Belly Button Patches: TikTok-Trend macht den Bauchnabel zum Schönheitsmakel
Manche Menschen mögen ihre Nase nicht, andere stören sich an ihren Ohren. Oder an ihrem Bauchnabel. Genauer gesagt, an der kleinen Vertiefung, die sich unter enger Kleidung abzeichnet. Was für die einen kaum der Rede wert ist, stellt für andere einen so grossen Makel dar, dass daraus sogar eine Geschäftsidee werden kann.
So geschehen bei den sogenannten Belly Button Patches, die aktuell auf TikTok und Instagram für Diskussionen sorgen. Die kleinen Silikonpflaster werden über den Bauchnabel geklebt und sollen verhindern, dass sich dieser unter engen Kleidern oder Oberteilen abzeichnet. Ein ziemlich einfacher Trick, der allerdings eine grössere Frage aufwirft: Wird hier lediglich ein persönliches Problem gelöst oder genau damit auch direkt ein neuer Schönheitsmakel geschaffen?
Ein Schönheitsmakel, von dem du bisher vielleicht nichts wusstest
Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so einfach. Schliesslich spricht nichts dagegen, wenn jemand bestimmte Körpermerkmale lieber kaschieren möchte. Doch sobald aus einer persönlichen Vorliebe ein Trend wird, verändert sich auch der Blick darauf. Wer sich bisher nie an seinem Bauchnabel gestört hat, bekommt durch entsprechende Vorher-Nachher-Videos womöglich überhaupt erst einen Anlass, darüber nachzudenken.
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Dabei ist der Bauchnabel nicht irgendeine zufällige Unebenheit. Er ist die Narbe, die nach der Geburt zurückbleibt, wenn die Nabelschnur durchtrennt wird. Über sie wurde der Körper im Mutterleib mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Der Bauchnabel ist also gewissermassen eine Erinnerung daran, wie menschliches Leben überhaupt möglich wurde.
Umso merkwürdiger erscheint die Vorstellung, ausgerechnet dieses Körpermerkmal verstecken zu müssen. Man stelle sich einmal vor, einem Menschen zu begegnen, der überhaupt keinen Bauchnabel besitzt. Würde das nicht viel mehr irritieren als die kleine Vertiefung unter einem Kleid? Schliesslich gehört der Bauchnabel so selbstverständlich zum menschlichen Körper, dass sein Fehlen vermutlich deutlich stärker auffallen würde als seine Sichtbarkeit.
Dass der Bauchnabel zum Modethema wird, ist tatsächlich nichts Neues. Die späten 90er und frühen 2000er haben ihn mit Low-Waist-Jeans, bauchfreien Tops und Bauchnabelpiercings (gerne mit grossem Schmuck) in Szene gesetzt. Ein Trend, der schon längst wieder zurück ist. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt. Schliesslich macht es einen Unterschied, ob ein Körperteil bewusst zur Schau gestellt wird oder sich unter der Kleidung abzeichnet.
Ein ähnliches «Zeigen oder Verstecken»-Trendspiel gab es auch bereits bei den Brustwarzen. Während BHs normalerweise dafür sorgen, dass sich diese unter der Kleidung möglichst wenig abzeichnen, wurde in den frühen Nullerjahren genau das Gegenteil zum Modethema, nicht zuletzt durch «Sex and the City». Hier trug Samantha Jones künstliche Brustwarzen, die sich bewusst unter ihrer Kleidung abzeichnen sollten. 2023 griff Kim Kardashian diesen Look mit ihrer Marke Skims wieder auf und brachte einen BH mit eingearbeiteten künstlichen Brustwarzen heraus.
Während also etwas, das üblicherweise kaschiert wird, plötzlich betont werden sollte, passiert beim Bauchnabel gerade das Gegenteil. Was diese beiden gegensätzlichen Trends aber gemeinsam haben? In beiden Fällen geht es um den weiblichen Körper und darum, wie er mit und unter Kleidung auszusehen hat.
Wie viel Optimierung braucht der weibliche Körper noch?
Nicht nur, dass es wieder einmal ein Trend zur Optimierung weiblich gelesener Körper ist, er scheint sich vor allem an sehr schlanke Körper zu richten. Während bei körpernaher Kleidung für viele Frauen bereits der Bauch selbst zum vermeintlichen Makel erklärt wird und Shapewear für eine möglichst schlanke und glatte Silhouette sorgen soll, gehen die Belly Button Patches noch einen Schritt weiter. Hier soll nicht mehr der Bauch kaschiert werden, damit sich dieser weniger unter der Kleidung abzeichnet, sondern das, was ohnehin schon schlank ist, komplett glattgestrichen werden.
Das Problem sind nicht die Frauen, die solche Pflaster verwenden, sondern die Erwartungen, die durch ihre Vermarktung entstehen können. Was für eine Frau als praktische Lösung eines persönlichen Problems beginnt, kann bei vielen anderen überhaupt erst das Gefühl auslösen, dass es an ihrem Körper etwas zu korrigieren gibt.
Nicht jeder Trend muss zum Schönheitsideal werden
Natürlich spricht nichts dagegen, den eigenen Bauchnabel unter einem Kleid kaschieren zu wollen. Wer sich mit Belly Button Patches wohler fühlt, hat damit eine einfache Möglichkeit gefunden. Nicht jede Beauty-Neuheit muss deshalb gleich kritisch betrachtet werden.
Entscheidend ist allerdings, wie solche Produkte auf Social Media präsentiert werden. Denn zwischen «So kannst du deinen Bauchnabel verstecken, wenn du möchtest» und «So siehst du ohne sichtbaren Bauchnabel besser aus» liegt ein Unterschied. Das eine bietet eine Möglichkeit, das andere vermittelt einen Schönheitsanspruch.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Frage hinter den Belly Button Patches: Muss aus jeder persönlichen Unsicherheit ein Trend werden, der anderen Menschen überhaupt erst einen neuen Grund gibt, an ihrem Körper zu zweifeln?
