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Neue Corona-Variante in Südafrika entdeckt – 7 Dinge, die du wissen musst

26.11.2021, 14:2926.11.2021, 19:27

Die Ausbreitung einer neuen möglicherweise sehr gefährlichen Mutation des Coronavirus im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst: Variante B.1.1.529 oder Variante Omikron (15. Buchstabe im griechischen Alphabet).

Die neue Variante soll etwa 30 Mutationen aufweisen.

Was wir bereits wissen und wie die Welt auf die neue Virus-Variante reagiert in 7 Punkten:

Anzahl der Ansteckungen

Bislang gebe es nur bestätigte Fälle in Südafrika, Botswana, Israel, Belgien und Hongkong.

Die ersten Fälle der Variante wurden am 11. November in Botswana gesammelt, der früheste Fall in Südafrika wurde drei Tage später registriert. Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD teilte am Donnerstag mit, es seien in Südafrika erste 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Der südafrikanische Gesundheitsminister, Joe Phaahla, bezeichnete die Variante als «ernsthaft besorgniserregend».

Bei dem in Hongkong gefundenen Fall handelte es sich um einen 36-jährigen Mann, der sich vom 22. Oktober bis zum 11. November in Botswana aufhielt.

Aktuell ist auch ein Fall in Israel bekannt. Zwei weitere Personen seien Verdachtsfälle, die noch auf ihre Testergebnisse warteten, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Die infizierte Person sei aus Malawi nach Israel zurückgekehrt. Die anderen beiden seien ebenfalls aus dem Ausland zurückgekehrt. Alle drei Personen seien geimpft worden. Ihr genauer Status werde derzeit überprüft. Es werde zudem nach weiteren Kontakten gesucht:

Belgien hat einen ersten Fall mit der neuen Corona-Variante registriert. Das gab der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt.

Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. «Obwohl die Datenlage noch beschränkt ist, machen unsere Experten mit allen Überwachungssystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit möglicherweise verbundenen Implikationen zu verstehen», sagte Phaahla.

BAG «analysiert die Lage»

Bild: keystone

Nachdem mehrere Staaten und die EU wegen einer neuen möglicherweise gefährlicheren Coronavirus-Variante aus dem südlichen Afrika die Flugreisen eingeschränkt haben, analysiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Lage. Massnahmen ergriff es noch nicht.

In der Schweiz analysiert das BAG die vorhandenen Daten, wie es am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Das Amt steht demnach im Austausch mit allen Akteuren innerhalb und ausserhalb der Verwaltung.

Die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO über die Coronavirus-Variante B.1.1.529 und deren Gefährlichkeit werde ebenfalls Einfluss auf das weitere Vorgehen der Schweiz haben, hiess es weiter. Sobald Entscheide gefallen sind, stellte das BAG weitere Informationen in Aussicht.

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes teilte auf Anfrage mit, die neue Variante verbreite sich schnell. Verglichen mit der aktuell in der Schweiz vorherrschenden Delta-Mutation des Virus sei ihr Potenzial, die Impfabwehr zu durchbrechen, grösser. Allerdings seien die Fallzahlen in Südafrika noch recht niedrig, obwohl sich B.1.1.529 dort gegen Delta durchzusetzen scheine.

Richard Neher, der Varianten-Experte der Taskforce, bezeichnete die neue Variante als bemerkenswert. Sie unterscheide sich an vielen Stellen im Spike-Protein von den ursprünglichen Varianten und kombiniere viele Mutationen, die aus anderen besorgniserregenden Varianten bekannt sind.

Viele dieser Veränderungen betreffen lauf Neher Stellen in dem Protein, an welche Antikörper anbinden. Damit sei vorstellbar, dass die Variante «sowohl sehr übertragbar ist, als auch Teilen der Immunantwort entkommt». Zudem habe die Forschung bisher keine Zwischenvarianten zwischen B.1.1.529 und denen von Anfang 2020 beobachtet.

Das sagen Wissenschaftler

Ein Virologe am Imperial College London, Tom Peacock, veröffentlichte Einzelheiten über die neue Variante auf einer Website, die Genvarianten des Virus thematisiert. Er schreibt, dass «die unglaublich hohe Anzahl von Spike-Mutationen darauf schliessen lässt, dass diese Mutation wirklich besorgniserregend sein könnte». Auf Twitter erklärte Peacock die neu Variante:

Der Direktor des UCL Genetics Institute, Francois Balloux, sagte gegenüber dem Guaridan, dass die grosse Anzahl von Mutationen in der Variante sich wohl «in einem einzigen Schub» entwickelt habe. Dies deute darauf hin, dass die Mutation sich während einer chronischen Infektion bei einer Person mit einem geschwächten Immunsystem passiert sei – möglicherweise einem unbehandelten HIV/Aids-Patienten.

«Die Wissenschaftler sind alle hoch alarmiert», sagte der deutsche Kanzleramtsminister Braun am Freitagmorgen im ARD-Morgenmagazin. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb auf Twitter: «Wir müssen Zeit gewinnen. Nichts ist schlimmer als eine neue Variante in eine laufende Welle hinein.» Wenn vorläufige Daten sich als korrekt herausstellten, «müssen sofort Reisebeschränkungen erfolgen».

Die Expertin Susan Hopkins von der britischen Behörde zur Gesundheitssicherung sagte dem Sender BBC, das neue Virus sei die bisher komplexeste Variante. Einige der Mutationen seien zuvor noch nicht bekannt gewesen. Deshalb sei offen, wie sie mit anderen Mutationen interagieren. Es müsse also weiter geforscht werden, um zu klären, ob das neue Virus übertragbarer und infektiöser sei und die Wirkung von Impfstoffen umgehen könne.

Der US-Immunologe Anthony Fauci schliesst wegen der besorgniserregenden neuen Variante des Coronavirus eine Einschränkung von Reisen aus dem südlichen Afrika in die USA nicht aus: «Das ist sicherlich etwas, worüber man nachdenkt und worauf man sich vorbereitet», sagte der Berater des Präsidenten am Freitagmorgen (Ortszeit) dem Sender CNN. Er betonte jedoch, dass aktuell noch nicht genug Informationen vorlägen. Auch dazu, ob die neue Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe mindere, könne er noch nichts sagen.

Der Statistiker und Daten-Journalist, John Burn-Murdoch, twitterte aufgrund der vorliegenden Daten, dass sich die neue Mutation sehr viel schneller verbreite, als die bisher bekannten – er betont aber, dass sich die Datenlage rasch verändern könne:

Emma Hodcroft von der Universität Bern hingegen ruft zur Ruhe auf: Man solle die neue Variante nicht überinterpretieren, da es zuerst noch mehr Daten brauche: «Wait for lab work.»

Impfschutz – und andere Massnahmen gegen das Virus

Die Wirksamkeit der Vakzine gegen diese Virusvariante ist noch unklar. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Der Impfstoff-Hersteller Biontech prüft, ob sein Corona-Vakzin auch gegen die neue, in Südafrika aufgetauchte Virusvariante wirkt: «Spätestens in zwei Wochen erwarten wir weiterführende Daten aus den Labortests», teilte Biontech am Freitag mit.
Diese Daten würden Aufschluss darüber geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich sei. Die Variante B.1.1.529 unterscheide sich deutlich von den bisher beobachteten Coronaviren. Biontech und sein US-Partner Pfizer hätten schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer resistenten Variante den mRNA-Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern.

Die Berner Epidemiologin Emma Hodcroft sagte in einem Interview mit den Online-Ausgaben der Tamedia-Zeitungen, über die Omikron-Variante gebe es noch wenige Daten. Die zahlreichen Mutationen an dem Virus könnten es dem Immunsystem erschweren, es zu erkennen. Allerdings seien das Laborergebnisse, und das Immunsystem sei zu kompliziert, um sich im Labor nachbilden zu lassen. Die Impfung bleibe aber in jedem Fall sinnvoll, sagte Hodcroft. Möglicherweise werde sie gegen die Omikron-Mutation weniger effektiv sein. Es sei aber unwahrscheinlich, dass sie komplett nutzlos werde.

Phaahla erklärte: Die neue Variante bestätige die «Tatsache, dass dieser unsichtbare Feind sehr unvorhersehbar ist». Phaahla betonte aber auch:

«Wir haben auch das zusätzliche Mittel der Impfungen, das uns helfen wird, schwere Erkrankungen zu vermeiden, einschliesslich, dass wir in Klinik enden oder sogar dem Virus zum Opfer fallen»

Zudem rief er die Südafrikaner auf, Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Maske tragen (und Abstand halten).
Maske tragen (und Abstand halten).Bild: keystone

Einschränkung des Flugverkehrs und Einreisebeschränkungen

Grossbritannien und Israel schränkten wegen der Virus-Mutation vorsorglich den Flugverkehr in die betroffenen Staaten ein.

Israel stufte die Länder Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini als «rote Länder» ein. Ausländer dürften aus diesen Ländern nicht mehr nach Israel einreisen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten Naftali Bennett mit. Israelis müssen bei einer Heimkehr aus diesen Ländern für bis zu 14 Tage in Quarantäne in ein Corona-Hotel, können sich aber nach einer Woche mit zwei negativen PCR-Tests freitesten.

Die britische Regierung schränkt wegen der neuen Virusvariante den Flugverkehr aus Südafrika, Lesotho, Botsuana, Simbabwe, Eswatini und Namibia ein. Zudem gelte für Ankommende eine strenge Pflicht zur Hotelquarantäne, teilte Gesundheitsminister Sajid Javid mit.
Der Flugverkehr aus den sechs Ländern solle von Freitagmittag an eingestellt werden.
Täglich kämen laut der Nachrichtenagentur PA 500 bis 700 Menschen allein aus Südafrika in dem Land an. Über die Weihnachtszeit wird mit einer höheren Zahl gerechnet.

Die Fluggesellschaft Swiss hat vorerst nicht vor, ihre Flüge nach Südafrika einzustellen. «Stand jetzt plant Swiss, den Flugbetrieb nach Südafrika aufrechtzuerhalten, um weiterhin Passagiere nachhause zu befördern und Fracht zu transportieren», sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Man stehe allerdings in Kontakt mit den Behörden, um allfällige Vorgaben sofort umzusetzen. Die Swiss fliegt nach Angaben eines Sprechers nur Johannesburg an. Der nächste Flug findet am Samstag, 27. November, statt. Bisher sei dieser Flug noch nicht gestrichen worden.

Die Fluggesellschaft Edelweiss hat laut einem Sprecher nur die Destination Kapstadt im Angebot. Der nächste Flug findet am Montag, 29. November, statt. Edelweiss gibt an, dass sie die Entwicklung laufend beobachte. «Ob die Behörden Weisungen für die Luftfahrt erlassen, ist derzeit noch nicht bekannt», sagte ein Sprecher.

Die deutsche Lufthansa hält die Flugverbindungen in das Virusvariantengebiet Südafrika vorerst aufrecht. «Wir setzen die Vorgaben um und werden weiter fliegen, auch um Menschen nach Hause zu bringen und Fracht zu transportieren», sagte ein Lufthansasprecher am Freitagmorgen auf Anfrage.

Wegen der Ausbreitung einer neuen möglicherweise gefährlicheren Variante des Coronavirus will die EU-Kommission Reisen aus dem südlichen Afrika in die EU auf ein absolutes Minimum beschränken. Die Brüsseler Behörde werde den EU-Staaten vorschlagen, die dafür vorgesehene Notbremse auszulösen um den Luftverkehr auszusetzen, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mit. Die Echtheit des Tweet wurde der Deutschen Presse-Agentur bestätigt.

Auch Frankreich verhängt wegen des Aufkommens der neuen Corona-Variante ein Landeverbot für Flüge aus dem südlichen Afrika. Dieses gelte ab sofort für wenigstens 48 Stunden, teilte Premierminister Jean Castex am Freitag in Paris mit.
Reisende aus Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini dürften unabhängig von ihrem Impfstatus für wenigstens 48 Stunden nicht nach Frankreich einreisen.

Italien kündigte ebenfalls Einschränkungen an. Wer in den vergangenen 14 Tagen in Südafrika, Lesotho, Botsuana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini gewesen sei, könne nicht nach Italien einreisen, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit.

Österreich verbot wegen der neuen Corona-Variante die Einreise aus Südafrika und einigen anderen afrikanischen Staaten. Nur Österreicher, die sich in Südafrika, Namibia, Botswana, Simbabwe und Mosambik aufhielten, dürften noch in ihre Heimat zurückkehren, gab das Gesundheitsministerium bekannt. Sie müssten aber besonders strenge Quarantäne-Bedingungen beachten.

WHO-Sprecher Christian Lindmeier sagte am Freitag in Genf, Staaten könnten auch ohne Reise-Einschränkungen eine Reihe von Massnahmen ergreifen, um die Ausbreitung von neuen Varianten einzudämmen.

WHO prüft, ob «besorgniserregende» Variante

Ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird am Freitagnachmittag über die Einstufung der neuen Corona-Variante B.1.1.529 beraten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersucht derzeit, ob die neue Corona-Varianteals besorgniserregend eingestuft werden muss. Das sagte WHO-Expertin, Maria van Kerkhove, am Donnerstag in einem Briefing.

Es werde dabei auch untersucht, inwieweit die Variante auch Folgen für die Diagnostik, Therapien und die Impfkampagnen habe. Van Kerkhove sagte:

«Es wird ein paar Wochen dauern, bis wir verstehen, welchen Einfluss diese Variante hat.»

Die WHO hat für die unterschiedlichen Corona-Variante mehrere Kategorien. Eine davon ist die Kategorie «Variant of Concern», auf deutsch «besorgniserregende Variante».

Eine der «Variants of Concern» ist etwa die derzeit in der Schweiz und Deutschland vorherrschende Delta-Variante des Coronavirus. Zu den Merkmalen einer solchen Variante kann etwa gehören, dass sie nachgewiesenermassen die Übertragbarkeit des Coronavirus erhöht hat.

Reaktion der Börse

Der Wochenschluss am Schweizer Aktienmarkt fällt tiefrot aus. «Mitten in die vierte Corona-Welle hinein taucht eine neue Variante auf», heisst es in einem Marktkommentar. Die Variante aus Südafrika mit Namen B.1.1.529 drohe die in Europa vorherrschende Delta-Variante an Gefährlichkeit in den Schatten zu stellen. Sie weise schon jetzt mehr als 30 Mutationen auf und soll ersten Berichten zufolge deutlich ansteckender sein und den Impfschutz leichter durchdringen.

Die neue Virus-Variante trifft Europa in einer Zeit, in der die Inzidenzen und Hospitalisierungsraten ohnehin rasant ansteigen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit für schärfere Massnahmen in den kommenden Wochen, was sich wiederum negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken könnte.

Der Schweizer Leitindex SMI sackt gegen 09.20 Uhr um 2,22 Prozent ab auf 12'173,35 Punkte. Er schlägt sich damit aber deutlich besser als seine europäischen Pendants, was nicht zuletzt an seiner defensiven Ausrichtung liegt. So rutschen Indizes wie der deutsche DAX, der britische FTSE oder auch der französische CAC 40 zwischen 3,5 und 4,4 Prozent ab.

Auch in Asien hatten die Börsen teilweise mit deutlichen Abgaben reagiert. Der japanische Nikkei etwa verabschiedete sich mit einem Tagesverlust von 2,5 Prozent ins Wochenende.

Auf Aktienseite trifft dies vor allem jene Papiere aus stark exponierten Branchen, wie etwa Reise-Aktien oder auch die Uhrenhersteller.

Doch nicht nur die Aktenmärkte geraten ins Taumeln. Auch an den Devisen- und Rohstoffmärkten macht sich die Angst bemerkbar. Während sichere Häfen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen gesucht sind, fallen die Preise für Rohöl aus Angst vor einer wirtschaftlichen Abkühlung zurück.

«Der Auslöser war die Nachricht von der Corona-Variante und die Ungewissheit darüber, was dies bedeutet»

Das sagte der Leiter der Devisenstrategie bei der National Australia Bank in Sydney, Ray Attrill. «Man reagiert zuerst und stellt später Fragen, wenn diese Art von Nachrichten aufkommt», so Attrill.

(yam/sda/dpa/reuters)

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