Im Weihnachtsquartal macht Apple traditionell das grösste Geschäft. Die neuen iPhones sorgten diesmal nicht für Verkaufsrekorde – doch die Einnahmen stimmen und das Interesse an Künstlicher Intelligenz (KI) stimmt den US-Konzern laut Tim Cook zuversichtlich.
Apples jüngster Quartalsbericht sorgt über die Finanzbranche hinaus für Aufsehen. Obwohl die Börsianer auf starke iPhone-Verkäufe gehofft hatten, blieben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Markt. Angesichts der sinkenden weltweiten Nachfrage nach Smartphones steht Apple an einem Scheideweg.
Apple hat das traditionell lukrative Weihnachtsquartal mit einem Rückgang im iPhone-Geschäft abgeschlossen. Doch sorgten Zuwächse bei Mac-Computern, iPads und im Dienstleistungsgeschäft dafür, dass der Konzernumsatz auf ein Rekordhoch gestiegen ist.
Weltweit sind bei Apple-Usern nun 2,35 Milliarden Geräte des Konzerns im Einsatz, wie es heisst.
Für Diskussionen sorgt die KI-Strategie des US-Techkonzerns. Die schrittweise Einführung von eigenen KI-Funktionen, «Apple Intelligence» genannt, scheint nicht den sofortigen Anstieg der iPhone-Verkäufe bewirkt zu haben, den manche Analysten vorhergesagt hatten. Stattdessen gingen die iPhone-Verkäufe im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück.
Apple stellt dies wie zu erwarten anders dar: Die neuen KI-Funktionen hätten die iPhone-Verkäufe angekurbelt, heisst es. In den Ländern, in denen «Apple Intelligence» bereits verfügbar sei, habe sich das iPhone 16 besser verkauft, kommentierte Konzernchef Tim Cook die jüngsten Quartalszahlen. Zugleich habe es einen Rekord bei der Zahl der Nutzerinnen und Nutzer gegeben, die ihre bisherigen iPhones durch neue ersetzten.
Apple hat die KI-Funktionen bisher nur in Nordamerika, Australien, Neuseeland, Südafrika und Grossbritannien lanciert. Weitere europäische Länder sollen im April folgen.
Apple sei mit seiner KI-Strategie gut aufgestellt, da das chinesische Start-up DeepSeek gerade die von Marktführer OpenAI (ChatGPT) dominierte Techbranche aufmische: Dies erklärten Analysten und Branchenkenner gegenüber dem amerikanischen Wirtschaftsblatt «Fortune». Denn Apple könnte von dem Potenzial für günstigere KI-Modelle profitieren, die DeepSeek anbietet.
Die Apple-Aktie blieb diese Woche weitgehend unbeeindruckt, nachdem DeepSeek mit seinen leistungsfähigen, aber günstigeren Sprachmodellen viele Tech-Investoren verschreckt und unter anderem die Aktien von Chiphersteller Nvidia in den Keller getrieben hatte.
Wenn überhaupt, seien die kleineren Sprachmodelle (LLMs) von DeepSeek eher eine Bestätigung für Apple, da man sich stärker auf einen lokalen KI-Ansatz mit Datenverarbeitung auf dem Gerät stütze.
Der US-Finanzanalyst Husson sagt, dass zwar die Wahrnehmung vorherrsche, dass Apple im Vergleich zu einigen der grossen Plattformen im KI-Bereich spät dran sei. Kritiker ignorierten jedoch die Tatsache, dass «Apples Geschäft in erster Linie kundenorientiert» sei.
Bekanntlich konzentriert sich Apple darauf, KI-Modelle in seine Betriebssysteme zu integrieren, anstatt in die Entwicklung eigener Sprachmodelle zu investieren.
Als Apple-Chef Tim Cook nach der Präsentation der Quartalszahlen zu den Auswirkungen von DeepSeek befragt wurde, äusserte er sich optimistisch.
Cook merkte in der Telefonkonferenz weiter an, dass Apple für seine KI ein Hybridmodell nutze, bei dem einige einfache Aufgaben lokal ausgeführt werden – mithilfe eigener KI-Modelle auf den von Apple entwickelten Silizium-Chips des Geräts. Andere, kompliziertere Aufgaben werden in der Cloud ausgeführt, und zwar über Partnerschaften mit Anbietern von KI-Modellen.
Apple hat derzeit nur eine KI-Partnerschaft mit OpenAI, die es ChatGPT ermöglicht, komplexe Fragen von iPhone-User in einer privaten Cloud zu beantworten.
Cooks Äusserungen zum Effekt von «Apple Intelligence» stimmten auch die Börse zuversichtlicher. Die Apple-Aktie drehte im nachbörslichen US-Handel aus dem Minus zu einem Plus von rund drei Prozent.
Zu den Funktionen von «Apple Intelligence» gehört unter anderem, dass die Software Zusammenfassungen von E-Mails oder Kurznachrichten erstellt und Texte verbessert. Nutzerinnen und Nutzer können auch eigene Emojis mit Textvorgaben generieren und störende Objekte aus Fotos entfernen.
Abgesehen von der mangelnden Verfügbarkeit der neuen KI-Funktionen bekundet Apple (wie andere Konzerne auch) Probleme, die auf die Funktionsweise von generativer KI zurückgehen. Erst kürzlich setzte das Unternehmen seine KI-Zusammenfassungen von News-Beiträgen aus, nachdem die Funktion irreführende Schlagzeilen produziert hatte. In einem Fall halluzinierte die Apple-KI und änderte eine BBC-Schlagzeile so, dass sie fälschlicherweise lautete, Luigi Mangione, der Mann, der des Mordes an UnitedHealthcare-CEO Brian Thompson angeklagt ist, habe sich selbst erschossen.
Google als Entwickler des rivalisierenden Smartphone-Systems Android setzt auf eigene KI-Sprachmodelle und Hersteller wie Samsung bieten auch immer mehr KI-Funktionen in ihren Geräten an und bietet KI-Chatbots an, die auf Gemini-Sprachmodellen basieren.
Das iPhone bleibt zwar das mit Abstand wichtigste Produkt. Aber das vergangene Quartal demonstrierte, wie der Konzern von einem breiten Angebot mit verschiedenen Gerätekategorien profitiert.
Die iPhone-Umsätze sanken von 69,7 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf nun 69,14 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit rund 71 Milliarden Dollar gerechnet.
Das Mac-Geschäft lief dagegen deutlich besser als von der Wall Street erwartet. Der Umsatz stieg von 7,8 auf 8,99 Milliarden Dollar. Analysten hatten lediglich knapp acht Milliarden Dollar erwartet. Auch beim iPad gab es einen deutlichen Zuwachs von sieben auf gut acht Milliarden Dollar. Das Dienstleistungsgeschäft mit Erlösen unter anderem aus dem App-Store und Apples Abo-Angeboten wuchs von 23,1 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf 26,34 Milliarden Dollar.
Insgesamt legte der Konzernumsatz um vier Prozent auf den Rekordwert von 124,3 Milliarden Dollar zu. Unter dem Strich steigerte Apple den Quartalsgewinn um sieben Prozent auf 36,3 Milliarden US-Dollar.
Ein Auslöser für das anfängliche Minus beim Aktienkurs könnte neben dem iPhone-Rückgang auch die Abschwächung des Geschäfts in der Region China gewesen sein. Der Umsatz dort sank um elf Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar und verfehlte die Erwartungen der Analysten.
Apple trifft in dem riesigen Markt auf mehr Konkurrenz chinesischer Smartphone-Anbieter wie Huawei und Xiaomi. Cook sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten allerdings auch, dass Apple sich Rückenwind von Konjunktur-Massnahmen Pekings erhofft.
(dsc)