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Nicht nur die Demonstranten sind abgezogen. Was hinterlässt der Brexit?
Nicht nur die Demonstranten sind abgezogen. Was hinterlässt der Brexit?
Bild: AP/AP

Brexit: Wer alles das sinkende Schiff Britannia verlässt (Spoiler: nicht nur Ratten)

23.01.2019, 18:3424.01.2019, 14:53

Die Werbung hat nicht nur seine Produkte, sondern auch ihn selbst weltbekannt gemacht: der nette Herr Dyson. Neuerfinder des Staubsaugers, des Handtrockners und des Ventilators, Erschaffer des Wortes «Saugkraftverlust» . Seine Entwicklungen machten ihn zu einem der reichsten Briten und brachten ihm einen Adelstitel ein. James Dyson darf sich seit 2007 Sir James Dyson nennen.

Sir James Dyson ist ein glühender Verfechter des Brexit – wenn nötig auch ohne Deal. «Die werden schon zu uns kommen», pflegt er zu sagen und meint damit die EU-Unterhändler.

Nun hat seine Firma, sie ist zu 100% in seinem Besitz, nur wenige Wochen vor dem drohenden No-Deal-Brexit bekannt gegeben, dass sie sich aus dem Staub macht. Der Hauptsitz wird vom verschlafenen Malmesbury nach Singapur verlegt.

Ein Mann und sein Staubsauger: Sir James Dyson.
Ein Mann und sein Staubsauger: Sir James Dyson.
Bild: PPR

Der Umzug sei keine Folge des Brexits, heisst es von Seiten des Technologieunternehmens. Auf der britischen Insel sieht man das selbstverständlich anders. 

Wie der Guardian und der irische Independent berichten, wird die Liste der Firmen, welche die Insel fluchtartig verlassen, immer länger:

  • Sony verschiebt sein Europahauptquartier von London nach Amsterdam.
  • Die britische Grossbank HSBC verschiebt 1000 Jobs von London nach Paris.
  • Lloyd’s of London zieht mit 100 Leuten nach Brüssel und mit dem Hauptquartier von London nach Dublin.
  • JPMorgan verteilt hunderte von Jobs nach Dublin, Frankfurt und Luxemburg.
  • Das Fährunternehmen P&O Ferries wird in Zukunft unter zypriotischer Flagge zwischen Dublin und Liverpool sowie Calais und Dover fahren.
  • Der japanische Elektronikkonzern Panasonic verschiebt sein Europa-Hauptquartier von London nach Holland.
Die Pride of Kent fährt schon bald unter zypriotischer Flagge. 
Die Pride of Kent fährt schon bald unter zypriotischer Flagge. 

EY (früher Earnest & Young) überwacht hinsichtlich des Brexit 222 Firmen. 53 davon (24%) haben bestätigt, dass sie mindestens einen Teil ihrer Geschäfte aufs EU-Festland auslagern. Ca. 10'000 Jobs sind davon betroffen. Eine im Januar erschienene Studie kommt zum Schluss, dass bereits jetzt über eine Billion Dollar von der Insel aufs Festland verschoben wurde. Stichwort «Saugkraftverlust» – auch Dysons-Hochpreissauger könnten Londons Businessviertel nicht gründlicher ausmisten.

Die Firmen, die bleiben (müssen), bereiten sich bereits jetzt auf das am 29. März drohende Chaos vor. Englands grösster Händler für Haustierbedarf, Pets at Home, verkündete einen Notfallplan für den möglichen No-Deal-Brexit. Das Unternehmen will im grossen Stil Katzen- und anderes Haustierfutter bunkern. Die Tiere sollen nicht auch noch leiden.

Er kann gut lachen: Der Brite Fraser Patterson erhielt soeben die Deutsche Staatsbürgerschaft. Er bleibt damit nicht nur EU-Bürger, sondern wahrt damit auch die Chance, einmal im Leben zu erfahren, wie es sich anfühlt, Fussballweltmeister zu werden. 
Er kann gut lachen: Der Brite Fraser Patterson erhielt soeben die Deutsche Staatsbürgerschaft. Er bleibt damit nicht nur EU-Bürger, sondern wahrt damit auch die Chance, einmal im Leben zu erfahren, wie es sich anfühlt, Fussballweltmeister zu werden. 
Bild: EPA/EPA

Eine ähnliche Strategie fährt Dixons Carphone. Der Unterhaltungselektronikriese mit über 2000 Ladenlokalen will seine Lager bis unters Dach füllen, um möglichen Engpässen aus dem Weg zu gehen.

Im Falle eines harten Brexits sieht auch Bentleys CEO Adrian Hallmark schwarz – oder eben nicht. Die Luxusmarke war auf gutem Weg, nach einer längeren Baisse wieder zurück in die schwarzen Zahlen zu finden. Ohne Deal zwischen der EU und Grossbritannien droht der Fabrikationsstätte in Cheshire ein Produktionsstop. Profite gäbe es nicht mehr.

Es ist fünf vor zwölf und der Brexit ist noch immer eine unübersichtliche Baustelle. Grossbritannien steuert auf einen No-Deal-Brexit zu.
Es ist fünf vor zwölf und der Brexit ist noch immer eine unübersichtliche Baustelle. Grossbritannien steuert auf einen No-Deal-Brexit zu.
Bild: AP/AP

Nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft tappt im Dunkeln, was ein harter Brexit, auf den das Land im Moment zusteuert, bedeuten würde. Allgemein wird von Chaos, Stau und Überforderung an den Zollstellen in den Häfen ausgegangen.

Derweil haben sich prominente Brexit-Befürworter bereits aus dem Staub gemacht. Der reichste Mann des Landes, Sir Jim Ratcliffe, verlässt die Insel in Richtung Monaco. Brexit-Einfädler David Cameron hat sich laut Gerüchten nach Südfrankreich zurückgezogen. Man munkelt, der ehemalige Premierminister leide an einer Schreibblockade. Der Erscheinungstermin seiner Memoiren wurde bereits verschoben. Es scheint fast, als würden Camerons Vorhaben gerne mal in einem Kampf enden.

Greta Thunberg in Zürich

Video: srf/SDA SRF
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