Nach Bas-Rücktritt: Diese Köpfe könnten jetzt die SPD führen
Der Rücktritt von Bärbel Bas war erst wenige Minuten alt, da sickerte bereits der Name ihres Nachfolgers im Arbeitsministerium durch. Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), soll ihren Posten im Kabinett zukünftig übernehmen.
Da Bas aber gleichzeitig auch ihren Posten als SPD-Vorsitzende räumte, ist eine andere wichtige Position weiterhin vakant. Doch wer könnte an ihrer Stelle künftig die Bundes-SPD leiten? Das ist bislang unklar. Da ihr Co-Vorsitzender Lars Klingbeil am Montag ankündigte, die komplette Führung der Partei neu wählen zu lassen, könnte auch sein Posten neu besetzt werden. Er teilte nicht mit, ob er erneut antreten wird. Es ist aber davon auszugehen, dass Klingbeil an seinem Amt festhält. Gewählt werden soll bei einem Parteitag im Dezember oder Januar.
Fest steht offenbar nur, dass die SPD weiterhin auf einer Doppelspitze bestehen dürfte. Bas' Nachfolger soll zudem auch eine Frau sein. Falls Klingbeil verzichtet oder seine Wiederwahl verpasst, könnte auch ein neuer männlicher Vorsitzender gewählt werden. Doch wer kommt überhaupt infrage? Mehrere Namen kursieren derzeit.
Manuela Schwesig
Bereits als Bas' Rücktritt noch nicht absehbar war, wurde immer wieder darüber diskutiert, ob Manuela Schwesig zeitnah nach Berlin wechselt und den SPD-Vorsitz übernimmt. Bei den Sozialdemokraten wird die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern seit geraumer Zeit als Favoritin für den Posten genannt. 2019 leitete sie die Partei gemeinsam mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel bereits für wenige Monate kommissarisch.
Schwesig hat sich vor allem in den vergangenen Monaten für höhere Aufgaben empfohlen. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September überzeugte sie mit ihrem Wahlkampf und holte 35,5 Prozent der Stimmen, während die Bundespartei weiter in einem Umfragetief von 13 bis 14 Prozent hängt. Auch wenn die AfD letztlich stärkste Kraft wurde, gilt das Ergebnis als Erfolg – Schwesig dürfte weiterhin Ministerpräsidentin bleiben.
Ihr Erfolgsrezept im Wahlkampf war ein offener Konfrontationskurs gegen die Bundesregierung, insbesondere die CDU. Vor allem bei der Diskussion um die «Rente mit 63» agiert sie als scharfe Widersacherin der Merz-Regierung und zeigte, dass sie dem Koalitionspartner Paroli bieten kann. Im Ranking der bundesweit beliebtesten Politiker stieg sie daraufhin auf Platz drei auf.
Dieser Erfolg ist allerdings gleichzeitig ein Problem: Denn im Moment befindet sich Schwesig in den Koalitionsverhandlungen mit Linkspartei und Grünen für die Regierungsbildung im Nordosten. Würde Schwesig in dieser wichtigen Phase direkt nach der Landtagswahl von Mecklenburg-Vorpommern nach Berlin wechseln, käme das vor Ort wohl nicht gut an.
Zudem hatte Schwesig vor der Wahl mehrfach ausgeschlossen, den SPD-Parteivorsitz übernehmen zu wollen. Sie habe sich klar für Mecklenburg-Vorpommern entschieden und wolle die nächsten fünf Jahre Ministerpräsidentin bleiben, hatte sie im Wahlkampf gesagt. Daran wird sie sich nun messen lassen müssen.
Nach Bas' Ankündigung meldete sie sich bereits zu Wort, allerdings ohne auf eigene Ambitionen einzugehen. «Mein Mitgefühl gilt Bärbel Bas», schrieb sie auf X. Zugleich griff sie einmal mehr die CDU an und nannte deren wiederholte Angriffe gegen die Arbeitsministerin «unmenschlich und rücksichtslos».
Mein Mitgefühl gilt Bärbel Bas. Ich wünsche ihr viel Kraft in dieser schweren Situation. Persönlich danke ich Bärbel Bas für die gute Zusammenarbeit! Die Attacken der CDU - trotz ihrer persönlichen schweren Situation - waren unmenschlich und rücksichtslos.
— Manuela Schwesig (@ManuelaSchwesig) October 12, 2026
Anke Rehlinger
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger gilt schon länger als potenzielle Anwärterin auf den SPD-Vorsitz. Die 50-Jährige hat eine beachtliche Bilanz vorzuweisen: 2022 gewann sie die Landtagswahl im Saarland mit 43,5 Prozent und regiert seitdem mit absoluter Mehrheit im kleinsten deutschen Flächenstaat.
Rehlinger, seit Dezember 2019 auch stellvertretende Vorsitzende in der Bundes-SPD, ist zudem in der Partei beliebt. Bei ihrer Wiederwahl als Parteivize auf dem SPD-Bundesparteitag 2023 erhielt sie 95,5 Prozent. Von der gesamten Führungsspitze erhielt nur Hubertus Heil (96,6) mehr Stimmen.
Doch Rehlinger hat bereits in der Vergangenheit mehrfach abgesagt, den Vorsitz der SPD übernehmen zu wollen. Als SPD-Chef Lars Klingbeil nach dem erzwungenen Rücktritt von Saskia Esken im Mai 2025 händeringend nach einer Co-Vorsitzenden suchte, lehnte Rehlinger ab. Ein wichtiger Grund ist ein logistischer: Vom Saarland nach Berlin ist es ein weiter Weg. Rehlinger müsste als Ministerpräsidentin die Geschicke in ihrem Bundesland lenken und zugleich regelmässig nach Berlin pendeln, sei es für Koalitionsausschüsse oder SPD-Gremiensitzungen.
Zumal im April im Saarland eine schwierige Landtagswahl ansteht, bei der Rehlinger um ihr Amt fürchten muss. Wahlkampf gegen eine erstarkte CDU und AfD zu führen und gleichzeitig die SPD im Bund zu managen, die in einer brüchigen Koalition mit der Union steckt, gilt im Umfeld Rehlingers als Situation, in der sie nur verlieren kann.
Hubertus Heil
Seit das Rumoren in der SPD über das eigene Führungspersonal wieder lauter wird, kursiert auch ein weiterer Name, der eigentlich schon längst abgeschrieben war: Hubertus Heil. Der Niedersachse war von SPD-Chef Klingbeil, ebenfalls Niedersachse, nach der Bundestagswahl 2025 entmachtet worden. Heil erhielt weder einen wichtigen Posten im Kabinett noch in der Fraktion. Seitdem befindet sich der langjährige Arbeitsminister in Lauerstellung. Aus dem Umfeld von Heil ist zu hören, dass der 53-Jährige weiterhin nach einer Spitzenposition strebt.
Würde nur eine Bas-Nachfolge gesucht, dürfte dies kaum der richtige Moment für Heil sein, da dafür nur eine Frau infrage kommt. Zwei Männer als SPD-Doppelspitze, noch dazu zwei Niedersachsen, gelten als ausgeschlossen. Ebenso kaum denkbar: eine Zusammenarbeit der Partei-Rivalen Klingbeil und Heil. Dass Heil nun nicht bei der Nachbesetzung des Arbeitsministeriums berücksichtigt wurde, wie es manche in der SPD zumindest für möglich gehalten hatten, dürfte ihm einmal mehr verdeutlicht haben, dass für ihn in der Klingbeil-SPD nicht viel zu holen ist.
Dass nun auch Klingbeil seine Position auf dem geplanten Sonderparteitag zur Wahl stellt, könnte für Heil allerdings eine neue Tür öffnen.
Boris Pistorius
Vor zwei Jahren wäre Verteidigungsminister Boris Pistorius fast SPD-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2025 geworden. In der Partei jedenfalls hätte es viel Unterstützung dafür gegeben, den beliebtesten Politiker Deutschlands auf den Schild zu heben. Am Ende wagte Pistorius den Schritt doch nicht – und Kanzler Olaf Scholz setzte sich durch. Doch seitdem bleibt sein Name stets präsent, wenn es um einen möglichen Wechsel an der SPD-Spitze geht.
Der Niedersachse führt seit Jahren die Beliebtheits-Rankings an, hielt sich jedoch aus Partei- und Koalitionsfragen weitgehend heraus und fokussierte sich auf seine Arbeit als Verteidigungsminister. Zuletzt machte er aber wieder mehr von sich reden, er scheint gezielt die öffentliche Bühne zu suchen: Für seinen Vorstoss für die Prüfung eines AfD-Verbots schrieb er einen gemeinsamen Gastbeitrag mit dem Grünen-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Cem Özdemir.
Und nach der Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt am vergangenen Montag rief er in der SPD-Fraktionssitzung zu einem spontanen Protestmarsch auf. Am Bebelplatz hielt Pistorius, auf einem umgedrehten Wasserkasten stehend, eine flammende Rede zur Verteidigung der Demokratie und stimmte die Nationalhymne an. Das breite Lob, das Pistorius parteiintern dafür erhielt, heizte anschliessend Spekulationen an, ob Pistorius nicht doch eine stärkere Rolle in der SPD suche.
Allerdings wird Pistorius eher als potenzieller Kanzlerkandidat bei einer nächsten Wahl gehandelt. Als Bas-Nachfolger scheidet der 66-Jährige aus, aus denselben Gründen wie Heil: Mann und Niedersachse. Tritt Klingbeil noch einmal an, wird Pistorius ihn kaum herausfordern. Verzichtet der Vizekanzler auf eine weitere Amtszeit, wäre Pistorius ein Favorit – falls er denn will.
Alexander Schweitzer
Auch über Alexander Schweitzer wird seit Längerem spekuliert, ob er nicht den Parteivorsitz in der Bundes-SPD übernehmen könnte. Der 53-Jährige war von 2024 bis 2026 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, verlor die Wahl im März jedoch gegen den CDU-Herausforderer. Seitdem drängt Schweitzer, der seine Wahlniederlage den schlechten Werten der Bundes-SPD anlastete und derzeit Fraktionschef in Rheinland-Pfalz ist, auf eine gewichtigere Rolle.
Die bekommt er mit dem Bundesarbeitsministerium nun. Schweitzer übernimmt also Bas’ Position als Arbeitsminister, doch könnte er auch Bas’ Nachfolger im Parteivorsitz werden? Das gilt als unwahrscheinlich.
Eine eindeutige und naheliegende Lösung für die Frage des SPD-Vorsitzes gibt es also nicht, es könnte auch auf einen überraschenden Namen hinauslaufen. Die Suche beginnt nun und dürfte bei den am Montag tagenden Parteigremien mit Sicherheit das wichtigste Thema sein.
Verwendete Quellen:
- Eigene Recherche

