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In this Aug. 20, 2019, photo, Huawei's founder Ren Zhengfei reacts during an interview at the Huawei campus in Shenzhen in Southern China's Guangdong province. Ren says its troubles with President Donald Trump are hardly the biggest crisis he has faced while working his way from rural poverty to the helm of China’s first global tech brand. (AP Photo/Ng Han Guan)

Huawei-Gründer Ren Zhengfei. Seine Tochter, die Finanzchefin des Unternehmens, darf Kanada nicht verlassen und kämpft gegen die Auslieferung an die USA. Bild: AP

Analyse

USA vs. Huawei – von Bauernopfern, goldenen Käfigen und echtem Leid im Wirtschaftskrieg

Die in Kanada festgehaltene Tochter des Huawei-Gründers hat sich mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Ein schlechtes Timing.



Der «Guardian» hat am Montag eine Geschichte aus China publiziert, die so gar nicht ins Bild passt, das wir von Huawei und den chinesischen Konsumenten haben.

Bekanntlich läuft es Huawei trotz einschneidender US-Sanktionen gut. Oder zumindest besser, als sich dies Donald Trump und seine Wirtschaftskrieger wünschen. Das Gebaren der imperialistischen Amerikaner hat eine Trotzreaktion ausgelöst, so dass die Chinesinnen und Chinesen statt des neuesten iPhones in Scharen Huawei-Handys kaufen.

Doch nun erhielt der Hurra-Patriotismus einen argen Dämpfer, wie die «Guardian»-Korrespondentin Lily Kuo aus Peking berichtet. Der Vorzeige-Telekommunikations-Konzern stehe zuhause unter Beschuss. Und zwar wegen des fragwürdigen Umgangs mit einem ehemaligen Mitarbeiter.

Der Fall Li

Der Mann heisst Li Hongyuan, war 13 Jahre für Huawei tätig und sass acht Monate im Gefängnis, nachdem er auf seine Rechte als Arbeitnehmer gepocht und vom Unternehmen eine finanzielle Abfindung gefordert hatte.

Im Januar 2019 sei der Mann wegen angeblicher Erpressung von der Polizei verhaftet und bis August inhaftiert worden, um schliesslich wegen «unklarer strafrechtlicher Tatsachen und unzureichender Beweise» freigelassen zu werden. Dies zeigten online verfügbare Gerichtsdokumente.

Lis Schicksal, bzw. seine skandalöse Geschichte, wurde erst bekannt, als er am 30. November einen offenen Brief an den Präsidenten von Huawei schrieb.

Einen Tag später, am 1. Dezember, veröffentlichte Huawei einen anderen offenen Brief und brachte damit bei den ansonsten wohlgesonnenen Chinesen das Blut in Wallung.

Der Fall Meng

Um die Aufregung zu verstehen, muss man wissen, dass die Tochter des Huawei-Gründers seit einem Jahr in Vancouver unter Hausarrest steht und Kanada nicht verlassen darf.

Meng Wanzhou, die von der Sekretärin zur Finanzchefin des chinesischen Vorzeige-Konzerns aufgestiegen war, wurde vor einem Jahr verhaftet, auf Betreiben der USA.

Huawei chief financial officer Meng Wanzhou, who is out on bail and remains under partial house arrest after she was detained last year at the behest of American authorities, leaves her home to attend a court hearing in Vancouver, on Tuesday, Sept. 24, 2019. (Darryl Dyck/The Canadian Press via AP)

Designerkleid und Fussfessel: Meng Wanzhou beim Verlassen ihres Hauses in Vancouver. Bild: AP

Huaweis Finanzchefin wird vorgeworfen, über eine inoffizielle Tochterfirma Geschäfte mit dem Iran gemacht und dadurch gegen US-Sanktionen verstossen zu haben. Mengs Anwälte versuchen, ihre Auslieferung an die USA zu verhindern, bei einer Verurteilung droht ihr eine lange Gefängnisstrafe.

Am 1. Dezember, dem Jahrestag ihrer Verhaftung, hat die Huawei-Finanzchefin, die sich in der westlichen Hemisphäre Sabrina Meng nennt, einen offenen Brief veröffentlicht. Darin dankt sie verschiedensten Leuten für ihre Unterstützung und macht auch den Huawei-Mitarbeitern in China Mut.

Huawei chief financial officer Meng Wanzhou, who is out on bail and remains under partial house arrest after she was detained last year at the behest of American authorities, leaves her home to attend a court hearing in Vancouver, on Wednesday, Oct. 2, 2019. (Darryl Dyck/The Canadian Press via AP)

Milliardärstochter und Managerin: Meng Wanzhou kann trotz Auslieferungsverfahren lächeln. Bild: AP

«In diesen dunklen Momenten haben sich unsere Kunden und Lieferanten entschieden, uns zu vertrauen, uns zu unterstützen und abzuwarten. Das motiviert uns, noch härter zu arbeiten.»

Meng Wanzhou

Echte Gefängnisse und ein goldener Käfig

Mengs offener Brief wurde auf Englisch auf der Huawei-Website veröffentlicht und via Social-Media-Kanäle verbreitet, wo er laut BBC über 60 Millionen Aufrufe erzielte.

Allerdings gab es nicht nur positive Reaktionen: Internet-User werfen Huawei und seiner Finanzchefin laut «Guardian» Heuchelei vor und erinnern an das Schicksal von Li Hongyuan. Dieser «normale» Angestellte sei hinter Gittern gelandet, weil er auf seine Rechte als Arbeitnehmer pochte.

«Ihr Leiden wird Leiden genannt, aber was ist mit denen, die 251 Tage im Gefängnis sitzen?»

Internet-User

Auf Weibo drückten chinesische User ihre Unterstützung für Li aus. Wegen drohender Zensur und staatlicher Verfolgung allerdings nicht mit geharnischten Worten, sondern in Form eines Zahlencodes: «985, 996, 035, 251, 404».

«985 steht für die 985 Top-Universitäten, von denen Li bei einer seinen Abschluss machte. 996 steht für die chinesische Arbeitskultur: Von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends an 6 Tagen die Woche arbeiten. 035, weil er mit 35 Jahren von Huawei gekündigt wurde. 251 sind die Tage, die er inhaftiert war. 404 steht für den Internetcode, wenn eine Website nicht gefunden wurde. Der Grund: Viele Berichte über diesen Vorfall wurden in chinesischen Medien und Foren zensiert und gelöscht.»

quelle futurezone.at

Ständig appelliere Huawei an den Patriotismus der chinesischen Bevölkerung und prangere die Entführung von Meng an, dann gehe das Unternehmen hin und lasse einen Mitarbeiter, der auf sein Recht poche, ins Gefängnis werfen.

Gnadenloses China

Die Huawei-Managerin muss zwar eine Fussfessel tragen, kann sich ansonsten aber frei in Kanada bewegen und darf auch Familienangehörige empfangen. «So viel Glück hatten zwei kanadische Staatsbürger in China, der Ex-Diplomat Michael Kovrig und der Korea-Experte Michael Spavor, nicht. Sie wurden kurz nach Mengs Verhaftung festgenommen und ins Gefängnis gesteckt», schreibt Business Insider.

Die chinesische Regierung behauptet zwar, die beiden hätten die nationale Sicherheit gefährdet. Experten seien aber zum Schluss gekommen, dass sich China für die Meng-Verhaftung rächen wollte. Fakt sei: Noch heute müssten die beiden im Gefängnis ausharren. Und dies wohl unter schlimmen Bedingungen. Gemäss Berichten kanadischer Medien mussten die beiden zumindest am Anfang in Einzelzellen sitzen, in denen das Licht durchgehend brannte. Und bis heute wurden keine Besuche von Familienangehörigen genehmigt.

FILE - In this Dec. 12, 2018, file photo, policemen patrol outside the Canadian Embassy in Beijing. China on Thursday, Sept. 5, 2019, has urged Canada to

Polizisten patrouillieren vor der kanadischen Botschaft in Peking. archivBild: AP

Für die beiden Kanadier und ihre Angehörigen müsse das höhnisch klingen, was Meng nun anlässlich des ersten Jahrestags ihrer Verhaftung verlauten lasse, kommentiert Business Insider. Das Leiden und die Not der Huawei-Erbin hielten sich im Vergleich zu ihrem Schicksal in Grenzen. Meng dürfe auch Besuch empfangen und ihre Familie einladen. Wobei dies ihr steinreicher Vater bislang nicht genutzt habe.

Ren Zhengfei bezeichnete seine Tochter in einem Interview mit CNN als kleine Ameise, gefangen zwischen [...] zwei Supermächten. Und: «Sie sollte stolz sein, in dieser Situation [...] zu sein. Im Kampf zwischen zwei Nationen wurde sie eine Trumpfkarte.» Diese Erfahrung sei gut für Meng.

Das Drama geht weiter

Halten wir fest: Der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China hat bereits immensen Schaden und menschliches Leid angerichtet. Von Kollateralschäden zu sprechen wäre zynisch. Vor allem angesichts der inhaftierten Kanadier.

Bild

screenshot: twitter

Der Kampf um die öffentliche Meinung, respektive die Deutungshoheit, geht unvermindert weiter. Das belegen die neusten von Huawei bezahlten Twitter-Postings.

Bild

screenshot: twitter

Ebenfalls am Montag verbreitete sich eine andere Nachricht, die den Wirtschaftskrieg der USA gegen China im Allgemeinen und Huawei im Speziellen betrifft: Laut einer aktuellen Untersuchung enthält das im September vorgestellte neue Flaggschiff-Smartphone, das Huawei Mate 30, nicht nur keine Android-Apps von Google, sondern auch keine US-amerikanischen Chips oder andere US-Teile mehr. Die Chinesen haben demnach die US-Abhängigkeit massiv reduziert.

Huawei habe bislang weder die Klage des ehemaligen Mitarbeiters bestätigt noch zu den Vorwürfen Stellung genommen, hält die «Guardian»-Korrespondentin fest.

Original-Quellen:

China: 9 Grossprojekte der neuen Seidenstrasse

So lehrt man Patriotismus in China

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    Alle Leser-Kommentare
  • Thunderbolt 04.12.2019 19:40
    Highlight Highlight Ich bin auch enttäuscht, die Geschichte dieses Mannes zu hören. Aber es ist sicher nicht die Regel. Hier in der Schweiz gibt auch krasse Vestösse, aber die kommen nicht ans Licht, weil es nicht spektakulär genug ist, zahlt sich nicht aus darüber zu berichten.
    Chinesen wissen, dass die Arbeit bei Huawei sehr hart ist, aber sie ist auch ausseordentlich gut bezahlt. Eine Balance- Entscheidung.
  • Markus97 04.12.2019 12:06
    Highlight Highlight Mir gefällt die Neutralität der Schweiz. Da muss man sich wenigstens nicht zwischen Unrecht und Unrecht entscheiden. Abzuwägen welches Unrecht grösser ist um sich auf eine Seite stellen zu können, bringt schlussendlich auch nichts. Irgendwie sind heute die meisten Konflikte so.
    • MARC AUREL 04.12.2019 12:21
      Highlight Highlight Ja, bei uns spielt es keine Rolle! Hauptsache Money Money...
    • bbelser 04.12.2019 14:03
      Highlight Highlight Ja, diese spezielle schweizerische Neutralität, die ganz gerne eingeschränkt wird, wenn es gilt, Autokraten zu hofieren... 😉
  • TreeOfLife 04.12.2019 11:09
    Highlight Highlight Wenn ein Bürger mit Zahlencodes seine Solidarität ausdrücken muss (auf Grund drohender Zensur und Verfolgung) ist für mich schon alles gesagt worden, was die Politik dieses Landes betrifft.
    Huawei hin oder her.
    • just sayin' 04.12.2019 12:32
      Highlight Highlight ...aber dennoch kaufen wir fleissig chinesische handys (und kritisieren gleichzeitig unseren staat, dass er mit saudi arabien handel betreibt).

      es ist halt wirklich einfacher von anderen zu verlangen, dass sie etwas ändern.
  • homo sapiens melior 04.12.2019 10:37
    Highlight Highlight Vor Zeiten dachte ich, es wäre von Vorteil China zu unterstützen, damit es näher an den Westen heranrückt. Ich hab das erste Mal ein chinesisches Markenhandy gekauft. Huawei. Mit dem Gerät bin ich soweit zufrieden. Aber dann kam das mit den Uiguren aus. Jetzt noch das mit Li. Und dazwischen immer wieder anderer Mist. Ich denke darüber nach, erstmals vor Ablauf von 5 Jahren ein Handy loszuwerden und ein anderes zu holen. Vielleicht was Nordisches? Werde künftig soweit möglich mit Einkäufen in Europa bleiben.
    • Laut_bis_10 04.12.2019 12:47
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass jedes Handy China unterstützt.

      Hinter der Firma HMD Global, welche nun die Markenrechte an Nokia hat, steht über verschiedene Tochterfirmen schliesslich der chinesische Konzern Foxconn als Investor (Quelle: NZZ).

      Foxconn stellt neben Teilen für Nokia auch Teile für Apple, Samsung, Sony, Google, Acer und Motorola her.

      Und dann braucht jedes Gerät mit Computerchip heute auch Metalle der Seltenen Erden. An deren Produktion hat China gemäss Wikipedia 97.5% Anteil.

      Du kannst also kaufen was du willst, China gewinnt.
    • P.Rediger 04.12.2019 13:13
      Highlight Highlight @Laut_bis_10: Nicht wirklich:
      https://www.fairphone.com/en/2019/08/27/progress-with-arima/

      Es ist definitiv nicht zwingend ein Smartphone zu kaufen, welches in China produziert wird, oder dessen spezifisch benötigten Materialien wie seltene Erden aus China stammen.
    • Laut_bis_10 04.12.2019 15:02
      Highlight Highlight Aus deinem Link: "... with Fairphone production taking place at one of their manufacturing facilities in Suzhou, China."

      Ein Fairphone oder ein gebrauchtes Telefon ist sicher am nachhaltigsten. Allerdings setzt auch Fairphone auf China. Sicher mit dem Hintergedanken, die Arbeitsbedingungen da zu verbessern.

      Bezüglich Seltener Erden konnte ich unter deinem Link keine Herkunfsangabe finden. Immerhin scheinen gemäss einem Bericht von Fairphone (2017) weltweit nur 84.8% der abgebauten seltenen Erden aus China zu stammen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bruder klaus 04.12.2019 10:35
    Highlight Highlight Wir brauchen uns nicht zu wundern über auch nur irgendetwas. Dreck gibts in China wie in den USA. Spionage ebenso. Das Recht wird in China wie in den USA mit Füssen getreten - Verteidigen kann sich nur, wer Kohle hat, viel Kohle! Und das wird nicht besser werden, sondern schlimmer! Die Geldgier nimmt allgemein zu. Sich dagegen zu wehren wird schwierig - die einfachen Leute werden vom Staat gegängelt und es wird ihnen die Zeit genommen, sich zu formieren und auzustellen dagegen - Das sind die Waffen der Mächtigen, Reichen und Korrupten. Schade - unsere Welt wird kaputt gemacht!
  • Swen Goldpreis 04.12.2019 10:32
    Highlight Highlight Wenn jemand privat so eine Firma unterstützen will, dann soll er das. Die Handys sind ja auch gut. Aber staatlich dürfen wir Huawei nicht unsere Netzwerke bauen lassen.
    • pontifex_maximus 04.12.2019 11:30
      Highlight Highlight ...sonst machen die Chinesen bei uns das, was die Amis schon lange machen.
    • MARC AUREL 04.12.2019 12:23
      Highlight Highlight Lieber die Amis als die Chinesen!
    • Garp 04.12.2019 14:40
      Highlight Highlight Die Chinesen sind schon lange im Geschäft mit Swisscom und Sunrise, die sind schon lang in unseren Netzen drin.
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