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Kriegswaffen in Haus von RAF-Terroristin Daniela Klette gefunden

Daniela Klette wurde festgenommen
Bild: Keystone / collage watson

AK-47 in Wohnung von RAF-Terroristin gefunden – gesuchte Männer wohl auch in Berlin

29.02.2024, 15:0529.02.2024, 17:32
Christina sticht und thomas struk, dpa
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Für ihre Hausmitbewohner in Berlin-Kreuzberg war es am Mittwoch schon der zweite Schock: Erst erfuhren sie, dass ihre freundliche Nachbarin mit dem grauen Zopf eine seit mehr als 30 Jahre gesuchte RAF-Terroristin ist. Dann mussten die Bewohner des siebengeschossigen Mietshauses in der Sebastianstrasse auf Anordnung der Polizei ihre Wohnungen verlassen – zu ihrer eigenen Sicherheit.

Denn bei Daniela Klette, die mehr als 30 Jahre im Untergrund lebte, wurden «schwere Kriegswaffen» entdeckt, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden am Donnerstag sagte.

Am Mittwochabend mussten auch einige Bewohner eines weiteren Hauses ihre Wohnungen verlassen. Die Strasse war komplett gesperrt. Erst am frühen Donnerstagmorgen wurde die Sperrung aufgehoben. Bei der Durchsuchung der Wohnung Klettes wurden ein Kalaschnikow-Sturmgewehr (AK-47), eine Maschinenpistole und eine Kurzwaffe samt Munition gefunden. Das teilten das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft Verden am Donnerstag mit.

Mittwochabend hatten Kriminaltechniker eine Granate aus dem Haus getragen, am Donnerstagmorgen wurde ein weiterer wohl gefährlicher Gegenstand herausgetragen und in ein Spezialfahrzeug verladen. Die Ermittler gaben zunächst nur wenige Informationen heraus, auch weil nach Klettes RAF-Komplizen Ernst-Volker Staub oder Burkhard Garweg weiter mit Hochdruck gefahndet wird.

Am Donnerstag gaben sie allerdings bekannt, dass sich Staub und Garweg vermutlich auch in Berlin aufhalten.

Terroristin blieb 20 Jahre unentdeckt

Die linksextremistische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) war über Jahrzehnte der Inbegriff von Terror und Mord im Westen des noch geteilten Deutschlands. Angehörige der Opfer kritisierten nach der Festnahme Klettes die Behörden. «Die Tatsache, dass eine RAF-Terroristin 20 Jahre vom Verfassungsschutz unentdeckt und unbehelligt mitten in Berlin leben kann, ist mir unheimlich», sagte Jörg Schleyer der «Bild». Diesen Umstand müsse die Politik untersuchen und über Konsequenzen «nachdenken». Der 70-Jährige ist der jüngste Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

Klettes Festnahme am Montagabend durch Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen feierte die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) als «Meilenstein in der deutschen Kriminalgeschichte». Aber warum konnte die Linksterroristin nicht früher aufgespürt werden? Der Podcast «Legion» der Sender NDR und RBB entdeckte bereits im Dezember 2023 bei der Suche nach Daniela Klette eine Frau in Tanzgruppen in Berlin, die ihr täuschend ähnlich sah.

Podcast war Klette auf der Spur

Für den Podcast recherchierte Michael Colborne vom Recherchekollektiv «Bellingcat» mithilfe einer Gesichtserkennungssoftware. Grundlage waren Fahndungsfotos der jungen Klette. Er habe nur 30 Minuten gebraucht, um zu bestimmen, dass die Fotos auf der Internetseite eines Berliner Capoeira-Studios mit hoher Wahrscheinlichkeit Daniela Klette zeigten, sagte Colborne am Donnerstag der dpa. «Die Tatsache, dass jemand wie ich, der kein Deutsch spricht, so kurze Zeit brauchte, um eine Spur zu finden, die direkt zu Daniela Klette führte, lässt mich fragen, wie sie 30 Jahre lang den Strafverfolgungsbehörden entgehen konnte», kritisierte der kanadische Journalist.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen äusserte sich zunächst nicht zu einer möglichen Fahndung mit Gesichtserkennungssoftware und zur Frage, ob diese überhaupt rechtlich zulässig wäre. Die Datenschutz-Grundverordnung der EU verbietet es, biometrische Daten ohne explizite Einwilligung zu verarbeiten.

Versuche der Bundespolizei mit Gesichtserkennung hätten zu hervorragenden Ergebnissen geführt, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Eine gesetzliche Befugnis, um die Technik bei der Suche nach gefährlichen Tätern, Terroristen oder flüchtigen Tätern anwenden zu dürfen, gebe es allerdings nicht. «Derzeit ist es den Ermittlern nicht erlaubt, das zu tun, das sollte sich ändern», forderte der Polizeigewerkschafter.

Für die Aufklärung der Morde der linksterroristischen Vereinigung ist die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zuständig. Michael Buback, Sohn des 1977 getöteten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, kritisierte im Berliner «Tagesspiegel», dass die Erinnerung an die RAF keine besondere Rolle im kollektiven Gedächtnis spiele. «Da nur einer der 34 RAF-Morde vollständig aufgeklärt ist, dürfte noch eine grössere Zahl terroristischer Mörder in Freiheit leben», sagte der 79-Jährige dem Berliner «Tagesspiegel». «Eine Zahl kann ich nicht nennen, da noch viel zu viel im Dunkeln liegt.»

Weitere Haftbefehle

Gegen Klette liegen laut Bundesanwaltschaft weiterhin Haftbefehle vor. Ermittelt werde gegen sie wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und versuchten Mordes bei Taten Anfang der 90er-Jahre. In Untersuchungshaft sitzt die 65-Jährige derzeit aber wegen sechs bewaffneter Überfälle auf Geldtransporter und Supermärkten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zwischen 1999 und 2016. Dem Trio wird dabei auch versuchter Mord vorgeworfen, weil auch Schüsse bei Überfällen gefallen sein sollen.

Garweg, Klette und Staub gehören zur sogenannten dritten Generation der RAF. In ihrer aktiven Zeit wurden der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991) ermordet sowie Herrhausens Fahrer schwer verletzt. (saw/sda/dpa)

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13 Kommentare
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Philguitar
29.02.2024 15:26registriert Dezember 2018
Also die Aufzählung beinhaltet eine durchschnittliche Grundschülerausrüstung in den USA.
Was wirklich traurig ist.
Die Überschrift verleitete mich eher zu dem Gedanken, dass diverse Raketenwerfer oder Maschinengewehre gefunden wurden.
Aber ja Kriegsgerät beinhaltet alles was in einem Krieg als Waffe eingesetzt wurde.
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