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Ransomware-Attacke auf Migros-Tochter: Kriminelle drohen mit Daten-Leak

ARCHIVBILD ZUM UMSATZ DER MIGROS IM GESCHAEFTSJAHR 2021, AM DIENSTAG, 18. JANUAR 2022 - Das Migros Logo beim Ladeneingang, fotografiert am Samstag, 17. Februar 2018, am Flughafen Zuerich. (KEYSTONE/Me ...
Ein Unternehmenssprecher sagte auf Anfrage, «die Migros selber» sei nicht betroffen. Hacker hätten sich bei einer Tochtergesellschaft «Zugang zu vornehmlich älteren Daten» beschafft. archivBild: keystone

Ransomware-Attacke auf Migros-Tochter: Hacker drohen mit Leak, Sprecher beschwichtigt

Eine berüchtigte Hackergruppe aus Russland will Migros-Daten erbeutet haben. Das Unternehmen sagt, es werde Strafanzeige eingereicht.
16.03.2022, 08:1817.03.2022, 07:55

Die Migros-Gruppe, eines der grössten Detailhandelsunternehmen der Schweiz, ist von einem Datendiebstahl betroffen. Eine berüchtigte Erpresser-Bande droht auf ihrer Darknet-Site damit, gestohlene Daten zu veröffentlichen – offensichtlich mit dem Ziel, Druck auf die Verantwortlichen auszuüben und sie dazu zu bringen, Lösegeld zu bezahlen.

Die Kriminellen haben eine 27 Gigabyte (GB) grosse «Sample»-Datei veröffentlicht und drohen mit einem «vollständigen Leak», wenn es nicht bald zu Verhandlungen komme.

«We will be publishing full leak if we do not reach a negotiation soon.»
SunCrypt

watson hat am Mittwochmorgen beim Migros-Genossenschafts-Bund in Zürich nachgefragt. Der Leiter der Medienstelle schreibt per E-Mail:

«Die Migros selber ist nicht betroffen.»
Marcel Schlatter, Migros

Auf Nachfrage hin teilt der Migros-Sprecher mit:

«Kriminelle Akteure haben sich Zugang zu vornehmlich älteren Daten von Lüchinger+Schmid, einer Tochtergesellschaft der Migros Industrie, beschafft. Dank schnellen Eingreifens konnte der Schaden glücklicherweise in Grenzen gehalten und Sicherheitslücken geschlossen werden. Die Migros selber oder andere Unternehmen der Migros-Gruppe sind vom Vorfall nicht betroffen. Es wird Strafanzeige eingereicht.»

Update 17. März: Recherchen von watson bestätigen die Darstellung der Migros-Medienstelle.

Wer sind die Hacker?

Die Ankündigung zur Migros erfolgte am Mittwoch, 16. März, auf der Leak-Site von «SunCrypt».

Das Ausmass des Datendiebstahls liess sich aufgrund der vorliegenden Informationen nicht abschätzen.

SunCrypt ist ein Anbieter von «Ransomware as a Service» (RaaS). Sprich: Kriminelle stellen anderen Kriminellen gegen eine finanzielle Beteiligung ihre Schadprogramme und IT-Infrastruktur zur Verfügung, um in fremde Netzwerke einzudringen, wertvolle Daten zu stehlen und zu verschlüsseln und anschliessend Geld vom Opfer zu erpressen.

Die Leak-Site der Ransomware-Bande ist über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor erreichbar. Dort listen die Kriminellen angebliche Opfer auf, die «nicht zu kooperieren wünschen».
Die Leak-Site der Ransomware-Bande ist über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor erreichbar. Dort listen die Kriminellen angebliche Opfer auf, die «nicht zu kooperieren wünschen».screenshot: watson

Die SunCrypt-Malware wurde erstmals im Oktober 2019 gesichtet. Die Hintermänner dürften aus Russland stammen oder ihre Operationsbasis dort haben. Mitte 2020 gaben sie bekannt, dass sie einem «Kartell» von Ransomware-Banden beigetreten seien. Zu dieser kriminellen Vereinigung gehörten gemäss IT-Sicherheitsfachleuten die berüchtigten Gruppierungen Maze, LockBit und Ragnar Locker.

Die Migros-Gruppe reiht sich in eine lange Liste von Schweizer Ransomware-Opfern ein. Zuletzt erwischte es etwa den weltweit tätigen Flughafendienstleister Swissport und die Emil Frey Gruppe, Europas grössten Autohändler.

SunCrypt ist dafür bekannt, Opfer doppelt zu erpressen – das heisst, die Hacker «exfiltrieren» heimlich Daten aus dem kompromittierten Netzwerk und verschlüsseln anschliessend die Original-Daten. Dann fordern sie ein Lösegeld, einerseits für die Entschlüsselung dieser Original-Daten, andererseits dafür, dass sie die gestohlenen Informationen nicht an Dritte verkaufen oder Kopien öffentlich zugänglich machen.

Quellen

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