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Erdogans Militäreinsatz in Syrien: Warum die Türken scheitern werden

Turkey-backed FSA fighters are heading toward Syrian town of Tal Abyad from Turkish border town of Akcakale, Turkey, Thursday, Oct. 10, 2019. Turkish President Recep Tayyip Erdogan says that there hav ...
Boden-Truppen der mit der Türkei verbündeten Freien Syrischen Armee stürmen das kurdische Gebiet im Norden Syriens.Bild: AP
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Warum die Türken scheitern werden – in 3 Punkten

Eine Analyse zur türkischen Militäroffensive gegen die Kurden in Syrien.
10.10.2019, 22:1611.10.2019, 15:29
Thomas Seibert aus Istanbul / ch media
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Mehr als 100 Tote und mehr als 60 000 Menschen auf der Flucht: Das ist das traurige Ergebnis zwei Tage nach dem Start der türkischen Offensive im Norden Syriens. Die türkische Regierung betrachtet die Militärintervention «Operation Friedensquelle» als legitimes Mittel, um kurdische Extremisten im Nachbarland zu bekämpfen und die Rückkehr syrischer Flüchtlinge in ihr Heimatland zu ermöglichen.

Doch Ankara wird die gewünschten Ziele kaum erreichen. Es gibt drei gewichtige Gründe dafür, wieso die Militäraktion scheitern dürfte:

Unrealistische Ziele

Die Türkei verfolgt mit dem Einsatz völlig unrealistische politische Ziele. Zwar hat die Türkei ein berechtigtes Interesse daran, sich vor der kurdischen Arbeiterpartei PKK und deren syrischen Ableger YPG zu schützen. Beide Gruppierungen erachtet Ankara als Terrororganisationen.

Doch der Einmarsch wird das türkische PKK-Problem nicht lösen. Ohne politische Initiativen zur Lösung der Kurdenfrage wird die Wirkung des Angriffs rasch verpuffen. Westlich vom derzeitigen Einsatzgebiet hält die Türkei seit mehr als drei Jahren syrisches Gebiet besetzt, ohne dass Ankara diese Gegenden bisher dauerhaft befrieden konnte.

Es ist zudem sehr unwahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit mehrere Millionen Syrer aus der Türkei in neue Dörfer in der angestrebten «Sicherheitszone» in Syrien gebracht werden können, wie Ankara das anstrebt. Die meisten Syrer in der Türkei kommen aus anderen Gegenden des Bürgerkriegslandes und werden kaum freiwillig in ein Gebiet ziehen, das ihnen fremd ist. Ohne Frieden in ganz Syrien werden die allermeisten Flüchtlinge auch in Zukunft in der Türkei bleiben wollen.

Die Türken sind alleine

Zweitens hat sich Ankara mit der Militäraktion international isoliert: Amerikanische Politiker beider Parteien arbeiten sogar an Sanktionen gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich. Die türkische Regierung wurde von den überwiegend negativen Reaktionen kalt erwischt. Er habe nicht gewusst, dass die kurdischen Extremisten im Ausland so beliebt seien, sagte Aussenminister Mevlüt Cavusoglu voller Enttäuschung.

Ankara hat sich mit der Militärintervention international isoliert.

Wegen der Kritik des Westens fehlt auch die Unterstützung, die für die Umsiedlung syrischer Flüchtlinge in die geplante «Sicherheitszone» nötig wäre. Die EU liess die Türkei bereits wissen, dass sie sich nicht an den geschätzten Kosten von 23 Milliarden Euro für das Projekt beteiligen wird.

Die Türkei kann darüber hinaus auch nicht darauf hoffen, von anderen Staaten bei der Befriedung besetzter Gebiete in Syrien unterstützt zu werden. Nicht einmal Russland oder der Iran, mit denen die Türkei in Syrien zusammenarbeitet, haben bisher Unterstützung für den Angriff erkennen lassen.

Insbesondere die Zukunft der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) wird darüber entscheiden, ob die türkische Syrien-Mission am Ende international als Erfolg oder Misserfolg gewertet wird. Sollte der IS wegen der türkischen Militäraktion seine Macht wieder ausbauen können und Gefangene aus den Gefängnissen in der Region befreien, wird Ankara international am Pranger stehen.

Innenpolitische Probleme bleiben

Und schliesslich wird Erdogans Regierung ihre innenpolitischen Probleme mit Hilfe des Syrien-Feldzugs nicht lösen können. Manche Beobachter erwarten, dass sich der Präsident mit einem relativ kurzen Einmarsch zufrieden geben wird, um sich vor den Wählern als erfolgreicher Feldherr präsentieren und danach vorgezogene Neuwahlen ausrufen zu können.

Die meisten Türken nehmen die Intervention allerdings nur als notwendiges Übel hin, von Kriegsbegeisterung ist nichts zu spüren. Wichtiger für die meisten Wähler ist die schlechte Lage der Wirtschaft – und da hilft der Krieg nicht, im Gegenteil: Die türkische Lira verliert wegen der US-Sanktionsdrohungen an Wert. Zudem hat Erdogan hohe Erwartungen an eine baldige Rückführung von Millionen Flüchtlingen geweckt, die er kaum erfüllen kann. Die Syrien-Intervention könnte sich für den Präsidenten als Bumerang erweisen. (bzbasel.ch)

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62 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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pun
10.10.2019 22:23registriert Februar 2014
Ich stehe für Rojava ein, dennoch stört mich "die Türken" im Anhang. Die Ziele sind die eines zynischen macht- und prunkbesessenen Nachwuchs-Diktators. Sicher nicht die von Millionen Türken, die auch nur friedlich und in Wohlstand ihr Leben leben wollen.
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Randy Orton
10.10.2019 23:47registriert April 2016
„ Zwar hat die Türkei ein berechtigtes Interesse daran, sich vor der kurdischen Arbeiterpartei PKK und deren syrischen Ableger YPG zu schützen.“ - ist das euer Ernst?
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TobaFett
10.10.2019 23:14registriert Februar 2016
Und weswegen genau muss sich die Türkei von der YPG schützen? Haben die jemals einen Anschlag oder Ähnliches in der Türkei gemacht? Nicht das ich wüsste. Lasse mich gerne eines besseren belehren.
Der Angriff dient doch nur dazu, den Kurden im eigenen Land zu zeigen, was ihnen droht, wenn sie auf ihre Autonomie pochen wollen.
Und schliesse mich pun an das "die Türken" ist alles andere als gut gewählt und wirft alle aus diesem Land in denselben Topf wie Erdogan und co...
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