Digital
USA

ShinyHunters: Angeblicher Anführer der FBI-Hacker in Europa geschnappt

Der stellvertretende Leiter der Cyberabteilung des FBI, Brett Leatherman, äusserte sich bei YouTube zur Cyber-Erpresserbande ShinyHunters. (29. Sept. 2026)
Brett Leatherman, hochrangiger FBI-Mann, richtete sich in einer aktuellen Videobotschaft an die gesuchten Cyberkriminellen.Screenshot: YouTube

Angeblicher Anführer der FBI-Hacker in Europa geschnappt – das wissen wir

Der mutmassliche Hackerangriff der Erpresserbande ShinyHunters auf die amerikanische Bundespolizei zeigt Folgen. In Amsterdam wurde ein junger Mann festgenommen, der eine zentrale Rolle spielen soll.
30.09.2026, 12:1030.09.2026, 12:30

Die niederländische Polizei hat am Dienstag über die Festnahme eines 24-jährigen Mannes informiert. Der Niederländer soll Mitglied der Erpresserbande ShinyHunters sein.

Inzwischen habe ein Gericht in Rotterdam eine 90-tägige Untersuchungshaft angeordnet. Brisant: Die Festnahme erfolgte rund eine Woche, bevor die Erpresserbande öffentlich behauptete, in FBI-Server eingedrungen zu sein und unter anderem Personaldaten gestohlen zu haben.

Dem Verdächtigen wird laut Mitteilung ausserdem die Anstiftung zu zwei Morden vorgeworfen. Diverse Datenträger seien sichergestellt worden und würden nun ausgewertet. Weitere Festnahmen seien nicht ausgeschlossen

Das FBI hat am Dienstag bei YouTube eine Stellungnahme zum Fall veröffentlicht. Darin wird der Verhaftete als massgeblicher Akteur oder Anführer der Bande bezeichnet.

An die Adresse weiterer ShinyHunters-Mitglieder gerichtet, sagte der stellvertretende Leiter der Cyberabteilung des FBI, Brett Leatherman, im Video:

«Ihr wisst, wie ihr uns findet, und wir wissen, wie wir euch finden. Ich schlage vor, ihr meldet euch zuerst, solange ihr noch die Wahl habt.»
quelle: youtube.com

Wer ist der Verhaftete?

Am 15. September durchsuchte eine Spezialeinheit der niederländischen Polizei das Haus eines 24-jährigen Mannes im Amsterdamer Stadtteil Rivierenbuurt und nahm ihn fest. Die niederländischen Justizbehörden hielten die Festnahme zunächst für fast zwei Wochen unter Verschluss, was bei laufenden Ermittlungen gängige Praxis ist.

Aus Datenschutzgründen nennen die niederländischen Behörden bei Tatverdächtigen nur die Initialen, in diesem Fall «Pepijn van der S.». Unabhängige Investigativ-Journalisten wie der amerikanische Cybersicherheits-Experte Brian Krebs haben den Mann in ihrer Berichterstattung identifiziert.

Was zu seiner Person bekannt ist:

  • Er ist ein verurteilter Cyberkrimineller.
  • 2023 wurde er wegen Hacking, Erpressung, dem Einsatz von Ransomware und Geldwäsche von über 1,5 Millionen Euro in Kryptowährungen verurteilt. Die Strafe betrug vier Jahre – davon ein Jahr auf Bewährung – plus drei Jahre zusätzliche Bewährungsauflagen.
  • Im Dezember 2025 wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Zum Zeitpunkt der aktuellen Festnahme befand er sich also noch in seiner Bewährungszeit.
  • Nur wenige Monate nach seiner Freilassung fand er eine Anstellung als IT-Sicherheitsexperte bei einer Amsterdamer IT-Sicherheitsfirma. Deren Geschäftsführer bestätigte, dass die Büroräume am Tag der Festnahme ebenfalls forensisch untersucht wurden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kundensysteme kompromittiert wurden.

Die US-Behörden bezeichnen den Verhafteten als einen massgeblichen Akteur oder mutmasslichen Anführer der Erpresserbande ShinyHunters. Die Gruppe ist verantwortlich für Cyberangriffe auf kommerzielle Cloud-Plattformen von Drittfirmen. Dabei sollen Lösegeldsummen in Höhe von mindestens 70 Millionen US-Dollar erpresst worden sein.

Ein weitaus brisanterer Fund ergab sich bei der Auswertung seines beschlagnahmten Laptops: Die niederländische Polizei fand darauf Beweise, dass der 24-Jährige versucht haben soll, zwei Morde im Ausland in Auftrag zu geben.

Die niederländische Polizei betonte, dass dieser Verdacht zur Mordanstiftung nicht in Zusammenhang stehe mit den laufenden Ermittlungen zu ShinyHunters.

Hingegen wurde nicht mitgeteilt, welche Rolle der junge Mann beim angeblichen Hackerangriff aufs FBI gespielt hat.

Was macht ShinyHunters so gefährlich?

ShinyHunters trat erstmals 2020 öffentlich in Erscheinung, ist aber gemäss Angaben auf der eigenen Darknet-Website bereits seit 2019 aktiv. Der Name der Gruppe ist eine Anspielung auf die Jagd nach seltenen Pokémon-Figuren.

Die Gruppe fokussierte sich auf Hackerangriffe und Datendiebstähle bei Grossunternehmen und die anschliessende Erpressung der Opfer. Bei der «Pay-or-Leak»-Taktik wird mit der Veröffentlichung der gestohlenen sensiblen Daten im Darknet gedroht, falls kein Lösegeld bezahlt wird.

IT-Sicherheitsforscher bezeichnen ShinyHunters nicht als kriminelle Organisation mit festen Strukturen, sondern als eine Art Dachmarke für ein loses, international verteiltes Ökosystem von Cyberkriminellen. Es gebe starke personelle und taktische Überschneidungen mit anderen Gruppierungen wie «Scattered Spider» oder «Lapsus$».

Zu früheren Opfern der Bande zählen grosse Cloud-Plattformen, Gesundheitsorganisationen, Universitäten, Tech-Konzerne, Einzelhändler und Bildungsdienstleister.

Nationalen Justizbehörden gelangen in der Vergangenheit bereits mehrere Schläge gegen die Bande:

  • Im Januar 2024 verurteilte ein US-Gericht einen französischen Bürger zu drei Jahren Haft und einer Rückzahlung von 5 Millionen US‑Dollar. Die US-Behörden stuften ihn als wichtiges Mitglied ein, jedoch nicht als den operativen Kopf der Bande.
  • Im Mai 2025 wurde ein 19-jähriger US-Student aus Massachusetts angeklagt. Er bekannte sich schuldig und agierte laut Ermittlern als krimineller Partner der Bande («Affiliate»).
  • Im Juni 2025 nahmen französische Behörden in einer koordinierten Aktion vier Personen fest, die mit ShinyHunters in Verbindung gebracht wurden. Weil die Angriffe der Bande danach unvermindert weitergingen, gingen IT-Sicherheitsforscher davon aus, dass es sich vor allem um ausführende Partner und nicht um die Hintermänner handelte.

Die US-Bundespolizei zeigt sich nach dem jüngsten Schlag gegen die Cyber-Erpresserbande aber zuversichtlich, dass es noch mehr Geständnisse geben wird:

«Verhaftungen führen oft dazu, dass sich ändert, wer bereit ist zu reden, und beschlagnahmte Infrastruktur zeigt uns häufig, wer noch übrig ist.»
Brett Leatherman, FBI

Quellen

FBI-Ankündigung zur Festnahme:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So läuft eine Ransomware-Attacke ab
1 / 17
So läuft eine Ransomware-Attacke ab
2021 machte watson publik, dass die am Genfersee gelegene Waadtländer Gemeinde Rolle von einem massiven Daten-Leak betroffen war – die Folge einer Ransomware-Attacke. In dieser Bildstrecke erfährst du, wie ein solcher Hackerangriff abläuft. Die wenigsten Leute wissen, was kriminelle Eindringlinge in fremden IT-Systemen so alles treiben.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kash Patel weist Alkohol-Vorwürfe zurück
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
KI-Agenten ausser Kontrolle: OpenAI lädt Nutzer-Bilder auf Online-Plattformen
Die Künstliche Intelligenz des ChatGPT-Entwicklers OpenAI hat 53 Mal von Nutzern hochgeladene Bilder auf Online-Plattformen platziert.
Die Links dazu seien nicht öffentlich gewesen, erklärte OpenAI. Ein Grossteil sei bereits wieder entfernt worden und man arbeite mit den Plattformen daran, auch den Rest zu löschen. Es ist der erste bekanntgewordene Vorfall, bei dem auch Daten von OpenAI-Nutzern betroffen waren.
Zur Story