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Analyse

So gefährlich sind die Trump-Terroristen

FILE - Trump supporters use their cell phones to record events as they gather outside the Capitol, Jan. 6, 2021, in Washington as Congress prepares to affirm President-elect Joe Biden's victory.  ...
Bild: keystone
Analyse

So gefährlich sind die Trump-Terroristen

Es gibt geschätzte 15 Millionen gewaltbereite Trump-Anhänger in den USA. Das sind die wichtigsten Gruppierungen.
15.01.2021, 15:4315.01.2021, 20:57
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Als Michael Cohen, Trumps Ex-Anwalt, bei einem Hearing im Kongress auftrat, erklärte er, dass sein ehemaliger Chef niemals direkte Befehle erteile. Stattdessen gebe Trump vage Anweisungen, deren Bedeutung jedoch allen klar sei.

Im Englischen nennt man dies «dog whistle». Wie bei der Hundepfeife werden die Signale von denen verstanden, die sie verstehen müssen.

Eine der bekanntesten verschlüsselten Botschaften an seine Fans war Trumps berüchtigte Birther-Kampagne gegen Barack Obama. Seine Behauptung, der 44. US-Präsident sei nicht in Hawaii, sondern in Kenia geboren worden und daher kein legitimer Präsident, war offensichtlich falsch. Doch die Trump-Fans wussten, was gemeint war: Obama ist ein Schwarzer und muss weg.

epa08923573 A screen grab from a video message posted by US President Donald J. Trump on Twitter showing US President Donald J. Trump addressing his supporters, after supporters stormed the US Capitol ...
Nur Show? Trump verurteilt die Gewalt in einem Video.Bild: keystone

Trumps jüngstes Dog-Whistle-Signal lautet wie folgt: «We will never concede.» (Wir werden niemals nachgeben). Der scheidende Präsident hat in mehreren Videos die Gewalt vom 6. Januar bedauert und auch verurteilt. Er hat jedoch noch nie Joe Bidens Sieg anerkannt. Seine Anhänger schliessen daraus, dass ihr Führer zwar Lippenzugeständnisse macht, weil sich dies nun mal nicht vermeiden lässt, dass er ihnen jedoch gleichzeitig mitteilt, dass der Kampf weitergehen soll.

Diesmal wird die Botschaft auch von den Sicherheitskräften ernst genommen. Polizei und FBI sind in Alarmstimmung. 10’000 Soldaten der Nationalgarde sind bereits in der US-Hauptstadt einmarschiert. Das sind mehr «boots on the ground» als in Irak, Afghanistan und Syrien. Nochmals so viele werden am 20. Januar erwartet. Dann findet Joe Bidens Inaugurationsfeier statt.

Dieser Sicherheitsaufwand ist nicht übertrieben. Sicherheitsexperten schätzen, dass rund 15 Millionen Trump-Anhänger bereit sind, Gewalt anzuwenden. Das FBI hat schon länger einheimische Terroristen als grösste Gefahr für das Land bezeichnet.

epa08937459 National Guard troops march past the US Capitol building as day breaks in Washington, DC, USA, 14 January 2021. At least twenty thousand troops of the National Guard will be deployed in Wa ...
Soldaten der Nationalgarde gehen vor dem Kapitol in Stellung.Bild: keystone

Die einheimischen Milizen konnten sich lange Zeit ungestört ausbreiten. Das Budget zu ihrer Bekämpfung wurde zwischen 2017 und 2019 von 21 auf weniger als 3 Millionen Dollar reduziert, wie das Magazin «The New Yorker» meldet. Diese Milizen bestehen längst nicht mehr aus übergewichtigen weissen Männern, die keine Frauen finden. Videos des Sturms auf das Kapitol zeigen, wie gut ausgerüstete fitte Männer in Militäranzügen sehr gezielt durch die Massen schreiten und den Aufstand orchestrieren.

Die gewaltbereiten Trump-Anhänger lassen sich grob in drei sich überschneidende Obergruppen einteilen. Am Harmlosesten sind die gewöhnlichen Männer und Frauen, die wegen der permanenten Wiederholung der «grossen Lüge» – die falsche Behauptung, Trump habe die Wahlen gewonnen – inzwischen auch tatsächlich daran glauben und deswegen ausser sich vor Wut sind.

Die zweite Gruppe sind die QAnon-Anhänger, eine Sekte, die der absurden Verschwörungstheorie huldigt, eine Elite von Demokraten und Hollywood-Stars trinke das Blut von getöteten Kindern und wolle die Weltherrschaft an sich reissen. In Trump sehen sie den Erlöser, der sie vor dieser Gefahr retten wird.

FILE - In this Jan. 6, 2021, file photo, supporters of President Donald Trump are confronted by U.S. Capitol Police officers outside the Senate Chamber inside the Capitol in Washington. Online support ...
Der QAnon-Schamane (Mitte) im Kapitol.Bild: keystone

Die QAnon-Anhänger waren beim Sturm auf das Kapitol zahlreich vertreten. Am bekanntesten ist das Bild des «Schamanen», der in Wikingermontur und Indianerbemalung für die Fotografen posierte. (Inzwischen ist er im Knast und seine Mutter klagt, dass er dort kein biologisches Essen erhält.)

Die Wahl von Joe Biden schien zunächst für die QAnon-Anhänger ein fataler Schlag zu sein. Ihr «Plan» hatte nämlich vorgesehen, dass Trump die Wahlen gewinnen und der kinderfressenden Elite dann den Garaus machen würde.

Doch inzwischen gibt es bereits einen neuen «Plan». Hinter dem Sturm aufs Kapitol stünden gar nicht Trump-Terroristen, so die neue Einschätzung, sondern die linksextreme Antifa. Deshalb gelte es nun, die Demokraten so rasch als möglich wieder aus dem Weissen Haus zu jagen.

epa08937766 (FILE) - Supporters of US President Donald J. Trump and his baseless claims of voter fraud breach stand outside the Senate chamber during their protest against Congress certifying Joe Bide ...
Inzwischen verhaftet: Der Mann mit der Flagge der Konföderation.Bild: keystone

So irr die Thesen von QAnon auch scheinen mögen, sie haben grosse Verbreitung gefunden. Twitter allein hat in den letzten Tagen rund 70’000 QAnon-Konten gelöscht.

Die dritte Obergruppe bilden die Milizen, bestehend aus meist weissen Männern. Bisher handelte es sich dabei um lokale Gruppen, die nur lose verbunden waren. Dazu zählen auch ein paar durchgeknallte Neonazis und Ku-Kux-Klan-Anhänger.

Am gefährlichsten jedoch sind die Proud Boys, die Oath Keepers und die Boogaloo-Bewegung. In all diesen Gruppen sind Männer versammelt, die der extremen Rechten angehören, die sich als Avantgarde verstehen und die aktiv versuchen, einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Wie alle Bewegungen dieser Art haben diese Gruppierungen teils ideologische Unterschiede. Doch im Kampf um das Weisse Haus haben sie diese Unterschiede vorübergehen beiseite gelegt.

Was genau am kommenden Wochenende und bei der Inauguration am Mittwoch abgehen wird, ist unklar. Ein erneuter Sturm auf das Kapitol ist angesichts der getroffenen Sicherheitsmassnahmen unwahrscheinlich. Das Gewalt-Potenzial ist jedoch gewaltig. Auf einer FBI-Liste einheimischer Terroristen sind Hunderttausende Namen aufgelistet. Die «Washington Post» hat vermeldet, dass sich Dutzende von ihnen am 6. Januar in Washington aufgehalten haben. Anschläge in einzelnen Bundesstaaten sind sehr wohl möglich.

Members of the Proud Boys and counter protesters engage with each other during a rally on Wednesday, Jan. 6, 2021, at the Ohio Statehouse in Columbus, Ohio. Hundreds of supporters of President Donald  ...
Die Proud Boys in Aktion.Bild: keystone

Unter dem Druck der rechtsextremen Gruppen radikalisiert sich auch die Grand Old Party (GOP). Bereits befinden sich in den Reihen der republikanischen Abgeordneten zwei Anhängerinnen von QAnon, Marjorie Taylor Green und Lauren Boebert. Taylor Green will bereits am ersten Tag nach der Inauguration ein Impeachment-Gesuch gegen Präsident Biden einreichen.

Andere Abgeordnete der GOP gebärden sich immer wilder. Während der Belagerung haben sie sich geweigert, Masken zu tragen. Nun wollen sie nicht durch einen Metalldetektor schreiten, der allfällige Schusswaffen entdecken soll.

Vor allem schiessen sie sich gnadenlos auf vermeintliche Verräter ein, derzeit auf Liz Cheney. Die Tochter des ehemaligen Vizepräsidenten hat sich zusammen mit neun weiteren republikanischen Abgeordneten für ein Impeachment gegen Trump ausgesprochen. Deswegen soll sie nun sofort aus dem Führungsgremium der GOP entfernt werden.

Für die Trump-Terroristen war der Sturm aufs Kapitol erst der Anfang. Die Dog-Whistle-Botschaft ihres Führers ist angekommen. «Die offensichtlichste Konsequenz der letzten Woche ist die Tatsache, dass die Rechte ermutigt ist, nach Washington zurückzukehren», stellt Keeanga-Yamahtta Taylor im «New Yorker» fest.

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Trump-Anhänger stürmen Kapitol
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Trump-Anhänger stürmen Kapitol
Am 6. Januar 2021 wurde das Kapitol in Washington von Trump-Anhängern gestürmt.
quelle: keystone / manuel balce ceneta
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Chaos in Washington
Video: watson
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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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TanookiStormtrooper
15.01.2021 16:00registriert August 2015
Können wir bitte aufhören den durchgeknallten Vollidioten einen "Schamanen" zu nennen? Der Typ trägt Rechtsradikale Tattoos und ist nichts weiter als ein Neo-Nazi. Die QAnon-Bewegung darf man übrigens gleich auch als Rechtsradikal bezeichnen, da geht es auch gegen Juden und sonstige Minderheiten.
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Nurol
15.01.2021 15:53registriert November 2017
tja, es wird immer klarer, dass die Rechtsextremen mit Abstand die grösste Gefahr darstellen. Das war ja früher schon mal so. Und QAnon-Spinner haben nun in einem Parlament gar nichts verloren, aber auch gleich gar nichts.
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Back in Time
15.01.2021 19:37registriert November 2019
Da stürmen x irregeleitete Kriminelle das Kapitol und zeigen ganz offen, dass sie rechtsextrem etc. sind. Und dann kommt jemand und behauptet, das seien 'linke Antifa'? Wie absurd ist das denn, bitte?
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