Auswahlmöglichkeiten zu Verfügung gestellt, sodass Kunden ihre Auszeiten noch besser an verschiedene Lebenssituationen anpassen und leicht aktivieren können.» 

Nebenbei kann die App auch das Nutzerverhalten analysieren. Sie zeigt an, wofür und wie oft das Smartphone für einzelne Dienste wie Social Media, mobiles Internet, Apps oder Telefonie genutzt wird. So soll man einen besseren Überblick über die eigenen Gewohnheiten erhalten, um die Smartphone-Auszeiten besser planen zu können.

Wie viel hat's gekostet?

Ob die Zusatzfunktionen ausreichen, damit viele Smartphone-Besitzer «My Time» herunterladen und nutzen, wird sich zeigen ...

Mein persönlicher Eindruck: Es ist ein Schuss in den Ofen. Wieso soll ich eine zusätzliche App installieren und einrichten, wenn das System eine vergleichbare Funktion ohne Aufwand bietet?

Wie viel die Entwicklung (in Kooperation mit dem Berliner Start-up Offtime) gekostet hat, will die Swisscom nicht verraten. 

Das Positive: Die erfassten Nutzerdaten werden nur lokal und verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert und können nicht von Swisscom oder Dritten gelesen oder verwendet werden. «My Time» kann demnach bedenkenlos ausprobiert werden. Man kann diese Zeit aber auch sinnvoller verbringen. Vielleicht sogar offline ...



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