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Drogen

Folterkammer entdeckt – neue Dimension im Drogenkrieg der Niederlande

Folterkammer in den Niederlanden
Zahnarztstuhl im «Behandlungszimmer»: Die Entdeckung des eigens eingerichteten Foltercontainers schockt die Niederlande. Bild: Politie NL

Gangster bauten Folterkammer – neue Dimension im niederländischen Drogenkrieg

08.07.2020, 17:2808.07.2020, 19:02

Ein Container, von innen dick mit silberner Folie isoliert. In der Mitte ein altmodischer Zahnarztstuhl mit Riemen zum Festschnallen der Arme, dazu Handschellen und ein ganzes Arsenal an Werkzeugen, um Menschen zu quälen. Die Entdeckung einer geheimen Folterkammer schockt sogar die hartgesottenen Polizisten des niederländischen Einsatzkommandos: «Fucking hell!», ruft einer in dem Video, das die Polizei zu dem spektakulären Einsatz veröffentlichte.

«Politie Landelijke Eenheid - Politie ontdekt onderwereldgevangenis met martelkamer.»Video: YouTube/Politie Landelijke Eenheid

Am Mittwoch, dem Tag nach der Entdeckung der umgebauten Seecontainer, wird alles klarer: Dahinter stecken nach ersten Ermittlungen Rauschgifthändler. Der Hauptverdächtige ist nach Polizeiangaben der 40-jährige Robin Van O. aus Den Haag. Er gehöre einer der führenden Drogenbanden des Landes an, berichtet die niederländische Zeitung «NRC Handelsblad».

Van O. sei in den Konflikt zwischen den Top-Kriminellen Ridouan Taghi und Mustapha «Moes» F. geraten, die in den vergangenen Jahren einen regelrechten Drogenkrieg in den Niederlanden entfesselt hatten, bei dem mehrere Personen zum Teil auf offener Strasse liquidiert wurden. Er habe zur «alliantie» («Allianz») gehört, einer Vereinigung mehrerer krimineller Gruppen, die gegen Taghi zusammenarbeiteten.

Ridouan Taghi
https://twitter.com/gulftoday/status/1206684917595287552/photo/1
Ridouan Taghi. Bild: Twitter

Van O., der früher ein Fitnesscenter in Utrecht betrieben hatte und von seinen Feinden «Sport» genannt wurde, sei auf einer Todesliste von Taghi gestanden. Sein Fitnesscenter war bereits mehrmals beschossen worden; aus Dokumenten gehe zudem hervor, dass ein Bewaffneter das Haus, in dem Van O.'s Lebenspartnerin und seine Kinder wohnten, aufgesucht habe.

Gehackte Chatgespräche

Bereits seit April war der Hauptverdächtige im Visier der Polizei, unter dem Verdacht des Drogenhandels und der Vorbereitung einer Liquidierung. Van O. wurde mit fünf weiteren Personen am 22. Juni festgenommen. Bei dreizehn Hausdurchsuchungen wurden insgesamt 25 Waffen sichergestellt.

Im Zuge der Ermittlungen waren die Fahnder auf die nur wenige hundert Meter von der belgischen Grenze entfernte Lagerhalle im Ort Wouwse Plantage in der Provinz Noord-Brabant gestossen. Am Dienstag veröffentlichte die Polizei Bilder von sieben Seecontainern, die zu Zellen und einer Folterkammer umgebaut worden waren.

Von aussen schien alles ganz harmlos. Doch dann bekam die Kripo Zugang zu dem inzwischen geschlossenen Netzwerk EncroChat, das vor allem von Kriminellen genutzt wurde. Es war von europäischen Ermittlern geknackt worden – monatelang konnten sie Telefon- und Chatgespräche abfangen. Die Verdächtigen sprachen darin über geplante Entführungen und Folterungen. Die Lagerhalle nannten sie «EBI» («Extra Beveiligde Inrichting») – eine Anspielung auf den Hochsicherheitstrakt der Strafanstalt Vught.

Zahnarztstuhl und Zangen

Für die Niederländer war es ein Schock. Folter ist als Druckmittel in der Unterwelt zwar nicht neu. Doch noch nie zuvor waren eigens dafür eingerichtete und umgebaute Räume entdeckt worden. «Das ist doch eine neue Dimension auch bei Kriminellen», sagte ein Polizeisprecher. Neben den Waffen wurden auch gestohlene Polizeiuniformen, kugelsichere Westen sowie Blaulichter beschlagnahmt. Diese sollten bei den Entführungen eingesetzt werden, die gemäss der Polizei mit grosser Präzision vorbereitet waren. Die Verdächtigen hatten dafür mehrere «Teams» gebildet, darunter ein «OT» (Observationsteam).

Folterkammer in den Niederlanden
Chemische Toilette mit Handschellen in einem der Container, die als Gefängniszelle dienen sollten. Bild: Politie NL

In einem der Container stand – wie aus einem Horrorfilm – der Zahnarztstuhl. Daneben Heckenscheren, Zangen, Bohrer, chirurgische Instrumente und auch Klemmen, um einzelne Finger zu fixieren. Die Verdächtigen nannten es das «Behandlungszimmer», teilte die Polizei mit. «Wenn ich den auf dem Stuhl habe, dann kommt noch mehr», hatte einer im Chat geschrieben. «Aber der Hund ist spurlos verschwunden.»

Folterkammer in den Niederlanden
Sichergestellte Folterwerkzeuge. Bild: Politie NL

Die Polizei hatte die potenziellen Opfer anhand der Chatgespräche identifiziert und rechtzeitig gewarnt. Auch sie waren nach Angaben eines Polizeisprechers Personen aus der Unterwelt, sollten vermutlich unter Druck gesetzt und erpresst werden. Doch noch bevor die Folterkammer genutzt werden konnte, griff die Polizei jetzt zu.

(dhr/sda/dpa)

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