DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wie sich Covid auf die Leistung von Joshua Kimmich auswirkt, steht derzeit noch in den Sternen.
Wie sich Covid auf die Leistung von Joshua Kimmich auswirkt, steht derzeit noch in den Sternen.Bild: keystone
Interview

Forscher warnt vor Corona-Folgen bei Fussballern: «Leistung sinkt um 5 bis 6 Prozent»

25.11.2021, 13:5826.11.2021, 08:16
nikolai stübner, lukas grybowski / watson.de

Kaum aus der Quarantäne entlassen, musste sich Bayern-Profi Joshua Kimmich am vergangenen Freitag schon wieder in Isolation begeben, weil er mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatte. Jetzt kam heraus, dass sich Kimmich bei diesem Kontakt sogar infiziert hat. Ab dem Tag seines positiven Tests muss er jetzt 14 Tage in häuslicher Quarantäne bleiben.

Das heisst, dass Kimmich auch das Bundesliga-Top-Spiel gegen Erzrivale Borussia Dortmund (4. Dezember) verpassen würde. Kimmich hatte sich zunächst gegen eine Impfung entschieden und bei Sky erklärt: «Weil ich einfach für mich warten will, was Langzeitstudien angeht. Trotzdem bin ich mir meiner Verantwortung bewusst. Ich halte mich natürlich an die Hygienemassnahmen.»

Offenbar hat das allerdings nichts gebracht. Am frühen Mittwochabend wurde bekannt, dass er dennoch infiziert ist. Zunächst berichtete die «Bild»-Zeitung, später bestätigten die Bayern in zwei kurzen Sätzen: «Joshua Kimmich befindet sich in häuslicher Isolation, nachdem er positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Dem Mittelfeldspieler des FC Bayern geht es gut.»

Das ist für den Moment die Hauptsache – aber neben akuten Erkältungssymptomen und einem schlimmen Verlauf könnte eine Corona-Infektion auch gravierende Langzeitfolgen haben. Das zeigt eine Studie der Uni Düsseldorf.

Im Gespräch mit watson erklärt James Reade, einer der Autoren der Studie, wie sich Corona auf Profifussballer auswirkt und warum es so wichtig ist, dass sich Spieler wie Joshua Kimmich, Serge Gnabry und auch Jamal Musiala impfen lassen.

Watson: Professor Reade, Sie und andere Wissenschaftler haben die Folgen untersucht, die eine Corona-Infektion bei einem Profifussballer nach der überstandenen Krankheit auslöst. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
James Reade: Hauptsächlich fanden wir heraus, dass sich die Leistung zunächst zwischen fünf bis sechs Prozent verschlechtert, nachdem der Spieler wieder fit ist. Sie erholen sich danach langsam und selbst ein Jahr nach der Covid-Infektion sind sie noch nicht wieder so leistungsfähig wie vor der Infektion.

Zur Studie
In der Studie «The Long Shadow of an Infection: COVID-19 and Performance at Work» (zu Deutsch: Der lange Schatten einer Infektion: Covid-19 und die Leistung auf der Arbeit) untersuchten drei Wissenschaftler die Auswirkung einer Corona-Erkrankung auf Fussballprofis.

Von Beginn der Pandemie bis Juli 2021 sammelten die Forscher Daten aus der Bundesliga und der italienischen Serie A. In diesem Zeitraum gab es in beiden Ligen insgesamt 257 Spieler, die sich mit dem Corona-Virus infizierten. Davon konnten 233 Profis durch Zeitungsartikel, Mitteilungen der Klubs, Spieler oder Verbände identifiziert werden.

Dann sollte bestimmt werden, wie sich die Leistung nach einer Genesung einer Covid-Infektion verhält. Dafür bezogen sich die Wissenschaftler vor allem auf die Pass-Anzahl vor und nach der Infektion.

Können Sie die Ergebnisse vom Profisport auf die Gesellschaft übertragen?
Eine Generalisierung einer Analyse von nur einem Sektor ist immer schwer – besonders bei einem Sektor mit Eigenheiten wie der Profifussball. Das Besorgniserregende für den Rest der Gesellschaft ist, wenn man hier generalisieren kann, dass die meisten nicht so fit und gesund sind wie Profifussballer. Natürlich muss aber auch nicht jeder von uns solche physischen Leistungen erbringen wie Profifussballer. Ähnliche Belastungen haben wahrscheinlich nur Menschen, die im Bausektor arbeiten. Fussball ist auch eine mentale Herausforderung und viele Berufe in der Wirtschaft sind auch mental herausfordernd.

Granit Xhaka ist kein Teil der Studie, er hat sich erst in diesem Herbst mit Corona infiziert.
Granit Xhaka ist kein Teil der Studie, er hat sich erst in diesem Herbst mit Corona infiziert.Bild: keystone

Inwiefern?
Es ist schwer vorzustellen, dass es keinen Einfluss auf die geistige Leistung hat, in einem Wettbewerb wie dem Fussball. Man muss wach im Spiel sein, es lesen können und wissen müssen, welche Positionen man einnehmen muss, um in das Spiel der eigenen Mannschaft eingebunden zu werden.

«Der negative Effekt einer Infektion ist unter Spielern, die älter als 30 Jahre alt sind, schlimmer. Ihre Performance nimmt rund 10 Prozent ab.»
James Reade von der University of Reading über die Folgen einer Covid-Erkrankung

Sie messen die Leistung und die Produktivität hauptsächlich auf Grundlage der Pass-Anzahl. Warum ist das ein guter Indikator für die Leistung?
Heutzutage ist Fussball ein sehr schnelles und passintensives Spiel. Man muss in der Partie sein, um viele Pässe zu spielen. Das heisst, dass man ein gewisses Fitnesslevel braucht, um in die Positionen zu kommen, in denen du den Ball bekommst. Wie schon erwähnt, muss man auch schnell sein im Erkennen von Situationen und wissen, wie man sich freilaufen muss, um einen Pass zu bekommen und danach einen zu spielen.

In der Gesellschaft gehören ältere Menschen zu der vulnerablen Gruppe mit schlimmeren Verläufen als die junge Generation. Welche Rolle spielt das Alter bei Profifussballern?
Der negative Effekt einer Infektion ist unter Spielern, die älter als 30 Jahre alt sind, schlimmer. Ihre Performance nimmt rund zehn Prozent ab, während jüngere Spieler weniger betroffen sind.

Sie haben auch die Folgen einer Corona-Infektion mit den Folgen von anderen Verletzungen oder Atemwegserkrankungen verglichen. Was sind die Ergebnisse?
Es war offensichtlich, dass wir das checken mussten. Der Unterschied zwischen den Folgen ist riesig. Nach jeder anderen Verletzung oder Erkrankung sind die Spieler sehr schnell wieder auf dem alten Leistungslevel. Ausser bei Corona. Die Spieler brauchen länger. Das ist es auch, was mich zutiefst besorgt.

Die Bayern-Spieler Jamal Musiala und Serge Gnabry wollen sich nun offenbar doch impfen lassen.
Die Bayern-Spieler Jamal Musiala und Serge Gnabry wollen sich nun offenbar doch impfen lassen.bild: imago-images.de

Sie beziehen sich rein auf statistische Zahlen und vergleichen die Pässe vor und nach der Erkrankung. Haben Sie nach Ihrer Studie auch mit Wissenschaftlern aus der Medizin über Ihre Erkenntnisse gesprochen?
Ich hatte einige Gespräche mit Personen, die in Fussballklubs arbeiten. Sie erzählten auch, dass die Genesung von Spielern nach einer Covid-Erkrankung länger dauert. Und auch sie haben einen Leistungsabfall der Spieler feststellen können.

Wie steht es um die Anzahl der Minuten, die ein Spieler nach einer überstandenen Covid-Infektion spielt?
Man kann dort einen negativen Effekt feststellen, der am Anfang auch signifikant ist, nach ein paar Monaten aber insignifikant wird, weil der Effekt weniger wird. Wir interpretieren es so, dass es möglich ist, dass Spieler einfach schlechter spielen und deshalb früher ausgewechselt werden oder von der Bank starten, statt in der Startelf.

Nachdem Sie die Folgen einer Covid-Infektion untersucht haben ... Würden Sie Fussballer dazu motivieren, sich zu impfen?
Man muss zu unserer Studie sagen, dass sie bis zum Ende der Saison 2020/21 lief, also bevor der Grossteil der Spieler geimpft wurde. Unser Ergebnis zeigt, dass Impfungen eine gute Idee sind, da sie gezeigt haben, dass sie das Risiko einer Infektion reduzieren.

Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass sich vor allem Mittelfeldspieler mit Corona infizieren. Woran liegt das?
Das ist wirklich schwierig zu erklären, weil wir nur diese eine Untersuchung haben. Aber die Studie zeigt, dass die Übertragung von Corona nicht auf dem Fussballplatz erfolgt.

Wo denn dann?
Es passiert einfach in der Freizeit, wenn die Spieler zusammen sind. Ich glaube nicht, dass es damit zu tun hat, dass Mittelfeldspieler während einer Partie in zahlreiche Zweikämpfe und direkte Duelle verwickelt sind. Es liegt viel mehr daran, dass sie meist Führungsspieler sind und somit mit zahlreichen verschiedenen Personen in Kontakt kommen.

Werden Sie in Zukunft weiter über Covid und Profifussball forschen?
Wir haben einige Ideen, wie wir die Auswirkungen einer Corona-Infektion eines Profifussballers zusätzlich untersuchen können. Wir werden schauen, wie sich der Marktwert eines Spielers nach einer Corona-Infektion verändert hat und ob seine Karriere durch eine Infektion nachhaltig beeinflusst wurde. Und natürlich, mit mehr zeitlichem Abstand, können wir die langfristigen Folgen einer Corona-Infektion auf die Leistung von Profispielern bestimmen.

Und davon abgesehen?
Es wird interessant, zu beobachten, ob sich Corona auch unter den Fans im Stadion verbreitet und wie man die Zuschauer davor schützen kann. Es gibt also noch einige Fragen, die zu beantworten sind.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

22 Schweizer Prominente, die gegen Covid-19 geimpft sind

1 / 17
22 Schweizer Prominente, die gegen Covid-19 geimpft sind
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Warum die Covid-19 Impfung nicht unfruchtbar macht – in 2 Punkten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fribourg gewinnt spannendes Zähringer Derby + Der ZSC schlägt Biel + HCD-Wende in Lausanne

Fribourg-Gottéron gewinnt zum sechsten Mal in Folge ein Derby gegen den SC Bern. Ryan Gunderson trifft nach nur 23 Sekunden der Verlängerung zum 4:3.

Zur Story