Wie aus einem Comedian vielleicht der nächste deutsche Bundespräsident wird
Im Thüringer Landtag fand am Mittwoch eine Expertenanhörung zu einem möglichen AfD-Verbot statt – mit dabei war auch Hape Kerkeling.
Wer den Komiker vor allem in seiner Rolle als Horst Schlämmer kennt, könnte sich wundern, wieso Kerkeling bei solch einer politischen Expertendiskussion mitmischt. Tatsächlich jedoch hat sich Kerkeling in den vergangenen Jahren zunehmend politisch engagiert und zieht heute sogar das Amt des Bundespräsidenten in Erwägung.
Der Werdegang
Bekannt ist der gebürtige Recklinghausener seit den 1980er-Jahren als Komiker. In seiner Arbeit schwang in satirischer Form schon früh Interesse an realen politischen Abläufen mit.
Eine seiner bekanntesten Einlagen: Verkleidet als Königin Beatrix der Niederlande fuhr er 1991 in einer Limousine beim damaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am Schloss Bellevue vor. Im selben Jahr inszenierte sich Kerkeling zudem beim SPD-Parteitag in Bremen als Gegenkandidat des letztlich zum SPD-Vorsitzenden gewählten Björn Engholm.
Im Laufe seiner Karriere erfand Kerkeling viele weitere Figuren. Eine seiner bekanntesten ist der stellvertretende Chefredakteur des fiktiven «Grevenbroicher Tagblatts», Horst Schlämmer. Der tritt in dem Film «Horst Schlämmer – Isch kandidiere!» mit seiner HSP, der Horst-Schlämmer-Partei, für die Bundestagswahl an, um seinen Heimatort Grevenbroich zur Bundeshauptstadt zu machen.
Nachdem Kerkeling durch seine Kunstfiguren wiederholt mit politischen Themen in Berührung gekommen war, bewegte er sich selbst erst später tatsächlich im politischen Raum. So war er 2017 Mitglied der Bundesversammlung, die Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten wählte.
2019 berichtete er zudem, dass die Grünen ihn baten, für das Amt des Oberbürgermeisters seiner Heimatstadt Recklinghausen zu kandidieren. In dem Zusammenhang verriet Kerkeling damals im «Bild am Sonntag»-Interview, kein Mitglied der Partei zu sein, aber dennoch nicht gleich abgeneigt gewesen zu sein: «Ich habe mir das tatsächlich auch eine Zeit lang überlegt. (...) Ich habe dann zurückgezogen. Ich habe doch gar keine Ahnung von der Politik.»
Seine Haltung bezüglich AfD
«Hat nichts im Bundestag verloren»
Der Job eines Politikers sei beinhart «und am Ende traue ich mir den dann doch nicht zu», sagte Kerkeling 2019. Seine politische Meinung teilte er dennoch öffentlich.
So äusserte er sich Ende 2023 in einem «Zeit»-Interview kritisch über die AfD. Die Partei verstosse aus seiner Sicht gegen die Grundprinzipien der Gleichheit. «Unser Grundgesetz ist doch ziemlich eindeutig in Artikel 1, wenn es sagt, die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt immer und überall», erläuterte Kerkeling.
Für ihn sei «ziemlich eindeutig, dass die AfD gegen diesen Grundsatz verstösst». Sie sei von dem Prinzip getrieben, «dass eben nicht alle Menschen gleich sind, sondern dass wir Unterschiede machen sollten». Der Gleichheitsgrundsatz werde in der Ideologie der AfD sehr stark infrage gestellt. «Wer diesen infrage stellt, hat nichts im Bundestag verloren. Das ist gegen unsere Verfassung», sagte Kerkeling.
Grossvater war im KZ
Den politischen Rechtsruck beobachtet Kerkeling unter anderem auch aufgrund seiner eigenen Familiengeschichte mit Besorgnis. 2024 veröffentlichte er seine Autobiografie «Gebt mir etwas Zeit: Meine Chronik der Ereignisse», in der er unter anderem von seinem Grossvater Hermann Kerkeling berichtet. Der war wegen regimekritischer Flugblätter während der Zeit des Nationalsozialismus insgesamt zwölf Jahre in Haft, darunter etwa drei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald.
Als Nachfahre eines Opfers der NS-Zeit hielt Hape Kerkeling am 12. April 2026 zum 81. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald eine beachtete und bewegende Gedenkrede. Er sprach über das Schicksal seines Grossvaters, der im KZ Buchenwald als politischer Häftling Zwangsarbeit leisten musste und Folter erlebte.
«Wir tragen die Verantwortung»
Zudem spann Hape Kerkeling in seiner Rede einen Bogen zum heutigen politischen Rechtsruck in Form des Zulaufs der AfD, die bundesweit laut Verfassungsschutz als extremistischer Verdachtsfall gilt: «Ich stehe hier heute auch, weil mich die aktuelle politische Entwicklung in unserem Land zutiefst alarmiert. Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren.»
In Bezug auf die NS-Zeit sagte er:
Der Rollenwechsel
Kerkelings Rede markiert einen Umbruch hinsichtlich seiner eigenen Rolle im politischen Kontext. Auf der Plattform WeAct wurde eine Petition geschaltet, um ihn zum «lebendigen Symbol unseres Staates» zu machen: «Wir rufen Sie als Spitzenvertreter*innen der demokratischen Parteien auf: Nominieren Sie Hans-Peter Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten für die Wahl am 30. Januar 2027!», heisst es auf der Webseite.
Deutschland brauche an der Spitze keine Parteitaktik, «sondern eine Persönlichkeit, die unser Land würdig repräsentiert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet».
«Ich schliesse das nicht mehr aus»
Nachdem Kerkeling 2019 zwar mit einem politischen Amt geliebäugelt, sich dann aber doch gegen eine Kandidatur entschieden hatte, hat sich seine Meinung inzwischen geändert. Im Juni sagte er im Gespräch mit RTL in Bezug auf eine mögliche Kandidatur als Bundespräsident:
Ob die Mitglieder der Bundesversammlung ihn tatsächlich als Kandidaten vorschlagen werden und er einer Nominierung zustimmen würde, bleibt abzuwarten.
Anhörung zu AfD-Verbot
Nun war Kerkeling am Mittwoch erst einmal Teil einer Expertenrunde, die darüber tagte, ob die seit 2021 gesichert rechtsextreme Thüringer AfD von Björn Höcke verboten werden soll.
Er wurde auf Wunsch der Linken als Anzuhörender eingeladen. «Es ist eine gesellschaftspolitische Debatte, deswegen muss das auch prominent diskutiert werden», sagte Thüringens Linksfraktionschef Christian Schaft und verwies darauf, dass Kerkeling deutliche Worte beim Gedenken zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald gefunden habe.
Die Anhörung zum AfD-Verbot könnte zu einem historischen Moment werden, der zwar für Deutschland bedeutend ist – aber auch für Kerkelings Wandel vom Unterhaltungskünstler zum politischen Akteur wichtig sein könnte.
Quellen
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
- rtl.de: "'Ich schliesse nichts mehr aus': Wird Hape Kerkeling der nächste Bundespräsident?"
- weact.compact.de: "Hape Kerkeling als Bundespräsident – ein Zeichen für eine starke Demokratie!"
- instagram.com: Profil von hapekerkeling.official
- deutschlandfunk.de: "Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt"
- bild.de: "Hape Kerkeling : Kein Witz! Die Grünen wollten ihn als Bürgermeister"
- zeit.de: "Hape Kerkeling: 'Leider schwappt diese braune Brühe ungefiltert in unser System'"
- Eigene Recherche
(dsc/t-online)

