International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Schweigemarsch» in Berlin und weitere Proteste gegen Corona-Politik in deutschen Städten



Aus Protest gegen die Corona-Politik von Bund und Ländern sind am Wochenende Tausende Menschen in deutschen Städten auf die Strasse gegangen. Allerdings traten ihnen teils auch Hunderte Gegendemonstranten entgegen, die etwa einen gross angekündigten «Schweigemarsch» durch Berlin mit Blockaden und anderen Störaktionen begleiteten. Leipzig wurde zwei Wochen nach der chaotischen «Querdenken»-Demo ebenfalls erneut zum Schauplatz für Proteste von Gegnern der Corona-Politik und Gegendemos.

Die Berliner Polizei bezifferte die Zahl der Teilnehmer am sogenannten Schweigemarsch vom Prenzlauer Berg zum zentral gelegenen Alexanderplatz mit rund 1000. Angemeldet worden waren fünfmal so viele. Die meisten Demonstranten trugen der Polizei zufolge Mund-Nasen-Schutz, vereinzelt habe es Strafanzeigen wegen mutmasslich gefälschter Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht gegeben. Der Marsch bis in die Stadtmitte war begleitet von Protesten Hunderter Gegendemonstranten, teils aus dem linken Spektrum.

22.11.2020, Berlin: Wir muessen reden!· steht auf dem Banner, das Teilnehmer einer Demonstration, die als «Schweigemarsch» bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, auf der Bornholmer Bruecke halten. (KEYSTONE/DPA/Annette Riedl)

Gegner der deutschen Corona-Politik. Bild: keystone

Während die Teilnehmer des «Schweigemarschs» unter anderem einen Verzicht auf Impfungen forderten, machten Anwohner in Prenzlauer Berg mit Töpfen Lärm und bezogen Stellung mit Plakataufschriften wie «Kein Platz für Corona-Leugner» und «Abstand halten gegen Rechts». Mitunter ertönten «Nazis raus»-Rufe. Rund 600 Polizisten waren im Einsatz, es kam vereinzelt zu vorläufigen Festnahmen.

Seit Monaten polarisieren die staatlichen Corona-Beschränkungen das Land, Gegner und Befürworter drastischer Schutzvorkehrungen stehen sich teils unversöhnlich gegenüber. Die Beratungen der Landesregierungen über das weitere Vorgehen in der Pandemie könnten auf eine Verlängerung des Anfang November verhängten Teil-Lockdowns hinauslaufen. Die Länderchefs besprechen an diesem Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den weiteren Kurs.

Vor dem Hintergrund der völlig aus dem Ruder gelaufenen «Querdenker»-Demo vor zwei Wochen in Leipzig war die Polizei dort am Samstag mit 1600 Beamten aus sechs Bundesländern und Bundespolizisten im Einsatz. Hunderte Menschen kamen zu einer Kundgebung von Gegnern der Corona-Politik auf dem Kurt-Masur-Platz, die aber kurzfristig vom Veranstalter abgesagt wurde. In der Innenstadt trafen daraufhin gegensätzliche Lager immer wieder aufeinander und mussten von der Polizei voneinander ferngehalten werden. Die Lage war zeitweise unübersichtlich – es gab mehrere nicht genehmigte Spontandemonstrationen.

Counter demonstrators shows a poster reading: 'shame on you' as the protest against a so called  'silent march' against the corona policy of the federal government, at the district Prenzlauer Berg in Berlin Germany, Sunday, Nov. 22, 2020. (Fabian Sommer/dpa via AP)

Gegendemonstranten sorgen für Lärm. Bild: keystone

«Genehmigte Versammlungen liefen friedlich und ruhig ab. Dann aber entwickelte sich eine dynamische Situation an mehreren Stellen der Innenstadt», sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe. Das sei eine schwierige Situation für die Polizei gewesen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sprach von einem «Katz- und Maus-Spiel». Die Situation sei aber ganz anders als bei der Leipziger «Querdenken»-Demonstration vor zwei Wochen gewesen.

Diverse friedliche Aktionen

Nach Angaben der Polizei wurden mehr als 600 Platzverweise erteilt und mehrere Straftaten registriert, darunter Körperverletzungen, Landfriedensbrüche, Bedrohung und Widerstand gegen polizeiliche Massnahmen. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) Sachsen berichtete zudem von zwei körperlichen Angriffen auf Journalisten, zudem sei eine Reporterin beleidigt und verfolgt worden.

Grösstenteils friedliche Demonstrationen gab es am Wochenende auch in vielen anderen Städten, etwa in Frankfurt, Hannover, Stuttgart, Pforzheim, Bochum, Dresden und Cottbus. Teils wurden diese von Anhängern der umstrittenen Initiative «Querdenken» veranstaltet, die seit Wochen Proteste gegen die aktuelle Politik zur Eindämmung der Pandemie organisiert. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Kambodscha – mit Vogelscheuchen gegen Corona

«Ja, ich versteh's einfach nicht. Ihr stellt euch alle hier hin ohne Maske... ohne Abstand.»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Was ich wirklich denke

«Heute herrscht bei der Post Chaos»

Ich habe meine Liebe bei der Post gefunden. In meiner Lehre zum Postbote war es ein Betrieb, in dem man auf Qualität achtete und Recht und Ordnung herrschte. Das war vor gut 20 Jahren. Heute ist das nicht mehr so.

Heute herrscht Chaos. Wagenweise Pakete kommen zu spät und schon die Sortierung kommt nicht mehr nach. Wir sind dauerhaft am Limit und unsere Belastungsgrenze ist längst überschritten. Aktuell habe ich mehr als 100 Stunden Überzeit. Und die Weihnachtsaison hat noch nicht mal begonnen!

Es …

Artikel lesen
Link zum Artikel