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Armenien: Türkei greift in Konflikt in Berg-Karabach ein

In this photo taken from video released by the Azerbaijan's Defense Ministry on Thursday, Oct. 1, 2020, Azerbaijan's forces attack Armenian army's artillery gun during fighting in the s ...
Eine aserbaidschanische Kampfdrohne nimmt eine armenische Artilleriebatterie unter Beschuss, 1. Oktober. Bild: keystone

«Ausmass der Offensive ist beispiellos» – Armenien erhebt schwere Vorwürfe an Türkei

04.10.2020, 04:3204.10.2020, 13:17
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Im Konflikt um die Region Berg-Karabach hat Armenien der Türkei vorgeworfen, an den Gefechten direkt beteiligt zu sein. «Es gibt 150 hochrangige türkische Offiziere, die die Militäroperationen Aserbaidschans leiten», sagte der armenische Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan am Samstagabend in einer Ansprache an sein Volk. «Das Ausmass der Offensive ist beispiellos.»

Zuvor hatte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev gesagt, die Türkei als Verbündeter seines Landes sei nicht in den Konflikt verwickelt. Am Wochenende gingen die Gefechte im Südkaukasus unvermindert weiter – trotz Appellen zu einer Waffenruhe.

epa08717934 A handout photo made available by the Armenian Government Press Office shows Armenian Prime Minister Nikol Pashinyan holds a televised address to the nation in Yerevan, Armenia, 03 October ...
Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan.Bild: keystone

Es gebe Kämpfe über die gesamte Frontlinie hinweg, sagte Paschinjan. «Wir stehen vor einem schicksalhaften Kapitel unserer Geschichte.» Das armenische Volk sei Ziel Aserbaidschans und der Türkei, sagte der Regierungschef. Laut armenischer Agentur Armenpress telefonierte er am Samstagabend zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und habe sie über die Beteiligung türkischer Militäroffiziere informiert.

Aliyev wiederum dankte am Abend in einem von seinem Büro veröffentlichten Brief dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für seine Unterstützung. Konkret verwies er darauf, dass die Türkei das Vorgehen Armeniens verurteile.

In this photo provided by the Azerbaijan's Presidential Press Office, Azerbaijani President Ilham Aliyev and his wife Mehriban Aliyeva visit the Central Military Clinical Hospital of the Defence  ...
Aliyev beim Besuch eines Militärspitals, 30. September.Bild: keystone

Aserbaidschan hatte am Abend erneut Geländegewinne für sich reklamiert. Der Präsident schrieb bei Twitter, dass die Ortschaft Madagisin von der Armee erobert worden sei. «Ich gebe dem befreiten Madagisin seinen historischen Namen zurück – Suqovuşan», betonte das Staatsoberhaupt. Eine unabhängige Bestätigung für die Eroberung gab es nicht. Das Dorf befindet sich am strategisch wichtigen Sarsang-Stausee, der die Wasserzufuhr für den Fluss Terter in der östlich gelegenen Ebene kontrolliert.

In der Nacht war die Lage nach armenischen Angaben zunächst vergleichsweise ruhig. Zuvor hatten die Behörden der Hauptstadt Stepanakert berichtet, dass die Stadt in Berg-Karabach von der aserbaidschanischen Seite beschossen worden sei. Die beiden verfeindeten Länder hatten den Tag über von Gefechten in mehreren Regionen gesprochen. Armenien teilte mit, Kampfflugzeuge des Gegners abgeschossen zu haben.

Gegenseitiges Zuschieben der Verantwortung

Seit mittlerweile einer Woche liefern sich die beiden Staaten schwere Gefechte in dem von Armenien kontrollierten Gebiet in Aserbaidschan. Diese gehen weit über die Scharmützel hinaus, die es zuletzt immer wieder in der Region gab. Beide Seiten schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die neuerliche Eskalation zu.

Die beiden Länder kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145'000 Menschen leben. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe.

Offizielles Gremium für die Vermittlung zwischen den beiden verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken ist die so bezeichnete Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Gruppe forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen sowie eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Paschinjan brachte zudem russische Friedenstruppen ins Gespräch. Darüber solle in der Minsk-Gruppe diskutiert werden, meinte er.

Aserbaidschan sei nicht für die Zusammensetzung dieser Gruppe verantwortlich, sagte Aliyev dem Fernsehsender Al-Dschasira. Wenn heute über eine Besetzung dieser Gruppe zu entscheiden wäre, die auch Frieden fördern könne, «wäre die Zusammensetzung natürlich völlig anders gewesen».

Moskau will russische Friedenstruppen nur mit Einverständnis von Eriwan und Baku in die Krisenregion schicken. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstagabend, wie der Sender RBK berichtete. «Friedenstruppen können nur bei Zustimmung beider Seiten stationiert werden», wurde er zitiert. (sda/dpa)

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Marc Stehlin
04.10.2020 10:37registriert Mai 2020
Schon einmal begangen die Osmanen (Türken) Völkermord und leugnen es heute noch ab. Jetzt nach 100 Jahren machen sie es indirekt in dem sie Aserbaidschan mächtig zur Hilfe stehen. Was macht der Rest der Welt? Diplomatische Verhandlungen. Dies heisst, einmal mehr die Augen zu drücken.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Leugnung_des_V%C3%B6lkermords_an_den_Armeniern
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Nelson Muntz
04.10.2020 09:17registriert Juli 2017
Und die UEFA wird wohl weiterhin Baku als EM-Spielort wollen...
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Phüdlibürger
04.10.2020 09:13registriert August 2020
Die EU hätte es in der Hand, die Türken zu stoppen. Stattdessen setzt allen voran die Bundeskanzlerin auf Dialog statt auf Sanktionen. Derweil geht der Völkermord an den Armeniern in die zweite Runde.
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