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Zoom-Chef Eric Yuan entschuldigt sich für die Sicherheitsprobleme seiner Videokonferenz-Software. screenshot: twitter/cnn

Zoom-Chef kriecht zu Kreuze: «Ich habe als CEO wirklich Mist gebaut»

Seit Tagen macht die in Corona-Zeiten boomende Videokonferenz-App Zoom mit immer neuen Datenschutz- und Sicherheitsproblemen von sich reden. Zoom-Gründer Eric Yuan gibt Fehler zu und gelobt Besserung.



Sicherheitslücken, fragwürdige Überwachungsfunktionen, heimlicher Datenabfluss an Facebook, falsche Verschlüsselungs-Versprechen und zwielichtige Tricks, die an Schadsoftware erinnern: Die Liste der Probleme bei Zoom ist in den letzten Tagen lang geworden. Das Fass zum Überlaufen brachte die Warnung des FBI, dass sich Trolle in fremde Zoom-Meetings einschleusen und Schulstunden, Wahlkampf-Events und sogar Gottesdienste mit rassistischen und pornografischen Inhalten in Aufruhr versetzen.

Sogenanntes Zoombombing kommt auch in der Schweiz vor, wie ein Fall an der Wirtschaftsschule KV Winterthur exemplarisch zeigt: Dort «traten Unbekannte einer Videokonferenz auf Zoom bei und spielten einen Porno ab», schreibt «20 Minuten». Oft werden Links zu Zoom-Meetings absichtlich oder aus Versehen öffentlich geteilt, was Missbrauch Tür und Tor öffnet. Allerdings können sich ungebetene Gäste auch zuschalten, weil die Links bzw. Meeting-IDs leicht zu erraten sind.

Wegen Sicherheitsbedenken fordert die Stadt New York ihre Schulen nun auf, «so bald wie möglich von der Verwendung von Zoom Abstand zu nehmen». Die Schulbehörden empfehlen stattdessen die Alternative Microsoft Teams, welche die gleichen Funktionen mit geeigneten Sicherheitsmassnahmen habe. Vom Zoom-Verbot betroffen wären 1,1 Millionen Schüler in über 1800 Schulen. Allerdings dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

Zuvor schon hatte Tech-Milliardär Elon Musk Zoom aus seinen Unternehmen Tesla und SpaceX verbannt. Die Begründung: «Erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsbedenken.»

«Wir waren zu schnell ... und wir hatten einige Fehltritte.»

Zoom-Gründer Eric Yuan CNN

Im Interview mit dem Wall Street Journal (kostenpflichtig) sagte Zoom-Chef Eric Yuan, dass er «als CEO wirklich Mist gebaut» habe und dass er sich «verpflichtet fühlt, das Vertrauen der Nutzer zurückzugewinnen». Yuan versprach auch, eine besonders sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nachzuliefern, mit der Zoom fälschlicherweise auf der Webseite geworben hatte. Dies werde aber noch mehrere Monate dauern. «Wenn wir wieder Mist bauen, ist es vorbei», so der Zoom-Chef.

Gegenüber CNN doppelte er am Sonntag nach: «Wir haben unsere Lektion gelernt und haben einen Schritt zurück gemacht, um uns auf die Privatsphäre und die Sicherheit zu konzentrieren.» Zuvor hatte er im Firmenblog angekündigt, dass Zoom in den nächsten drei Monaten keine neuen Features entwickeln werde und sich stattdessen um die Sicherheitsprobleme kümmere, die in den letzten Tagen und Wochen von mehreren IT-Experten aufgedeckt wurden.

Eric Yuans mea cul­pa

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Der Zoom-Gründer stellt sich den Fragen von CNN. Video: YouTube/CNN

Zoom wird sicherer, aber auch weniger bequem

Yuan wiederholte im Gespräch mit CNN auch, was er schon am 1. April im Firmenblog verlauten liess: dass die Zoom-Software vor allem im Hinblick auf Unternehmenskunden mit eigener IT-Abteilung entwickelt worden sei, in denen IT-Administratoren für Sicherheit sorgten. Da man nun von privaten Nutzern überrannt werde, die nicht von einer IT-Abteilung geschützt werden, müsse man weitere Sicherheitsfunktionen aktivieren.

Konkret führt Zoom standardmässig Warteräume sowie Passwörter für Meetings ein. Wer an einer Videokonferenz per Meeting-ID teilnehmen will, muss ab sofort ein Kennwort eingeben. Zudem kommt man nicht direkt in die Videokonferenz, sondern nur in einen virtuellen Warteraum und muss vom Meeting-Leiter manuell hinzugefügt werden. Die Massnahmen wurden notwendig, da Hacker nach wie vor problemlos ungeschützte Zoom-Meetings finden und so Konferenzen entern können.

Zoom reagiert also und aktiviert standardmässig Sicherheitsfunktionen, was die Software sicherer, aber auch ein bisschen weniger bequem macht. Die besonders einfache Handhabe galt bislang als ein zentraler Vorteil von Zoom.

Neue User enthüllen Zooms Probleme

Wegen der Corona-Pandemie würden nun «plötzlich alle von zu Hause aus arbeiten, studieren und Kontakte knüpfen», sagt Yuan. Darum habe man eine viel breitere, heterogenere Nutzergruppe, die Zoom ganz unterschiedlich und «auf unerwartete Weise» nutze. Die neue Popularität habe daher «unvorhergesehene Probleme» zu Tage gefördert. Gemeint ist etwa das Zoombombing, also das Eindringen von Störenfrieden in nicht passwortgeschützte Meetings. Man habe daher bei Zoom-Meetings im Schulunterricht bereits reagiert: Schüler gelangen nun standardmässig in den sogenannten Warteraum und müssen von der Lehrperson aktiv dem Video-Meeting hinzugefügt werden. So will Zoom verhindern, dass Störenfriede direkt in Online-Schulstunden platzen.

Im Dezember 2019 haben maximal 10 Millionen Menschen pro Tag ein Zoom-Meeting abgehalten (vor allem Firmenkunden), nun sind es laut Yuan über 200 Millionen. Davon viele Privatnutzer, die mit den Sicherheitsfunktionen (Passwort, Warteraum etc.) wenig bis gar nicht vertraut sind.

Eine Übersicht, wie man Zoom sicher(er) nutzen kann, gibt es hier.

(oli)

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blueberry muffin 07.04.2020 00:04
    Highlight Highlight jitsi ist opensource und jede Firma mit IT Abteilung sollte problemlos schnell einen Server / Container bereitstellen können.

    Dann läuft alles intern ab und Datenkraken sind weg.
    • yey 07.04.2020 22:54
      Highlight Highlight Nein, man deployed nicht einfach einen Container im Firmennetzwerk um damit Netzwerkübergreifende Videokommunikation zu ermöglichen.

      Nein, die IT Abteilung macht das nicht eben schnell.

      Nein, Jitsi hat ebenfalls standardmässig keine Passwörter.

      Nein, bei einer Online Konferenz läuft nicht alles intern ab.

      Nein, OpenSource ist nicht gratis.
  • Hamudi Dudi 06.04.2020 23:40
    Highlight Highlight Super und wir werden von der Schule (Weiterbildung) gezwungen, Zoom für den Unterricht zu benutzen. 🙄
    • Raembe 08.04.2020 06:22
      Highlight Highlight Schlag google hangouts vor
  • Füürtüfäli 06.04.2020 22:20
    Highlight Highlight Wie die Forscher von Citizen Lab aufgedeckt haben, wurden nämlich ein Teil der Gespräche über Server in China umgeleitet – und zwar auch wenn kein einziger Teilnehmer in dem Land saß. 🤔
  • Macke 06.04.2020 21:42
    Highlight Highlight Leider ist Zoom das einzige Programm, das bei mir mit Kamerafunktion in Gruppen über 20 Personen funktioniert. Alternativen wie Microsoft Teams, Alfaview und Gotomeeting funktionieren nicht in größeren Gruppen. Ich finde es wichtig, dass man sich von Zeit zu Zeit in der Klasse sieht, auch wenn man sich nur kurz zuwinkt. Deshalb bleibe ich vorerst bei Zoom.
    • The Destiny // Team Telegram 06.04.2020 22:21
      Highlight Highlight Versuch mal Starleaf.
    • Sumsum 06.04.2020 22:45
      Highlight Highlight Wir machen Google Hangouts mit fast 40 Teilnehmern. Alle mit cams und sehr guter Sprachqualität. Wir hatten bis anhin selten bis keine Probleme.
    • Macke 06.04.2020 22:52
      Highlight Highlight Danke für die Tipps!
  • Bambusbjörn aka Planet Escoria 06.04.2020 21:24
    Highlight Highlight Fühlt sich sonst noch jemand an South Park erinnert?
    Play Icon
    • The Destiny // Team Telegram 06.04.2020 22:30
      Highlight Highlight Jep, solche Leute sollten verklagt werden, sonst lernt es die Industrie nie.
      Ich wette den Plan musste er nur noch aus der Schublade nehmen.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 07.04.2020 09:42
      Highlight Highlight Aber zu 100%
      Es wird langsam wirklich mal Zeit, dass man Konzerne zur Verantwortung zieht.
  • My Senf 06.04.2020 21:01
    Highlight Highlight Tja
    Dann eben doch Skype

Zoom hat's vermasselt – die unglaubliche Chronologie der Zoom-Fails

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